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Berlin: Auch ohne Job selbstbewusst bleiben

Berlin : Auch ohne Job selbstbewusst bleiben

Bei der Jobsuche müssen Arbeitslose andere von sich und ihren Fähigkeiten überzeugen. Das ist keine leichte Aufgabe - vor allem, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes und zahlreiche vergebliche Bewerbungen ihrem Selbstbewusstsein zugesetzt haben.

„Sehr viel Energie geht oft auch bei Ämterbesuchen verloren”, sagt Katharina Stahlmann, Gestalttherapeutin und Coach in Berlin. Etliche Arbeitslose ließen sich nämlich von der bürokratischen Sprache, den starren Regeln und der unablässigen Androhung von Sanktionen einschüchtern und entmutigen. „Man sollte sich bewusst machen, dass es sich beim Jobcenter und den angebotenen Maßnahmen um ein in sich geschlossenes System handelt, das mit der eigenen Person und ihrem Wert nicht viel zu tun hat”, empfiehlt Stahlmann.

Arbeitslose müssten daher aufpassen, sich nicht emotional in dieses System verstricken zu lassen. Innerlich gegensteuern sollte zum Beispiel, wer sich extrem viele Gedanken darüber mache, was der Jobvermittler erwarte und was er von einem halte. In solchen Fällen sei es ratsam, sich wieder verstärkt auf die eigenen Ziele und Wünsche bei der Arbeitssuche zu konzentrieren.

Eine ähnliche gedankliche Distanz helfe auch, um mit Absagen von Firmen besser umzugehen. „Hier sollte man sich immer wieder klar machen, dass Personalchefs schauen, ob ein Bewerber zu einer bestimmten Aufgabe passt, und nicht etwa ein Urteil über sein Leben fällen”, sagt Stahlmann.

Etliche Menschen ließen sich auch von Schwarz-Weiß-Bildern verunsichern, die in der Öffentlichkeit, den Medien oder der Politik über Arbeitslosigkeit verbreitet seien. Denn häufig würde nur zwischen Menschen unterschieden, die bereits nach drei Wochen wieder einen Job finden, und hoffnungslosen Fällen von Langzeitarbeitslosen. „Die Wirklichkeit liegt dazwischen”, berichtet der Coach, „und daher sollte sich auch nach mehreren Monaten Arbeitslosigkeit niemand abschreiben”.

Die Gestalttherapeutin berichtet, dass viele Arbeitslose mit einem Gefühl der Nutzlosigkeit zu kämpfen hätten. „Das liegt oft daran, dass Leistung und Lohn bei uns kulturell bedingt miteinander gekoppelt sind. Doch Erwerbsarbeit ist nicht alles”, sagt Stahlmann. Zum einen sollte einem bewusst werden, dass die eigene Tätigkeit nun die Jobsuche sei.

Zeit und Energie brauche man nun zum Beispiel, um zu recherchieren, sich zu bewerben oder Behördengänge zu erledigen. Außerdem sei jeder Mensch in seinem sozialen Umfeld auch ohne Job nützlich. Unter Umständen könne man sich in der Familie, im Freundeskreis oder der Nachbarschaft sogar mehr engagieren als in den Zeiten, in denen man noch fest in den Beruf eingebunden war.