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Gescher: Gib Stoff: Textillaboranten überprüfen die Qualität von T-Shirts

Gescher : Gib Stoff: Textillaboranten überprüfen die Qualität von T-Shirts

Nichts soll abfärben. Auch nicht bei Schweiß. Doch das ist gar nicht so leicht. Oft müssen Hersteller Kissenhüllen, T-Shirts oder Autositzbezüge im Produktionsprozess mehrfach testen, bis die Farbe dort bleibt, wo sie hin soll.

„Wir tränken Proben in chemische Lösungen, die menschlichen Ausdünstungen ähnlich sind”, erläutert Carolin Walbrodt. Gibt es keine Abfärbungen, ist alles in Ordnung. Sind sie doch festzustellen, müssen die Verantwortlichen die Herstellung stoppen und die Farbdosierung neu auf den Weg bringen. „Das kommt aber zum Glück nicht allzu häufig vor”, sagt die 17-Jährige.

Walbrodt ist angehende Textillaborantin. Sie lernt bei der Eing Textilveredlung- und Handelsgesellschaft im münsterländischen Gescher. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Materialien zu färben, zu bedrucken und zu beschichten. Das können Stoffe für Cabrioverdecke sein, Bettwäsche oder OP-Tücher für das Krankenhaus.

„Beim Färben von Textilien muss exakt nach der vorgegebenen Rezeptur gearbeitet werden”, erläutert Walbrodt. In der Ausbildung lernt sie, den Produktionsprozess zu überwachen, Stoffe zu untersuchen und Prüfergebnisse auszuwerten. Qualitätsprüfung spiele in der Branche eine große Rolle, sagt Hartmut Spiesecke vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie in Berlin. Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte akkurat arbeiten können. Gerade beim Umgang mit Chemikalien, die mitunter ätzend oder giftig sind, ist Sorgfalt gefragt.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Jugendliche lernen sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule. „Zur Zeit gibt es etwa 130 Azubis, pro Jahr beginnen rund 50 junge Leute die Ausbildung”, erläutert Spiesecke. Textillaboranten sind derzeit gesucht. „Die jungen Leute werden in aller Regel nach der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen”, sagt Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Bewerber müssen keinen bestimmten Schulabschluss vorweisen. Die Betriebe stellten jedoch bevorzugt Jugendliche mit Realschulabschluss oder Abitur ein, ergänzt Reuter. Die Kandidaten sollten Interesse an Naturwissenschaften haben. Physik-Kenntnisse sind nötig, um die Reißfestigkeit etwa von Garnen beurteilen zu können. Mathematische Fähigkeiten sind gefragt, um Laborergebnisse für die Produktion umzurechnen. Wissen in Sachen Chemie brauchen Jugendliche, um zu verstehen, wie einzelne Substanzen miteinander reagieren.

In der Ausbildung befassen sich Schulabgänger zunächst 18 Monate lang mit dem Grundwissen, erläutert Spiesecke vom Verband. Danach spezialisieren sie sich auf Textiltechnik, -chemie oder -veredelung. In der Grundbildung lernen Auszubildende die chemischen und physikalischen Verfahren kennen, mit denen sie die Eigenschaften von Textilien testen. In aller Regel arbeiten sie in dieser Zeit im Betriebslabor. Dort untersuchen sie stichprobenartig Stoffe.

Bereits mit den Eingangskontrollen stellen die Fachkräfte später sicher, dass nur einwandfreie Materialien in die Produktion gelangen. Bei Qualitätsmängeln gehen Textillaboranten den Ursachen nach und sorgen für Abhilfe. Sie arbeiten an der Verbesserung von Stoffen oder entwickeln neue Materialien. Jugendliche befassen sich damit, welchen Einfluss Hitze und Nässe auf Stoffe und Gewebe haben. Sie überprüfen die Verträglichkeit von Textilien und lernen, Schäden zu erkennen.

Wer später den Schwerpunkt Textiltechnik wählt, ermittelt etwa die Widerstandsfähigkeit von Stoffen. Beim Schwerpunkt Textilchemie stehen die unterschiedlichen Analyseverfahren im Mittelpunkt.

Bei der Textilveredelung geht es darum, Rezepturen für Farbmittel zu entwickeln und zu prüfen. In dem Bereich ist Carolin Walbrodt tätig. „Gerade beim Färben von Textilien muss man sehr aufpassen”, erzählt sie. So dürfen Farbmittel beispielsweise nicht zu lange vor der Weiterverarbeitung herumstehen. „Das kann ein anderes Ergebnis bringen als gewünscht.”

Die Höhe der Ausbildungsvergütung hängt von der Branche und dem Bundesland ab. Sie liegt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwischen 614 und 799 Euro im ersten, 665 und 853 Euro im zweiten, 716 und 960 Euro im dritten sowie 767 bis 1064 Euro im vierten Lehrjahr.

Nach der Ausbildung arbeiten die Fachkräfte in Betrieben der Textil- und Bekleidungsindustrie. Auch eine Tätigkeit in der chemischen Industrie, bei Forschungsinstituten oder bei Materialprüfämtern ist möglich. Das Einstiegsgehalt liege zwischen 1500 und 2000 Euro brutto, sagt Reuter. Wer weiterkommen möchte, kann sich zum Industriemeister fortbilden oder hat die Möglichkeit, Textiltechnik oder -chemie zu studieren.

Welchen Weg sie einmal einschlagen wird, weiß Auzubildende Walbrodt noch nicht. Erst einmal will sie ihren Beruf in all seinen Facetten kennenlernen. „Es gibt im Umgang mit Textilien unglaublich viel zu entdecken, und das macht richtig Spaß.”

(dpa)