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Selbstständig machen mit feuerfesten Werkstoffen

Branche : Selbstständig machen mit feuerfesten Werkstoffen

Den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen ist ein Wagnis, dessen Risikopotenzial bei guter Planung minimiert werden kann. Es ist viel zu bedenken und es muss vieles vorbereitet werden. Je spezieller eine Branche ist, desto wichtiger sind die Kontakte und das Netzwerk für die erfolgreiche Geschäftstätigkeit. Sich mit der Produktion feuerfester Werkstoffen wie beispielsweise Glas, Steine oder Metallformteilen selbstständig zu machen erfordert gute Kontakte zu Firmen in der Feuerfest-Industrie.

Was ist die Feuerfest-Industrie?

Die feuerfest-Industrie hat mit Werkstoffen zu tun, die für sämtliche industrielle Prozesse benötigt werden, die extremen Temperaturen ausgesetzt sind. Die Stahlbranche könnte ohne die Feuerfest-Industrie nicht existieren. Auch Produkte aus Aluminium, Kupfer, Glas, Zementklinker und ähnlichen Werkstoffen könnten ohne feuerfeste Formen nicht hergestellt werden.

Die DIN 51060 definiert feuerfeste Erzeugnisse als nicht metallische keramische Werkstoffe, die ab einer Temperatur von 1500 °C erweichen. Je nach Einsatzbereich können feuerfeste Erzeugnisse bis zu 2500 °C aushalten.

Sich mit feuerfesten Werkstoffen selbstständig zu machen bedeutet, dass eine der folgenden Branchen den Rahmen bildet:

  • Eisen- und Stahlindustrie
  • Keramische Industrie
  • Zement- und Kalkindustrie
  • Glasindustrie
  • Nicht Eisen-Metallindustrie
  • Chemie- und Erdölindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Abfall- und Entsorgungsanlagen
Formteile herzustellen erfordert feuerfeste Formen. Foto: anaterate / Pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Welcher feuerfesten Erzeugnisse gibt es?

Der Markt kennt zwei unterschiedliche Erzeugnisvarianten. Zum einen gibt es die geformten Erzeugnisse. Dazu gehören zum Beispiel diese:

  • Formteile
  • Steine
  • Stopfen
  • Stützen
  • Rohre
  • Muffen
  • feuerfeste Dämmstoffe
  • Feuerleichtsteine
  • wärmedämmende Produkte

Zu den feuerfesten ungeformten Produkten und Erzeugnissen gehören diese:

  • Beton
  • Zement
  • Mörtel
  • Schiebesand
  • Abdeckmasse
  • Hinterfüllmasse

Kontakte und Geschäftspartner von übergeordneter Bedeutung

In einer so spezialisierten Branche wie der Feuerfest-Industrie sind Kontakte und gute Beziehungen zu Branchenverbänden wie dem VDFFI und konkreten Geschäftspartnern von übergeordneter Bedeutung. Spezialwissen über Branchen-Leader können über Wohl und Wehe einer Existenz entscheiden, die rund um feuerfeste Produkte aufgebaut wird.

Vor der Gründung: Netzwerk knüpfen und festigen

Bevor es an die formale Gründung geht, muss ein belastbares Gerüst strategisch wichtiger Geschäftspartner zu einem Netzwerk geknüpft werden, welches das zu gründende Unternehmen über die Etablierungsphase hinaus zuverlässig mit den nötigen Produkten und Stoffen versorgen wird. Auf dieser Basis lässt sich das individuelle Geschäftskonzept mit realistischen Zahlen und Prognosen entwickeln, das im Übrigen für jede Bank bezüglich der Finanzierung unverzichtbar ist.

Ein Beispiel aus NRW: Braucht ein neu zu gründendes Unternehmen für die Produktion Gasspülkegel, Gasspülhüllen oder -stopfen, kommen Gründer an der Spezialfirma ESB aus Siegen kaum vorbei. Das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern ist ein wichtiger Arbeitgeber in seiner Region und hat sich in der Branche über viele Jahre einen guten Ruf erarbeitet.

Insbesondere das Spezialwissen, diverse Ausführungskompetenzen und die Flexibilität auch kleine Stückzahlen präzise und hochwertig zu produzieren, machen die Firma zu einem hilfreichen Geschäftspartner. Ihr Sitz in Deutschland garantiert kurze Lieferwege, die Kommunikation ist unkompliziert in der Muttersprache möglich. Das schließt mögliche Fehlinformationen aufgrund von Übersetzungsfehlern aus.

Vorteil guter Geschäftskontakte aus Sicht der Bank

Können Gründer in ihrem Business- und Finanzplan bereits mit seriösen Partnerschaften und verhandelten Vor-Verträgen oder konkreten Zahlen auftreten, erhöhen sich die Chancen auf eine Finanzierungszusage deutlich. Die Ausgangssituation ist komfortabel, denn mit einem aktiven und unterstützenden Netzwerk können generierte Aufträge rasch, professionell und qualitativ hochwertig durchgeführt werden. Anders als die weniger gut vorbereitete Konkurrenz erarbeiten sich Gründer auf diese Weise einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Vorsprung - das erkennt auch die begleitende Hausbank.

