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Hamburg: Klicken statt knipsen: Fotografen arbeiten heute viel am Rechner

Hamburg : Klicken statt knipsen: Fotografen arbeiten heute viel am Rechner

Auslöser drücken, Blitz abwarten - fertig! Nun schnell noch das Foto hochladen: Mehr als 100 Freunden gefällt das. Nicht schlecht, aber leider bleibt es bei diesem kurzlebigen Ruhm. Wie gut müssen es da die Fotografen haben, die werden für den Spaß auch noch bezahlt.

Allerdings ist ein professionelles Foto auch mit mehr Aufwand verbunden. „Die Fotografie macht etwa zehn Prozent meiner Arbeit aus”, sagt Jörg Rothhaar, selbstständiger Fotograf in Hamburg. „Die meiste Zeit verbringe ich am Computer, um Bilder zu bearbeiten.” Der 42-Jährige ist seit 20 Jahren Fotograf. Zu seinen Kunden zählen Agenturen wie Jung von Matt oder Saatchi & Saatchi. Er hat an großen Kampagnen von Firmen wie Adidas mitgearbeitet.

„Professionelle Fotografen können Kundenwünsche exakt ausführen”, erklärt Hans Starosta vom Centralverband Deutscher Berufsfotografen in Düsseldorf. Fotografen beraten Kunden bei der Gestaltung von Bildern, entwickeln Konzepte, planen Arbeitsabläufe und bereiten Aufnahmen vor. Anschließend entwickeln und bearbeiten sie die Bilder. Sie arbeiten in unterschiedlichen Bereichen wie Fotostudios und Redaktionen, sie sind als Werbe- oder Modefotografen tätig.

„Viele denken, Fotografen würden Promis und schöne Landschaften fotografieren”, sagt Heide Schumann von der Innung der Fotografen Focon in Berlin. „In der Ausbildung merken sie dann, dass einem die Kamera nicht alles abnimmt.” Sie müssen sich mit Brennweite oder Blenden auseinandersetzen und können nicht einfach drauflos knipsen. Rund jeder Fünfte bricht die Ausbildung im ersten Lehrjahr ab.

Die Ausbildung setzt einen Hauptschulabschluss voraus und dauert drei Jahre. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn hatten rund 50 Prozent der Auszubildenden 2013 Abitur. Dabei ist die Vergütung im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen relativ gering. Sie reicht nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit von 310 Euro im ersten bis 490 Euro im dritten Lehrjahr.

In den ersten beiden Jahren sind die Ausbildungsinhalte identisch. „Zu Beginn setzen sich die Lehrlinge mit der Ausrüstung und den digitalen Bildbearbeitungsprogrammen am Computer auseinander”, erklärt Starosta. Dann lernen sie, mit dem Licht richtig umzugehen. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sie sich in den Bereichen Porträt-, Produkt-, Industrie-, Architektur- oder Wissenschaftsfotografie.

Neben der Ausbildung im Betrieb können sich angehende Fotografen an staatlichen Berufsfachschulen, Hochschulen oder Privatschulen zum Fotografen ausbilden lassen. Darüber hinaus ist die Ausbildung in Forschungseinrichtungen oder einem Krankenhaus möglich. Voraussetzung ist hier allerdings, dass dort ein Fotografenmeister beschäftigt ist.

Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Gespür für Gestaltung und Farben sind wichtige Voraussetzungen für den Job. „Ich saß oft in der Bibliothek und habe mir Bücher großer Fotografen angesehen. Dabei habe ich mir eine Art Bildarchiv angeeignet”, erzählt Rothhaar. So könne man den Look eines Fotos oder die Art, wie der Fotograf arbeitet, einer bestimmten Zeit und damit deren Zeitgeist zuordnen. Angehende Fotografen sollten außerdem ein Auge für Bildmotive haben und ein gewisses Talent mitbringen, ergänzt Schumann von der Innung.

Rothhaar selbst hat zunächst Design an der Fachhochschule Dortmund studiert. „Das spielt in meinem Berufsleben aber praktisch keine Rolle”, erklärt er. In den Betrieben sind die Auszubildenden häufig näher am Beruf dran. Sie bekommen mit, wie die Aufträge reinkommen und bearbeitet werden. Mit den gesammelten Erfahrungen hätten sie dann bessere Jobaussichten als Hochschulabsolventen, erklärt Starosta vom Verband.

„Früher haben Fotografen viel Zeit im Labor verbracht. Heute arbeiten sie überwiegend am Computer”, stellt Rothhaar fest. Er rät Schülern: „Mach ein Praktikum bei dem tollsten Fotografen, den du finden kannst. Wenn du merkst, dass du es nicht lassen kannst, dann werde Fotograf.” Denn eine durchschnittliche Motivation reiche nicht aus. „Dafür gibt es zu viele in dem Job, die besessen sind - und das ganz große Geld machen nur wenige.”

(dpa)