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Fahrbericht aus Frankfurt: Alfa Romeo Giulia Veloce

Frankfurt : Fahrbericht Alfa Romeo Giulia Veloce: Gereifte Herzensbrecherin

Giulia - das ist mehr als nur der Name für ein Auto. Alfas Giulia hat einst Herzen gebrochen. Sie war schön, attraktiv, begehrt aber eben auch ein wenig zickig.

Oft, in einigen Fällen sehr oft, zog sie sich wie eine Diva von ihren Liebhabern zurück, um sich mit anderen zu vergnügen. Die anderen, das waren Mechaniker in diversen Werkstätten. Denn die Giulia war, wie fast alle Mitglieder der Alfa-Familie, technisch anfällig, was häufig zu Ausfallerscheinungen führte.

Aus dieser Vergangenheit hat Alfa Romeo gelernt. Denn die neue Giulia ist nicht nur optisch attraktiv, sie zeigt sich auch ansonsten von einer sehr angenehmen Seite. Wie es scheint, sind sämtliche Allüren einer Diva ad acta gelegt.

Beim ersten Blick auf die viertürige Mittelklasse-Limousine mit dem coupéartig geschnittenen Dach fällt die Kombination aus weichen Rundungen und dem fast ein wenig böse wirkenden Gesicht mit den sehr schmal gezeichneten Scheinwerfern, den mächtigen Lufteinlässen sowie dem weit nach unten gezogenen Scudetto, wie der Kühlergrill bei Alfa heißt. Die dunkel lackierten 19-Zoll-Alufelgen (900 Euro extra) unterstreichen die sportlichen Ansprüche der Giulia.

Die sind ebenfalls im Innenraum auf Anhieb zu erkennen. So ist das übersichtlich gestaltete Cockpit komplett auf den Platz am Steuer ausgerichtet. Die Pedalerie aus Alu und viele solche Applikationen stehen im Kontrast zum ansonsten überwiegend in Schwarz gehaltenen Passagierabteil. Alle Reisenden können es sich auf den Sitzen durchaus bequem machen, vorne mit bestem Seitenhalt, hinten mit einer guten Beinfreiheit. Deutlich zu klein indessen sind die Fächer in den Türen. Einliter-Flaschen lassen sich weder hier noch sonst wo sicher verstauen. Kleinkram kann in diversen kleineren Fächern in der Mittelkonsole oder im Handschuhfach untergebracht werden. Das Volumen des Kofferraums beträgt 480 Liter, die hinteren Lehnen lassen sich bei Bedarf zudem vorklappen.

Einerlei ob voll beladen oder nur mit einer Person besetzt, der in diesem Fall für Vortrieb sorgende 2,2-Liter-Diesel hat mit seinen 210 PS immer Kraft satt. Flottes Anfahren, zügige Überholvorgänge oder die dauerhaft schnelle Fahrt über die Autobahn – der Selbstzünder meistert alle Anforderungen mit Bravour und bleibt dabei erfreulich leise und laufruhig. Übertragen wird die Kraft des Motors in diesem Fall über eine harmonisch abgestimmte Achtgang-Automatik auf alle vier Räder.

Der Allradantrieb trägt in Verbindung mit dem zwar straff aber keinesfalls unkomfortabel ausgelegten Fahrwerks sowie der direkten Lenkung dazu bei, dass die Giulia selbst bei ambitioniertem Tempo alles andere als zickig, sondern eher geradezu lässig um die Ecken fegt. Spurtreue und Handling sind schlichtweg richtig gut. Das gilt überdies für den Verbrauch, der sich trotz sportlicher Fahrweise bei rund acht Litern einpendelt. Wird der Gasfuß etwas zurückhaltender eingesetzt, steht die Sechs vor dem Verbrauchskomma.

Eine Vier steht indessen beim Preis ganz vorne. 46.800 Euro kostet die Giulia Veloce mit dem 2,2 Liter Diesel, Allradantrieb und Achtgang-Automatik. Mit ein paar netten Extras wie unter anderem einem hochwertigen Audiosystem (1250 Euro), Navigation samt 8,8-Zoll-Bildschirm und Bluetooth (2550 Euro), Performance-Paket (2300 Euro) oder Panorama-Glasschiebedach (1650 Euro) werden fast 60.000 Euro fällig. Ein Betrag, mit dem auch die aktuelle Giulia so manches Herz brechen dürfte.

(amv)