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Zweite Coronawelle: Wie gehe ich mit (erneuter) Kurzarbeit um?

Zweite Coronawelle : Wie gehe ich mit (erneuter) Kurzarbeit um?

Die Corona-Pandemie stellt den deutschen Arbeitsmarkt nun mit ihrer zweiten Welle auf eine heftige Probe. Zwar fällt aktuell der zweite Lockdown nicht so breit aus, wie im Frühjahr, dennoch ist die Arbeit in vielen Branchen auf Eis gelegt.

Stark betroffen sind beispielsweise die Veranstaltungsbranche, die Gastronomie, die Hotellerie, aber auch Kosmetiksalons und Tattoo-Studios müssen zeitweise schließen. Daneben gibt es Branchen und Unternehmen, die ihre Arbeit nur zurückfahren. Arbeitnehmer werden, um sie weiter halten zu können, in Kurzarbeit geschickt. Das Kurzarbeitergeld soll Lohnausfälle ausgleichen.

Was bedeutet Kurzarbeit?

Im Grunde können alle Angestellte in Kurzarbeit geschickt werden. Dabei stellt das Unternehmen seine Mitarbeiter teilweise oder komplett von der der Arbeit frei. Die Lohnkosten werden für diese Überbrückungszeit vom Arbeitsamt getragen. Allerdings kommt das nicht für den kompletten Ausfall des Lohns auf. Ähnlich wie beim Arbeitslosengeld bekommen Arbeitnehmer zunächst 60 Prozent ihres Nettogehalts.

Selbst dann, wenn die Arbeitszeit nur zum Teil beschnitten wurde, beträgt die Ausgleichszahlung nur 60 Prozent des ursprünglichen Gehalts. Das bedeutet: Wenn Angestellte nur vier statt acht Stunden arbeiten, bekommen sie für die vier Stunden ihren regulären Stundenlohn vom Betrieb. Die übrigen vier Stunden werden vom Arbeitsamt ausgeglichen, jedoch nur zu 60 Prozent.

Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit und einer Reduzierung von mindestens 50 Prozent der Wochenstunden, wird das Geld auf 70 Prozent des Nettolohns erhöht, ab dem siebten Monat auf 80 Prozent. Diese Regelung gilt jedoch nur bis Ende 2020. 

Je nach Höhe des Gehalts können diese Kürzungen gravierende Einschnitte in den Lebensstandard von Arbeitnehmern haben.

Plötzlich weniger Geld für Angestellte

Menschen, die von Kurzarbeit betroffen sind, müssen teils schnell reagieren, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. Oft gilt es, monatliche Zahlungen, die nicht zwingend notwendig sind, auszumerzen oder sie zumindest, auf Eis zu legen. Die monatlichen Beiträge für Versicherungen sind bei den Deutschen einer der größten Posten bei den Fixkosten.

Nicht notwendige Versicherungen lassen sich bei Bedarf beispielsweise kündigen. Sehr wichtige Policen, wie etwa die private Altersvorsorge oder die Berufsunfähigkeitsversicherung, lassen sich für einen gewissen Zeitraum pausieren.

Auch Abonnements oder das Fitnessstudio lassen sich kurzfristig auf Eis legen, wenn keine Kündigung gewünscht ist. Wichtig ist, dass sich Personen in Kurzarbeit ihre monatlichen Ausgaben und Einnahmen genau aufschreiben und auf diese Weise herausfinden, wo Abstriche möglich sind.

Arbeitgeber muss nicht aufstocken

Grundsätzlich muss das Unternehmen die Gehälter nicht aufstocken. Allerdings gibt es in verschiedenen Branchen Tarifverträge, die genau hier greifen. Beispielsweise in Berufen in der chemischen Industrie. Hier müssen Arbeitgeber zuzahlen, wodurch Angestellte bis zu 90 Prozent ihres Nettogehalts bekommen können. 

Arbeitgeber haben allerdings die Möglichkeit, freiwillig das Kurzarbeitergeld ihrer Mitarbeiter aufzustocken. Allerdings darf der Gesamtbetrag das reguläre Nettogehalt nicht übersteigen. Sollte das Kurzarbeitergeld nicht zum Leben reichen, kann unabhängig vom Arbeitgeber mit Hartz IV aufgestockt werden. Angestellte können jedoch auch selbst für ein höheres monatliches Einkommen sorgen.

Nebentätigkeit, ja oder nein?

Wenn Arbeitnehmer bereits vor der Kurzarbeit einer Nebentätigkeit nachgegangen sind, können sie das weiterhin tun. Das Geld, was sie dabei erwirtschaften, wird nicht mit dem Kurzarbeitergeld verrechnet.

Wird die Entscheidung, einen Nebenjob anzunehmen, aufgrund der Kurzarbeit getroffen, sieht die Sache etwas anders aus. Zunächst muss die Erlaubnis des Arbeitgebers dazu eingenommen werden. Stimmt der zu und wird die Arbeit dann aufgenommen, wird der Lohn aus dem Nebenjob mit dem Kurzarbeitergeld verrechnet. 

Hier gibt es jedoch ein paar Ausnahmen: Handelt es sich nämlich um einen systemrelevanten Job, bei dem das Arbeitsentgelt nicht über das reguläre Nettoeinkommen hinausgeht, hat das ebenfalls keinen Einfluss auf das Kurzarbeitergeld.

Steuerpflicht entfällt

Das Geld, das Angestellte während der Kurzarbeit erhalten, muss nicht versteuert werden. Hier verhält es sich ähnlich wie mit dem Arbeitslosengeld I oder dem Elterngeld. Alle drei Gelder fallen jedoch unter den sogenannten Progressionsvorbehalt. Es kann sein, dass sich durch das Kurzarbeitergeld der eigene Steuersatz erhöht.

Es müssen zwar keine Steuern darauf gezahlt werden, allerdings können sich die Steuern auf andere Einnahmen erhöhen. Das könnte möglicherweise Steuernachzahlungen im Folgejahr nach sich ziehen.

Auswirkungen auf die spätere Rente

Die gesetzliche Rente wird später ebenfalls von der Kurzarbeit beeinflusst werden. Das liegt daran, dass die monatlich gezahlten Beiträge niedriger ausfallen, weil sie auf dem gezahlten niedrigeren Kurzarbeitergeld beruhen. Der Arbeitgeber ist aber verpflichtet, die Rentenbeiträge selbst von 60 auf 80 Prozent des Gehaltanteils aufzustocken. 

Azubis ohne Kurzarbeit

Auszubildende können nicht in Kurzarbeit geschickt werden und haben somit keine monatlichen finanziellen Einbußen zu befürchten. Allerdings müssen sie ihr reguläres Pensum erfüllen. Die Ausbildung soll nämlich auch bei vermindertem Arbeitsbetrieb im Unternehmen fortgesetzt werden können. Sollte es dennoch keine Arbeit für Azubis geben, ist eine Kurzarbeit zwar möglich, allerdings müssen die Betriebe die Vergütung weiterzahlen.

Mehr Freizeit ins Ehrenamt stecken

Nicht nur die finanzielle Situation kann sich in der Kurzarbeit schwierig gestalten, auch die übermäßige Freizeit kann für psychologische Probleme Sorgen. Die Menschen fühlen sich beispielsweise nicht ausgelastet und das kann am Selbstbewusstsein nagen. Eine gute Möglichkeit, wie Kurzarbeiter die Zeit sinnvoll verbringen können, sind ehrenamtliche Tätigkeiten. Allerdings gibt es hier bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen.

(vo)