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Hohe Einsparpotentiale: Strom sparen im Gewerbe

Hohe Einsparpotentiale : Strom sparen im Gewerbe

Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die Strompreise stetig steigen. Der Großteil des Stroms wird in Industrie und Gewerbe verbraucht. Es existieren umfangreiche Förderprogramme und Einzelmaßnahmen, um Einsparmöglichkeiten zu erkennen und umzusetzen.

Beispiele für Kosteneinfluss in verschiedenen Branchen

Bei den Kosten für Strom und Gas lässt sich in Unternehmen am meisten sparen. Je nach Branche variieren die Einsparmöglichkeiten. Insgesamt verbrauchen elektrische Antriebe in der Industrie und im Gewerbe rund 40 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Neben den elektrischen Antrieben entfallen Energiekosten zum großen Teil auf Klima- und Lüftungsanlagen oder die Wärmegewinnung.

Beispiele für Branchen mit Einsparpotentialen hinsichtlich Strom- und Gaskosten sind die folgenden:

  • Industrie
  • Druckerei
  • Metallbau
  • Hotellerie
  • Krankenhäuser

Grund für die großen Einsparmöglichkeiten ist der hohe Verbrauch an Strom und Gas. In der Industrie entfällt ein Großteil des Verbrauchs auf Wärmeregulation und Beleuchtung von Räumlichkeiten sowie die Belüftung und Druckluft. Druckereien haben einen enormen Stromverbrauch, wobei 90 Prozent der Energiekosten dem Stromverbrauch zuzuordnen sind. Der Druckvorgang nimmt dabei den Großteil des Stromverbrauchs ein. Im Metallbau sind Prozesswärme sowie Beheizung der Werkshallen kritische Kostenfaktoren. Der elektrische Antrieb der Maschinen schlägt mit hohen Stromkosten zubuche.

In der Hotellerie sind 70 Prozent der Energiebedürfnisse auf die Wärmeerzeugung zurückzuführen, 30 Prozent auf den Stromverbrauch. Da Strom teurer ist, fallen die Stromkosten in der Endabrechnung stärker ins Gewicht. In Krankenhäusern verhält es sich ähnlich wie in der Hotellerie. Es zeigt sich somit, dass bei der Aufnahme von Personen in Gebäude die Wärmeerzeugung der größte Kostenpunkt ist.

Anbieterwechsel als gängige Lösung

Eine gängige Lösung stellt für Unternehmer ein einfacher Anbieterwechsel dar. Auf Basis praktischer Erfahrungen und Beobachtungen lässt sich festhalten, dass sich die Strompreise in den letzten Jahrzehnten stetig im Anstieg befanden. Dabei war jedes Jahr die Erwägung eines Anbieterwechsels lohnend. Wer jährlich Strom- und Gastarife verschiedener Anbieter vergleicht und wechselt, profitiert demzufolge bereits von Ersparnissen. Ein neuer Anbieter für Gewerbestrom oder ein neuer Anbieter für Gewerbegas sind also jedes Jahr aufs Neue in Erwägung zu ziehen. Damit die Wechsel keinen erhöhten jährlichen Aufwand im Unternehmen verursachen, gibt es Energieberater, die sämtliche bürokratische Aspekte regeln.

Zu bedenken ist beim Wechsel zum jeweiligen Anbieter, dass nicht zwingend der günstigste Anbieter die besten Auswirkungen auf die Finanzlage des Unternehmens hat. Denn es achtet eine zunehmende Menge an Kunden darauf, welche Werte und Ansätze Unternehmen vertreten. Demnach kann die Bekanntgabe, dass Waren mit nachhaltiger Energie aus Ökostrom produziert werden, zu positiver Auffassung seitens der Kunden führen. So ist ein Zugewinn an Neukunden möglich. Schlussendlich muss jedes Unternehmen individuell darüber befinden, inwiefern ein Anbieterwechsel, der der Öffentlichkeit bekannt werden würde, Auswirkungen auf die Reputation des Unternehmens hätte.

Einsparmöglichkeiten durch energetische Umrüstung

Im Rahmen energetischer Sanierungen werden bereits für Privatpersonen Kredite vergeben, die zinsgünstig sind. Eine Institution, die Förderungen vergibt, ist die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Hierbei handelt es sich um eine staatliche Förderbank, die im Rahmen energieeffizienter Umbauten finanzielle Unterstützungen an Privatleute und Gewerbe zu geringen Zinssätzen ausgibt. Neben der KfW sind im Rahmen der Klimaschutz-Initiative des Bundesumweltministeriums Förderprogramme erhältlich.

