Worauf kommt es bei Mehrfachbeschäftigung an

Zweitjob : Worauf kommt es bei Mehrfachbeschäftigung an

Die Anzahl der Arbeitnehmer, die einer Mehrfachbeschäftigung nachgehen, steigt immer weiter an. Denn für viele Menschen ist es mittlerweile eine Notwendigkeit geworden mehrere Jobs anzunehmen, sodass alle anfallenden Kosten gedeckt werden können und eine Familie davon leben kann. Doch was ist bei der Ausübung mehrerer Jobs zu beachten?

Einige hilfreiche Ratschläge gibt es hier.

Definition

Als Mehrfachbeschäftigter gilt ein Arbeitnehmer dann, wenn er für verschiedene Arbeitgeber tätig ist. Dies ist bei Voll- sowie Teilzeitjobs möglich, aber auch bei einer geringfügigen Beschäftigung, also einem 450€-Minijob. Mehrere Konstellationen gelten als Mehrfachbeschäftigung:

  • Der Arbeitnehmer übt eine Hauptbeschäftigung und einen oder mehrere Nebenjobs aus.
  • Der Angestellte verfügt bereits über eine Hauptbeschäftigung sowie einen Nebenjob und nimmt ebenfalls eine kurzfristige Beschäftigung an
  • Der Arbeiter geht ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigungen nach.
  • Der Beschäftigte meldet neben dem Hauptjob Selbstständigkeit an.

Mögliche Gründe für eine Mehrfachbeschäftigung

Circa zehn Prozent aller erwachsenen Arbeitnehmer gehen zwei oder mehr Jobs nach. Die Tendenz ist steigend und es wird immer mehr zur Normalität, in mehreren Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten. Folgenden Personengruppen entscheiden sich häufig aus verschiedenen Gründen für ein Multijob-Konzept:

  1. Derzeit werden immer öfter befristete Arbeitsverträge geschlossen. In einigen Branchen ist das längst Standard. Dennoch führt das bei Arbeitnehmern oft zu Unsicherheit, sodass die weiteren Jobs für finanzielle Sicherheit sorgen sollen.
  2. Geringverdiener, wie Mini-Jobber, sind auf den Lohn mehrerer Beschäftigungen angewiesen.
  3. Wer auf stetige Weiterbildung setzt, kann durch weitere Jobs sein Wissen ausbauen, neue Erfahrungen generieren und nützliche Kenntnisse erlangen.
  4. Um den eigenen Lebensstandard zu finanzieren, ist es für viele Arbeitnehmer unumgänglich, einen Nebenjob anzunehmen. Durch geringe Bezahlung und unklare Perspektiven reicht der Hauptjob alleine nicht aus.

Versicherungspflicht – ja oder nein?

Je nach Art und finanziellem Ausmaß der Beschäftigung ist geregelt, ob ein Arbeitnehmer bei mehreren Jobs versicherungspflichtig ist oder nicht. Eine Befreiung liegt vor, wenn nur ein 450€-Minijob neben einer versicherungspflichtigen Voll- oder Teilzeitarbeit ausgeübt wird. Versicherungspflichtig wird der Beschäftige, wenn bei mehreren geringfügigen Beschäftigungen die Grenze von 450€ überschritten wird.

Ein Zweitjob kann von der Rentenversicherungspflicht befreit werden. Werden mehr als zwei 450€-Minijobs nebenbei verrichtet, wird dies mit dem Haupteinkommen verrechnet. Das schlägt sich wiederum auf die Kranken- und Pflegeversicherung nieder.

Was Arbeitnehmer beachten sollten

Durch mehrere Jobs entstehen auch einige Anforderungen, die es zu bewältigen gilt. Der erhöhte Organisationsaufwand sollte bedacht und mit einberechnet werden. Das ist wichtig, um die unterschiedlichen Arbeitszeiten vereinbaren zu können und die Fahrten zwischen den Arbeitsorten zu regeln.

Auch die zulässige Höchststundenzahl pro Arbeitswoche von durchschnittlich 48 Stunden darf nicht überschritten werden. Dies ist im Arbeitszeitgesetz festgelegt und muss vom Arbeitgeber überwacht und geprüft werden. Sonst besteht für diesen das Risiko empfindlicher Geldstrafen. Um Probleme generell zu vermeiden, sollte sich der Arbeitnehmer ausreichend über Mehrfachbeschäftigungen und deren Handhabe informieren.

Bei der Wahl der Nebenbeschäftigung gilt grundsätzlich keine Einschränkung, allerdings kann eine solche durch bestimmte Klauseln im Arbeits- oder Tarifvertrag aufgrund gewisser Voraussetzungen eingeschränkt oder sogar untersagt werden. Bei der Steuererklärung ist darauf zu achten, dass alle Einkommensarten angegeben und versteuert werden müssen. Eine Beratung durch einen Steuerberater oder die Lohnsteuerhilfe ist empfehlenswert.

Wichtige Fragen mehrfachbeschäftigter Arbeitnehmer

Wer sich für eine Mehrfachbeschäftigung entscheidet, stellt sich häufig diese Fragen:

  • Kann der Arbeitgeber Nebentätigkeiten verbieten? Prinzipiell kann ein Arbeitgeber Nebenjobs seiner Angestellten nicht untersagen, allerdings darf durch den weiteren Job die zu erbringende Leistung im Hauptjob nicht beeinträchtigt werden. Ist dies dennoch der Fall, kann der Arbeitgeber ein Verbot aussprechen. Für Konkurrenzunternehmen zu arbeiten, ist generell nicht erlaubt.
  • Was muss bei der Versicherung beachtet werden? Allen Arbeitgebern sollten sämtliche Unterlagen, wie Informationen zu Umfang und Art der Arbeitsverhältnisse sowie die Versicherungsnummer für die Meldung zur Sozialversicherung vollständig übergeben werden. Für den Arbeitnehmer besteht kein Risiko, wenn er bei jeder Arbeitsstelle Transparenz bietet.
  • Kann Urlaub für weitere Jobs genutzt werden? Das ist nicht möglich. Denn der Urlaub soll Erholung garantieren. Daher können Arbeitgeber, gestützt durch den Gesetzgeber, Nebenbeschäftigungen während der Urlaubszeit verbieten. Nichteinhaltung seitens des Arbeitnehmers kann eine Abmahnung zur Folge haben. In besonderen Fällen kann eine Nebentätigkeit erlaubt werden, dies ist jedoch mit dem Arbeitgeber explizit abzuklären.

Die eigene Karriere vorantreiben

Obwohl eine Mehrfachbeschäftigung zu Anfang häufig aus der Notwendigkeit heraus angenommen wird, ermöglicht diese auch einen Nutzen. Wenn die weiteren Tätigkeiten gezielt ausgewählt werden, können einige Vorteile gegenüber Kollegen entstehen und sogar die eigene Karriere kann davon profitieren. Hierbei ist es wichtig, die persönlichen Ziele zu definieren, um die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen.

Außerdem ergeben sich für den Arbeitnehmer durch Mehrfachbeschäftigungen einige weitere Vorteile:

  • Kennenlernen neuer Arbeitsbereiche und anderer Branchen
  • Abwechslung und Ausgleich zur Haupttätigkeit
  • Vorbereitung für einen Job- oder Branchenwechsel
  • Schätzenlernen des Hauptjobs
  • Aufzeigen der eigenen Belastbarkeit und Organisationsfähigkeit
  • Erproben der Selbstständigkeit ohne volles Risiko
  • Realisierung eines Hobbys zum Beruf
Mehr von Aachener Nachrichten