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Berlin: An der Wursttheke Selbstsicherheit üben

Berlin : An der Wursttheke Selbstsicherheit üben

Nicht in jeder Lebenslage gelingt ein selbstbewusstes Auftreten. Im Vorstellungsgespräch, während der Auseinandersetzung mit dem Chef oder beim Streit mit dem besten Freund: Es gibt viele Situationen, in denen man sich nicht so verhält, wie man es sich eigentlich vorgenommen hatte.

Anstatt die eigene Meinung zu sagen, ertappt man sich beim verbalen Rückzug. Doch „selbstbewusstes Auftreten kann man üben”, sagt die Berliner Buchautorin Caroline Krüll („Selbstsicher - jetzt! So überzeugen Sie in jeder Situation”, GU).

Bevor man sein Verhalten ändert, sollte man allerdings dessen Ursachen ergründen, betont Caroline Krüll: „Bei den meisten Menschen steckt die Angst dahinter, nicht mehr gemocht zu werden.” Wer sich dieses Muster vergegenwärtige, könne bewusst dagegen angehen. „Man sollte sich klar machen, dass man jetzt erwachsen ist und dass weder eine Strafe noch Liebesentzug drohen, wenn man selbstbewusst auftritt”, sagt die Kommunikationstrainerin.

Ruhige Atmung und aufrechte Haltung

Körperlichen Symptomen von Angst und Unsicherheit wie innerer Unruhe oder feuchten Händen versucht man am besten schon bei den ersten Anzeichen zu begegnen. „Eine ruhige Atmung und eine aufrechte Körperhaltung sind besonders wichtig”, erklärt Caroline Krüll, „dann werden sich auch die Gedanken verändern.” Wie ein Mantra könne man innerlich das wiederholen, was man sich vorgenommen hat oder was man verändern will. „Man sollte eine Taktik entwickeln, die einem in unangenehmen Situationen hilft”, sagt die Autorin.

Als Training setzt man sich beispielsweise regelmäßig Situationen aus, die Verunsicherung hervorrufen. Fühlt man sich in Menschenansammlungen unwohl, sollte man sich hin und wieder bewusst an belebte Orte begeben. „Das ist aber nur an Tagen empfehlenswert, an denen man gut drauf ist”, sagt Caroline Krüll. Auch die Bestellung an der Wursttheke sei eine gute Übung. Die berühmte Frage: „Darf es ein bisschen mehr sein?” sollte man ehrlich mit „Nein danke” beantworten, wenn man nicht 100 statt der bestellten 80 Gramm Wurst möchte, schlägt Krüll vor.

Das Neinsagen lässt sich auch im Büro üben. „Es gibt Menschen, die sich von Kollegen immer noch mehr Arbeit aufhalsen lassen”, hat die Kommunikationstrainerin in Gesprächen mit ihren Seminarteilnehmern in Erfahrung gebracht. Hier helfe ein kleiner Trick: Anstatt in sitzender Position am Schreibtisch zu verharren, sollte man dem Kollegen entgegengehen und sich auf Augenhöhe unterhalten. „Damit schafft man eine ganz andere Voraussetzung, als wenn man von oben herab angesprochen wird”, erläutert Krüll. Meist traue sich der faule Kollege dann nicht mehr, die Arbeit abzuwälzen.