Unternehmensgründung durchplanen

Das Netzwerk ist zwar eine wichtige Säule, doch gibt es noch wesentlich mehr zu tun, bis die Geschäftstätigkeit aufgenommen werden kann. Folgende Schritte liegen vor dem Gründer:

  1. Startkapital ermitteln
  2. Finanzierung beschaffen
  3. Gewerbe anmelden, Erlaubnisse einholen und Steuernummer beantragen
  4. Versicherungen abschließen
  5. Vorsorge regeln

Was steckt im Einzelnen hinter den sieben Punkten?

1. Startkapital ermitteln

Um die Höhe des nötigen Startkapitals zu ermitteln, müssen alle Kosten-Positionen und Investitionsbeträge berücksichtigt werden. Je nach Größenordnung und Gesamtkonzept müssen Kosten für Materialien und Produkte, die Büroeinrichtung, das Warenlager, die Miete oder Pacht, Personal und vieles mehr berücksichtigt werden. Die ersten Monate sind oft sehr kostenintensiv und verschlingen viel Kapital. In dieser Anlaufphase braucht es eine ausreichend dicke Kapitaldecke, um nicht vorzeitig zu scheitern.

Es ist dringend anzuraten, sich für die Ermittlung des Startkapitals mit einem Profi zusammenzusetzen. Wer auf eigene Faust einen Finanzplan erstellen will, sollte ein professionelles Tool benutzen. Hier bietet sich das kostenlose Businessplan-Werkzeug des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an. Falls bislang wenig Erfahrung in diesem Bereich besteht, sollte der dort erstellte Businessplan von einem Fachmann prüfen lassen.

2. Finanzierung beschaffen

Ist die nötige Kapitalausstattung bekannt, steht die Kapitalbeschaffung an. Diese umfasst sämtliche Geldquellen. Vom eigenen Kapital über privat geliehenes Geld, Förderprogramme, klassische Bankkredite und Unternehmensbeteiligungen sowie Bürgschaften können Gründer ihre Finanzierung mit zahlreichen Werkzeugen orchestrieren. Wieder gilt der Leitsatz, dass bei fehlender Erfahrung ein Profi eingeschaltet wird, der die nötige Erfahrung einbringt.

3. Gewerbe anmelden und Erlaubnisse einholen

In Abhängigkeit von der Branche sind verschiedene Behördengänge zu erledigen. Gründer müssen sich detailliert informieren, was im Einzelnen für sie zutrifft. In der Regel muss die Tätigkeit beim Gewerbeamt angemeldet werden, außerdem ist eine Steuernummer nötig. Diese wird beim Finanzamt dadurch beantragt, dass der sogenannte steuerliche Fragebogen ausgefüllt wird. Je nach Branche sind die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer für den Betrieb zuständig. Die Einrichtungen geben die Formalitäten vor, die zu erledigen sind. Wenn es spezielle Voraussetzungen, Zulassungen, Nachweise, Lizenzen oder Genehmigung gibt, die beizubringen sind, dann wissen HWK oder IHK Bescheid.

4. Versicherungen abschließen

Jede Firma braucht ein Schutzpaket an Versicherungen, wobei die betrieblichen Risiken variieren. Gegen Einbruch, Maschinenschäden oder Fahrlässigkeit sollte jedes Unternehmen gegen Haftungsansprüche abgesichert werden. Eine Rechtsschutzversicherung, deren Inhalte maßgeschneidert auf die betrieblichen Risiken ist, sollte selbstverständlich sein.

5. Private Vorsorge regeln

Oft vergessen, doch von existenzieller Bedeutung, ist die private Vorsorge. Wer sich selbstständig macht und gewollt oder ungewollt aus der gesetzlichen Vorsorge ausscheidet, muss sich über die Rentenabsicherung sowie Krankenversicherung Gedanken machen. Auch der Schutz der eigenen Arbeitskraft sowie der eigenen Familie ist unverzichtbar. Ratsam ist das Gespräch mit einem unabhängigen Versicherungsmakler, der aus der Vielfalt der Angebote die heraussucht, die auf die individuelle Situation passen.

Gründungsablauf standardisiert, Netzwerk individuell

Wer sich mit der Produktion von feuerfesten Werkstoffen selbstständig machen will, durchläuft dieselben Schritte, wie jeder andere gewerblich Gründende auch. Allerdings ist es in einer so speziellen Branche von großer Bedeutung, mit vertrauenswürdigen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten. Dieses Netzwerk sollte bereits vor der Gründung geknüpft werden, damit Existenzgründer aus der bestmöglichen Startposition in das Unternehmerleben durchstarten.

(vo)