Bisherige Gründe, weswegen die Chancen zu Ersparnissen von einem Großteil an Unternehmen nicht ergriffen werden, sind:

  • Investitionen erfolgen hauptsächlich ins Kerngeschäft
  • Hohe Anforderungen an die Amortisationszeit durch Unternehmen
  • Mangelnder Kenntnisstand

Unternehmen sind in erster Linie darauf bedacht, das eigene Kerngeschäft zu fördern. Hierfür werden vorhandene Gelder investiert, indem neue Produkte entwickelt, die Digitalisierung vorangetrieben oder andere Maßnahmen ergriffen werden, die mit dem eigentlichen Geschäft in Verbindung stehen. Unter der Amortisationszeit ist der Zeitraum zu verstehen, in dem die Erträge aus einer Investition die Kosten übersteigen. Weil es bei Energieeffizienzmaßnahmen zu einer Amortisationszeit kommt, die die Erwartungen von Unternehmen vielfach überschreitet, sinkt die Bereitschaft für Investitionen. Als letzter Aspekt ist der mangelnde Kenntnisstand über den Mehrwert einer energetischen Sanierung anzuführen: Unternehmen sind sich der Einsparmöglichkeiten oder der vielfältigen Spielräume zur Umsetzung der Energieeffizienzmaßnahmen teilweise schlichtwerg nicht bewusst.

Förderprogramme existieren und Informationen sind im Internet auf den offiziellen Webseiten der Bundesregierung einzuholen. Von diesen Seiten aus erfolgt eine Weiterleitung zum jeweiligen Förderprogramm einer bestimmten Institution, wo sich Unternehmer und Gewerbetreibende alle notwendigen Informationen abholen können. Einen guten Ausgangspunkt für Recherchen bietet die Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Einzelne kleinere Maßnahmen innerhalb der Gewerbe

Neben Förderprogrammen haben Gewerbetreibende durch kleinere Maßnahmen innerhalb Ihrer Räumlichkeiten sowie Arbeitsprozesse die Gelegenheit zu Ersparnissen. Diesen kleineren Maßnahmen gehört bereits das Ausschalten des WLAN-Routers über Nacht an. Sofern die Router nicht dauerhaft aktiviert sein müssen, ist diese Stromsparmaßnahme umsetzbar. Neben den Kosteneinsparungen werden gleichzeitig die Geräte geschont und die Strahlenbelastung innerhalb der Räumlichkeiten reduziert.

Die Anschaffung eines Tintenstrahldruckers anstelle eines Laserdruckers ist ebenfalls eine Stromsparmaßnahme. Kostenersparnisse von um die 70 ? pro Gerät und Jahr sind denkbar, wobei angemerkt werden muss, dass Tintenstrahldrucker wesentlich langsamer als Laserdrucker sind. Sie eignen sich demzufolge nicht für Büros mit hohem Druckaufkommen.

Ist im Gewerbe ein Küchenraum für Pausen vorhanden, so empfiehlt sich der Kauf kleiner Spezialgeräte. Beispielsweise sorgen Wasserkocher und Mikrowelle bei geringerem Zeitaufwand und geringeren Kosten als ein Herd für das gleiche Ergebnis. In letzter Zeit häuft sich unter den kleineren Geräten auch smarte Küchenausstattung, die sich durch einen besonders geringen Stromverbrauch sowie Sonderfeatures in der Bedienung auszeichnet.

Eine Übersicht über weitere einzelne Maßnahmen zur Einsparung von Strom im Gewerbe:

  • Kleinere Bildschirme bei Desktop-PCs
  • Energy-Safer-Software für Laptop und PC
  • Nutzung von LED-Leuchtmitteln
  • Einbau energieeffizienter Lüftungs- und Druckluftsysteme
  • Einführung eines Energiemanagementsystems gemäß der Norm DIN EN ISO 50001

Mittel und Wege zur Strom- und Gaseinsparung sind sowohl für kleine als auch große Gewerbe umsetzbar. Der Trend der letzten Jahrzehnte mit steigenden Strompreisen hat gezeigt, dass jedes Unternehmen sich frühestmöglich mit der Thematik auseinandersetzen sollte.

(vo)