Werkstoffprüfungen sind das A und O in der Industrie

Für jede Sicherheit : Werkstoffprüfungen sind das A und O in der Industrie

Wie belastbar ist die Turbine des neuen Flugzeugmodells bei Kollision mit einem Fremdkörper? Wie gut hält die Schweißnaht der Brücke extreme Temperaturschwankungen aus? Welches Gewicht kann auf das Kunststoffregal gelegt werden, ohne dass es zusammenbricht? Diesen Fragen widmen sich seit jeher Werkstoffprüfer.

Mit verschiedenen Methoden schreiten sie zur Tat, um viele zum Teil alltägliche Bauteile, Maschinen und Bauwerke zu untersuchen, bevor sie Teil unseres Alltags werden. Das Ziel: Schäden – im schlimmsten Falle dem Verlust von Menschenleben – vorzubeugen, sei es durch die grundsätzliche Vorgabe der Neuentwicklung eines Materials aufgrund seiner Reaktion oder durch die Benennung eines Zeitpunkts, zu dem das bestimmte Bauteil spätestens ausgetauscht werden sollte. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, der sich spezialisierte Firmen widmen.

Bis zum Ende getestet

In der Werkstoffprüfung gibt es verschiedene Möglichkeiten, Materialien auf ihre Haltbarkeit und Stabilität hin zu testen. Bei der zerstörenden Prüfung werden Bauteile vor der Serienproduktion mechanisch oder chemisch so beeinflusst, dass sie am Ende nicht mehr genutzt werden können. Sie werden beispielsweise bis zum Bruch gebogen, zerdrückt, gedehnt, aufgebohrt, verbrannt oder anderen chemischen Reaktionen ausgesetzt – all dies um festzustellen, ob und wie lange das Material der bestimmten Belastung widersteht. Diese Methoden sind logischerweise wenig ökonomisch, da die Bauteile nicht mehr verwendbar sind. Allerdings sind sie in vielen Fällen der Werkstoffprüfung notwendig.

Zerstörungsfrei prüfen

Neben der zerstörenden Werkstoffprüfung existieren auch zerstörungsfreie Methoden, die natürlich vor allem beim Entstehungsprozess und bei bestehenden Anlagen zur Anwendung kommen, die bei der Prüfung nicht zerstört werden sollen. Die Methoden fangen beim einfachen In-Augenschein-Nehmen (Sichtprüfung) an: Sind Risse oder Löcher sichtbar? Was passiert, wenn ich das Teil mit der Hand mechanisch belaste? Ist unter der Lupe ein Kratzer sichtbar, der mit bloßem Auge nicht erkennbar ist?

Aber auch jede Menge technische und chemische Möglichkeiten stehen den Werkstoffprüfern zur Verfügung, zum Beispiel Laser-, Röntgen-, g-, Elektronen-, Ionen- oder Neutronenstrahlen. Bei der Magnetpulver-, der Farbeindring- oder der Ultraschallprüfung werden ebenfalls keine Werkstoffe zerstört.

Werkstoffprüfer: Mehr als nur Technik

Wer nun an mehr oder weniger große Labore denkt, in denen Menschen in weißen Kitteln und mit Schutzbrillen auf der Nase Mikroskope bedienen, liegt nicht unbedingt richtig. Aktuelles Beispiel Windkraftanlagen: Bei der Firma Gears aus Steinau an der Straße ist das Prüfungsteam nicht nur bei den zerstörungsfreien Prüftechniken versiert, sondern auch schwindelfrei. Die Techniker des hessischen Unternehmens sind gleichzeitig auch Industriekletterer, die in regelmäßigen Abständen in großer Höhe den Zustand von Windrädern prüfen müssen – eine verantwortungsvolle und auch herausfordernde Aufgabe.

Dabei kommen elektrische, magnetische oder mechanische Methoden zum Einsatz, die Aufschluss darüber geben, wie gut in Schuss die Anlage ist und ob und wann eine Reparatur ansteht. Die Techniker führen die Prüfungen nach Kundenwunsch bzw. nach Vorgaben des TÜV und anderer Institutionen durch und tun somit etwas für die Sicherheit der Menschen, die sich um die Anlage herum bewegen.

(rd)
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