Titisee-Neustadt: Was für Jobs in ländlicher Gegend spricht

Titisee-Neustadt: Was für Jobs in ländlicher Gegend spricht

Nach der Uni zieht es viele beruflich in die Großstadt: Dort gibt es pulsierendes Nachtleben und Supermärkte, die bis 24 Uhr geöffnet haben.

Die Alternative ist ein Job in einem beschaulichen Ort mit sauberer Luft, wenig Nachbarn und dem Wald direkt vor der Tür. Bei der Jobsuche entscheiden sich vor allem junge Menschen oft für die erste Variante - dabei sitzen viele attraktive Arbeitgeber in ländlichen Regionen.

Doris Stein-Dobrinski arbeitet als Business Coach und Führungstrainerin. Foto: M. Kaplan

Die Unternehmen lassen sich besondere Angebote einfallen, um Anreize für Bewerber zu schaffen. „Es gibt Arbeitgeber, die extra hauseigene Fitness-Center bauen und Kinderbetreuung anbieten. Und: Nicht nur der Masseur, sondern sogar der Friseur kommt regelmäßig ins Haus”, sagt Doris Stein-Dobrinski, Business Coach aus Großenseebach bei Erlangen. Das ist interessant für Mitarbeiter, die Wert auf Work-Life-Balance und eine gute Atmosphäre am Arbeitsplatz legen.

Dr. Antje von Dewitz arbeitet als Geschäftsführerin bei Vaude in Tettnang-Obereisenbach in Baden-Württemberg. Foto: Vaude

Der Einstieg bei einem dieser Unternehmen lohnt sich nicht nur für Naturfreunde, die Wald, Berge und Seen schätzen. Auch der eigene berufliche Werdegang kann profitieren: „Häufig ist es für angehende junge Führungskräfte außerhalb der Ballungsgebiete sehr viel einfacher, schnell eine erste Führungsposition zu bekommen”, sagt Stein-Dobrinski. Oft sei dies ein Sprungbrett für weiterreichende Verantwortung. „Das gilt für die unterschiedlichsten Branchen.”

Dr. Clemens Weick arbeitet als Personalberater in Titisee-Neustadt. Foto: Dr. Weick Executive Search GmbH

Wer in der ländlichen Gegend aufgewachsen ist, weiß die Vorteile oft zu schätzen. Kommt ein Bewerber aus einem anderen Teil der Republik, empfiehlt Stein-Dobrinski, sich auch den potenziell neuen Wohnort sehr gut anzusehen und dort mindest ein Wochenende vor der Entscheidung zu verbringen. „Nur so kann ich ein Gefühl dafür entwickeln, wie der neue Standort zu mir selbst und möglicherweise auch zu meiner Familie passt.”

Tettnang-Obereisenbach in Baden-Württemberg könnte so ein Ort sein. Dort sitzt Vaude, ein Unternehmen, das Bergsportausrüstung produziert. Dennoch gebe es nach Aussage der Geschäftsführerin Antje von Dewitz keine Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden: „Wir bekommen zahlreiche Bewerbungen, auch aus den Metropolen.” Neben der Nähe zum Bodensee bietet das Familienunternehmen unter anderem Kinderbetreuung, ein eigenes Kletterareal, eine Bio-Kantine sowie kostenlose Leih-Elektrobikes für den Weg zur Arbeit. Das Unternehmen punkte mit den vielen Angeboten, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern - „so dass sie sich mit einem Leben auf dem Land arrangieren”.

Viele müssen sich aber gar nicht erst arrangieren. Naturverbundene Mitarbeiter sehen den Firmenstandort als Pluspunkt an. „Für sie ist es tatsächlich ein Anreiz, dass unser Firmensitz in Alpennähe liegt und in der nächsten Umgebung jede Menge Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten bietet.”

Auch Clemens Weick, Personalberater aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Mitarbeiter Firmenstandorte abseits von Metropolen zunehmend bevorzugen - oder sie schätzen lernen, sobald sie einige Zeit dort verbracht haben.

Und dabei zählen nicht nur günstigere Mieten, schöne Joggingstrecken vor der Tür und das persönliche Verhältnis zu den Nachbarn: Häufig sind es mittelständische Familienunternehmen, die in ländlichen Gegenden sitzen. „Hier zählen neben Professionalität und Profitabilität häufig Werte wie Nachhaltigkeit von Entscheidungen, Wertschätzung der Mitarbeiter und Loyalität - auf beiden Seiten”, sagt Weick.

(dpa/tmn)
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