Berlin/Köln: Allein unter Paaren: Überlebenstipps für Singles

Berlin/Köln: Allein unter Paaren: Überlebenstipps für Singles

Ab einem bestimmten Alter scheint der Mensch bevorzugt paarweise aufzutreten. Bei Kochabenden, Partys und anderen gesellschaftlichen Ereignissen der Generation Ü30 beispielsweise fühlt man sich als Alleinstehender mitunter etwas fehl am Platz. „Viele Singles bekommen massive Selbstwertprobleme, wenn ihr Freundeskreis plötzlich nur noch aus Pärchen besteht”, sagt der Kölner Coach und Diplom-Psychologe Manuel Tusch.

Denn das verliebte Umfeld lebe Betroffenen ständig die gesellschaftliche Norm vor, nach der das Leben ohne Partner der vermeintlich falsche Weg ist. Viele machten auch die Erfahrung, dass ihr Lebensstil permanent kritisiert wird. „Sprüche wie Du musst auch mal Nähe zulassen oder Du solltest Deine Ansprüche runterschrauben setzen Singles unter Druck und wirken mitunter auch verletzend”, sagt der Ko-Autor des Ratgebers „Psycho? Logisch!”.

Auch Paaren fällt es nicht immer leicht, mit den Singles in ihrem Freundeskreis umzugehen. „Manchen ist es beispielsweise unangenehm, wenn ein einzelner Single bei ihren Treffen dabei ist. Sie fühlen sich dann verantwortlich”, sagt Manuel Tusch. Mitunter seien die verbandelten Freunde auch neidisch auf die Alleinstehenden, die ihr Leben so frei gestalten können und beispielsweise nicht an das Konzept der Monogamie gebunden sind. Und eben aufgrund dieser sexuellen Ungebundenheit fürchte zudem so mancher, der muntere Single könnte eine Gefahr für die eigene Partnerschaft werden.

Vieles ist eigentlich gut gemeint

Damit Freundschaften zwischen Singles und Paaren gut funktionieren, sei es wichtig, dass beide Seiten offen mit solchen und ähnlichen Konfliktthemen umgehen. Sehr leicht entstünden hier nämlich Missverständnisse, sagt Manuel Tusch. „Was vom einen eigentlich gut gemeint ist, beispielsweise Verkupplungsversuche, wird vom anderen möglicherweise als übergriffig empfunden.” Daher sei es wichtig, dass Freunde offen miteinander über ihre Bedürfnisse und Grenzen sprechen. „Als Single sollte man außerdem einmal deutlich machen, wie man sich seine Lebensplanung vorstellt - und darum bitten, dass das akzeptiert wird”, sagt Tusch. So vermeide man, immer wieder darauf angesprochen zu werden, ob man denn inzwischen jemanden kennengelernt hat - obwohl man derzeit lieber alleine bleiben möchte.

„Bei guten Freunden ist es sinnvoll, als Single auch das Thema Eifersucht mal anzusprechen und deutlich zu machen, dass man niemals im eigenen Freundeskreis auf Partnersuche gehen würde”, sagt Ursula Wagner, Diplom-Psychologin und Coach aus Berlin. Zudem könne man seine Freunde auch darauf hinweisen, dass es sogar wahrscheinlicher sei, dass Paare untereinander fremdgehen. „Vielen ist es lieber, wenn die Affäre ebenfalls in einer Partnerschaft steckt - so muss man keine Angst haben, der andere könnte irgendwann mehr fordern”, sagt Wagner.

Sich über die eigenen Wünsche klar werden

Mancher Single fühle sich angesichts der glücklichen Paare wie ein Versager, der eine wichtige Prüfung noch nicht gemeistert hat, berichtet die Autorin des Ratgebers „Die Kunst des Alleinseins”. „Man sollte sich klar machen, dass es ein wichtiges Lebensthema ist, ob man eine Bindung eingeht oder nicht”, sagt die Autorin. Es sei daher wichtig, sich bewusst zu entscheiden, ob man erst einmal Single bleiben will, oder ob man über seine Situation traurig ist und sie ändern möchte.

Der Cousin als Begleiter bei Paar-Veranstaltungen

Bei absoluten Paar-Veranstaltungen wie Hochzeiten empfiehlt Tusch Singles, einen platonischen Freund mitzunehmen. „So hat man inmitten der Zweisamkeit auch einen Ansprechpartner”, sagt der Experte. Allerdings warnt er davor, eine flüchtige Affäre als Begleiter auszuwählen - das könnte bei diesem unter Umständen falsche Hoffnungen wecken. „Wichtig ist außerdem, dass den anderen Gästen klar ist, dass der Begleiter eben nicht mehr als das ist - ansonsten könnte das potenzielle Interessenten abschrecken”, sagt Ursula Wagner.

Aber auch Paare können etwas dafür tun, dass die Freundschaft mit Singles harmonisch verläuft. Ursula Wagner rät ihnen, darauf zu achten, dass ihre alleinstehenden Freunde sich auf ihren Veranstaltungen nicht überflüssig fühlen. „Beispielsweise sollte man die Sitzordnung so gestalten, dass die Paare auch getrennt sitzen, damit es sich mehr mischt”, sagt Wagner. Manuel Tusch empfiehlt zudem, Single-Freunde offen darauf anzusprechen, ob sie sich beispielsweise auf einer Party mit lauter Paaren wohlfühlen: „Man kann ja einfach fragen, wie der andere es gerne hätte, ob er damit ein Problem hat, ob er jemanden mitbringen möchte”, sagt Tusch.

Einen echten Dienst erweise man seinen alleinstehenden Freunden außerdem, wenn man nicht ständig im Doppelpack auftritt, sondern auch mal was alleine mit ihnen unternimmt, betont der Autor. „Es ist auch für einen selbst wichtig, dass man alte Verbundenheiten auch dann noch pflegt, wenn man einen Partner gefunden hat”, sagt Ursula Wagner.