Gebäudereiniger: Eine Branche mit Zukunftspotenzial

Gebäudereiniger : Eine Branche mit Zukunftspotenzial

Jeder gelernte Gebäudereiniger muss zuerst eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Je nach Betrieb schnuppert Azubis schon während der Ausbildung in die verschiedenen Bereiche hinein. Im Anschluss an die Ausbildung können sie sich spezialisieren und auch fortbilden. Je nach Spezialisierung ist auch der Meistertitel möglich.

Die folgenden Unterbereiche sind recht typisch:

  • Gebäudereinigung - das ist die normale Gebäudereinigung, beispielsweise die von Schulen, Universitäten oder Bürogebäuden.
  • Verkehrsmittel - es gibt eine Spezialisierung, die wahlweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und deren Reinigung zusammenhängt oder aber, die sich auf Bahnhöfe bezieht. Im Verkehrsmittelbereich kommt auch die Reinigung von Bus- oder Bahnsitzen etc. dazu.
  • Facility - in der Immobilienwirtschaft werden Gebäudereiniger mitunter von Hausmeisterdiensten beauftragt. Mit entsprechender Qualifikation ist in diesem Bereich auch die Selbstständigkeit und der Beruf des Hausmeisters möglich.
  • Chemie/Hygiene - in der Chemie und im Lebensmittelbereich müssen besondere Vorschriften eingehalten werden, zudem ist Fachwissen notwendig, da beispielsweise ein Tank, der für chemische Stoffe genutzt wird, nicht mit jedem Mittel gereinigt werden kann.
  • Schädlingsbekämpfung - Gebäudereiniger können sich auch auf diesen Bereich spezialisieren.
  • Fassaden-/Fensterreinigung - dieser Unterbereich erfordert Schwindelfreiheit, ist aber besonders interessant. Diese Gebäudereiniger sind dafür verantwortlich, auch im 30. Stock die Fenster und Fassaden von außen zu reinigen.

Es gibt noch weitere Unterbereiche, die stark mit Qualifikationen und Weiterbildungen einhergehen. Während einer Ausbildung sollte ein Azubi in viele der typischen Bereiche einmal hineinschnuppern können. Wobei die Möglichkeit hierzu auch vom Betrieb abhängig ist. Ein Betrieb, der nie in Chemiestätten reinigt, wird Azubis kaum dieses Lehrfeld bieten können.

Die Arbeitsbedingungen

Ein Job als Fenster- und Fassadenreiniger erfordert eine Weiterbildung. Foto: Unsplash.com/@ mkjr

Die Arbeit als Gebäudereiniger ist gewiss kein Zuckerschlecken und kommt nicht ohne Anstrengungen einher. Das ist auch gar nicht möglich:

  • Zeitdruck - insbesondere ausgelernte Kräfte stehen unter Zeitdruck, da ihnen nur ein bestimmtes Zeitfenster für ihren Job zur Verfügung bleibt. Brauchen sie länger, wird dies nicht unbedingt bezahlt. Das liegt meist daran, dass die Auftraggeber, beispielsweise eine Schule, eine Reinigung mit Zeitkontingent buchen und somit bezahlen.
  • Körperliche Anstrengung - wie anstrengend das bloße Putzen sein kann, dürfte jeder wissen, der seine Wohnung mal einem Grundputz unterzogen hat. Eines ist klar: Gebäudereiniger erledigen ihr Fitnessprogramm während der Arbeit.
  • Unattraktive Bereiche - es gibt sie. Je nach Einsatzort müssen Reinigungskräfte nun mal auch die sanitären Anlagen reinigen. Und wer sich noch an die typische Schultoilette erinnert, der kann sich vorstellen, dass diese Bereiche alles andere als angenehm sind.

Auf der anderen Seite wartet der Beruf als Gebäudereiniger jedoch durchaus mit Vorteilen auf:

  • Gehalt - das liegt oft über dem Mindestlohn. Wie hoch es ist, hängt jedoch vom Betrieb, der Region und dem Fakt ab, ob der Betrieb nach Tarifvertrag zahlt oder nicht.
  • Teilzeitfähig - der Job kann gut in Teilzeit ausgeübt werden. Somit bietet er sich für alleinerziehende Menschen an.
  • Urlaub - in den nach Tarif arbeitenden Betrieben kann es mehr Urlaub geben, als in anderen Berufen: 29 oder 30 Tage sind aktuell im Gespräch.

Es muss jedoch auch erwähnt werden, dass nicht alle Gebäudereiniger nach Tarif bezahlt werden, wobei dann natürlich immer noch der Mindestlohn gilt. Interessenten müssen für sich entscheiden, ob sie in einen Betrieb gehen möchten, der frei ist, oder in einen, der sich dem Tarifvertrag angeschlossen hat. Für die Ausbildung dürften tarifvertragliche Betriebe sinnvoller sein, da der Tarifvertrag auch die Arbeit der Azubis regelt.

Voraussetzungen und Aufstiegschancen

Laut der Agentur für Arbeit genügt ein Hauptschulabschluss für die Ausbildung. Diese muss natürlich gestemmt und bewältigt werden, damit die Aufstiegschancen überhaupt wahrgenommen werden können. Jegliche Fortbildungen setzen eine Gesellenprüfung voraus, da diese das Grundwissen bescheinigt. Danach können sich Fachkräfte natürlich spezialisieren und diese Fortbildungen nutzen:

  • Chemie - Reinigungen im chemischen Bereich erfordern besonderes Wissen. Es ist nicht die Rede von der üblichen Reinigung, sondern beispielsweise von Tanks, in denen chemische Produkte gelagert wurden.
  • Lebensmittelhygiene - auch das ist ein gesondertes Feld. Gerade auf Großmärkten oder in großen Gastronomien kommt es auf die Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften an.
  • Tatortreinigung - das ist ein eigener Bereich, der sicherlich gut überdacht werden muss. Bei der Tatortreinigung wird der Tatort von sämtlichen Bestandteilen befreit, sobald die Polizei ihre Arbeit beendet hat.
  • Fenster- und Fassadenreiniger - das ist sicherlich ein sehr interessanter Beruf, denn obgleich er das Fensterputzen beinhaltet, so findet das in großen Höhen statt. Wer keine Höhenangst hat, der kann sich hier gut spezialisieren. Aber Vorsicht: Dieser Beruf beinhaltet auch die Reinigung von Windkraftanlagen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Beruf ist allerdings kein Schulabschluss, nicht einmal das ehrliche Interesse. Es ist das eigene Befinden bezüglich des Ekels oder auch der Überwindung Hinterlassenschaften anderer Menschen zu beseitigen. Im Bereich der Tatortreinigung kommt das natürlich besonders zu tragen, denn diese Splittung des Berufsbildes hat mitunter mit sehr alten Leichen zu tun. Grundsätzlich sollte sich also jeder genau überlegen, ob er mit Kot, Urin, Schmutz und weiteren Hinterlassenschaften zurechtkommt. Das Gute: Die meisten Azubis gewöhnen sich relativ schnell daran.

Fazit - mehr, als geglaubt wird

Die meisten Menschen bringen pauschal mit dem Gebäudereiniger den »Putzmenschen« in Verbindung. Dabei ist diese Berufsgruppe breit gefächert und konzentriert sich somit auch auf viele Bereiche. Azubis können sich auf ein Gehalt über dem Mindestlohn freuen. Wer es durchhält und seinen Meister macht, der kann sich natürlich auch in bestimmten Bereichen selbstständig machen. Wichtig ist nur, dass das eigene Ekelempfinden unterdrückt werden kann.

(vo)
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