Wie werden Überstunden vergütet?

Geld oder Freizeit : Wie werden Überstunden vergütet?

Überstunden sind ein großes Thema. Wer im Job weiterkommen möchte, von dem wird in der Regel erwartet, dass er auch mehr arbeitet als die klassischen 40 Stunden pro Woche. Aber wie werden Überstunden vergütet? Und müssen diese überhaupt vergütet werden?

Muss der Arbeitgeber die Überstunden bezahlen?

Ganz unabhängig davon, ob im Arbeitsvertrag zu diesem Punkt eine klare Aussage gemacht wird, müssen Arbeitgeber Überstunden vergüten. Alternativ hierzu darf das Unternehmen vorschlagen, dass die zu viel geleisteten Stunden in Form eines Freizeitausgleichs "abgefeiert" werden. Die Grundlage zur Bemessung der zu zahlenden Überstunden ist der Lohn.

Überstunden berechnen Sie am besten, indem Sie sich Ihren konkreten Stundenlohn anhand der regulären Anzahl der Arbeitsstunden und Ihres Monatslohns ausrechnen. Wenn Sie zum Beispiel 2.000 Euro Monatslohn erhalten und dafür rund 150 Stunden arbeiten müssen, dann dividieren Sie die 2.000 Euro durch die 150 Stunden. Das Ergebnis dieser Division entspricht Ihrem Stundenlohn.

Unwirksame Regelungen im Arbeitsvertrag

Seitens der Arbeitgeber wird hin und wieder versucht, Sonderregelungen bezüglich der Überstunden im Vertrag festzulegen. Solche Vereinbarungen sind per Gesetz nicht zulässig - ganz gleich, ob Sie den Vertrag unterschrieben haben oder nicht. Wenn Ihr Arbeitgeber die anfallenden Überstunden mit dem regulären monatlich ausgezahlten Gehalt abgelten möchte, so ist das ebenfalls nicht gestattet. Mindestens wird gefordert, dass bei einer pauschalen Regelung die maximale Anzahl der Überstunden angegeben wird.

Zudem ist der exakte Bemessungszeitraum anzugeben. Die Obergrenze für Arbeitnehmer wird im Durchschnitt mit zehn Prozent der regulären Anzahl der Arbeitsstunden angesetzt. Für Führungskräfte gelten andere Regeln, denn ihnen dürfen auch mehr Überstunden zugemutet werden.

Wann steht dem Arbeitnehmer der sogenannte Freizeitausgleich zu?

Dieser Punkt wird individuell im Arbeitsvertrag oder - je nach Branche - im entsprechenden Tarifvertrag geregelt. Inzwischen hat es sich etabliert, dass die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern einen Ausgleich der geleisteten Überstunden in Form von Freizeit zugestehen. Allerdings muss mit dem Arbeitgeber vorab abgeklärt werden, wann der Freizeitausgleich genommen wird. Im Fall einer Anstellung in Gleitzeit sind Arbeitnehmer an dieser Stelle natürlich flexibler.

Anspruch auf Überstundenzuschlag

Einen Anspruch auf einen Zuschlag haben nur solche Arbeitnehmer, welche über einen entsprechenden Vertrag verfügen. Der sogenannte Überstundenzuschlag muss explizit im Arbeitsvertrag erwähnt und mit einer exakten Summe benannt werden, damit er eingefordert werden kann. Zumeist sind solche Zusätze eher in Tarifverträgen als in gewöhnlichen Arbeitsverträgen vorhanden.

Nur die wenigsten Arbeitgeber zahlen Zuschläge. Sofern Ihnen eine Zusatzzahlung zusteht, wird in der Praxis oft strittig sein, ob die geleisteten Überstunden tatsächlich notwendig waren. Die wenigsten Arbeitgeber möchten mehr Vergütung zahlen als unbedingt notwendig.

Überstunden erfordern Zustimmung

Bezahlt werden müssen in jedem Fall nur solche Überstunden, die ausdrücklich angeordnet wurden. Daher sollten zusätzliche Arbeitsstunden niemals ohne Rücksprache mit dem Chef oder dem Personalbüro ausgeführt werden. Eine schriftliche Genehmigung ist wiederum laut Gesetz nicht erforderlich. Sofern es zu einem Streit kommt, müssen Arbeitnehmer sogar beweisen, dass die Überstunden auch tatsächlich notwendig waren. Können Sie dies nicht, muss der entsprechende Zuschlag nicht bezahlt werden.

Aus diesem Grund ergibt es Sinn, wenn Sie sich genauestens notieren, wann und aus welchem Grund Sie Überstunden gemacht haben. Wollen Sie auf der sicheren Seite sein, lassen Sie sich das entsprechende Protokoll von einer autorisierten Person gegenzeichnen. Nur so haben Sie im Nachhinein Anspruch auf den regulären Stundenlohn plus eventuell vereinbarte Zuschläge. Gerichte fordern derzeit, dass Überstunden nur dann geleistet werden, wenn der Arbeitgeber erstens darüber informiert ist und den Überstunden außerdem ausdrücklich zugestimmt hat.

(ka)
Mehr von Aachener Nachrichten