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Ein Jahr Home-Office: Ein Zwischenresümee der Erfolge und Misserfolge

Ein Jahr Home-Office : Ein Zwischenresümee der Erfolge und Misserfolge

Manche haben auch schon vor März 2020 öfters oder gar dauerhaft von zuhause gearbeitet. Für die große Masse jedoch änderte sich nach diesem schicksalshaften Monat alles - und so mancher hat seitdem keinen Kollegen oder Angestellten mehr Face-to-Face gesehen.

Das heißt, man hat mittlerweile mindestens ein Jahr hinter sich, in dem sich vieles änderte, manches sogar völlig auf den Kopf stellte, was man zuvor über das Arbeiten gewusst zu haben oder zu wissen glaubte. Dementsprechend kann man wohl auch ein tragfähiges Zwischenfazit ziehen. Und man kann sicher sein, man wird sich in vielen der nun folgenden Punkte wiedererkennen.

Leben und Arbeit zuhause

Wenn die Arbeit plötzlich zuhause stattfindet, beginnen die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben oftmals zu verschwimmen. Das bringt so manche Vorteile mit sich, aber auch den einen oder anderen Nachteil. 

Nicht nur der Kaffeekonsum geht durch die Decke

Im Home-Office sind die Wege kurz. Das gilt für jenen zur Kaffeemaschine ebenso wie für jenen zum Kühlschrank, zu den Snacks oder zu anderen Leckereien für "zwischendurch". Das kann durchaus praktisch sein, denn ohne Kaffee geht für viele Menschen bei der Arbeit nichts und auch die Mittagspause kann kürzer ausfallen, wenn nicht die Kantine aufgesucht werden muss. Das wiederum bedeutet bestenfalls einen früheren Feierabend. Allerdings bergen diese kurzen Wege auch die Gefahr, dass eben von allem ein bisschen zu viel konsumiert wird. Auch das gilt nicht nur für den Kaffee, sondern ebenfalls für andere Getränke oder - vor allem ungesunde - Snacks. Wer also bei der Arbeit in den eigenen vier Wänden nicht aufpasst, bei dem zeigt die Waage am Ende der Woche vielleicht mehr an als gewöhnlich?und auch diese Erfahrung dürften viele aus den vergangenen Monaten kennen.

Ein Jahr Home-Office: Ein Zwischenresümee der Erfolge und Misserfolge
Foto: Adobe Stock/JenkoAtaman

Erstaunlich, wie viele Ablenkungen selbst eine kleine Wohnung bietet

Wenn man ans Home-Office denkt, gehen viele Menschen davon aus, dass sie dort konzentrierter und produktiver arbeiten können. Schließlich lauern im eigenen Zuhause weniger Ablenkungen als im Büro, richtig? Falsch! Schnell wird zuhause nämlich deutlich, dass Ablenkungen auch im Home-Office zum Problem werden können. Unter Umständen warten hier sogar deutlich mehr kleinere oder größere Störfaktoren vom bellenden Hund über die spielenden Kinder bis hin zur unaufgeräumten Küche. Wer also ein Händchen für die Prokrastination hat, für den kann diese im Heimbüro mehr denn je zum Problem werden. Umso wichtiger ist es, eigene Strategien gegen Ablenkung und für (mehr) Produktivität zu entwickeln. Dann kann das Home-Office tatsächlich zum "Booster" für die eigene Arbeit werden, wie die Erfahrung zeigt.

Mehr Schlaf bekommen - aber auch mehr benötigen

  
  Foto: Adobe Stock/Marina Andrejchenko

Schlafmangel ist in unserer Gesellschaft ein allgegenwärtiges Problem. Viele Menschen schlafen im Alltag zu wenig. Häufig mangelt es ihnen dafür schlichtweg an Zeit. Jedoch kann ein dauerhaftes Schlafdefizit verheerende Folgen für die Gesundheit mit sich bringen. Es mindert zudem die Lebens- und die Arbeitsqualität. Die letzten Monate haben daher, wenig überraschend, gezeigt, dass das Home-Office mehr Schlaf bringt und sich somit positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Durch wegfallende Pendlerwege und flexiblere Arbeitszeiten ist es plötzlich möglich, die eigenen Schlafgewohnheiten individueller anzupassen und somit mehr Schlaf zu bekommen, sei es in der Nacht, in der Mittagspause oder in Kombination. Das führt bei vielen Menschen zugleich zu einem höheren Schlafbedürfnis, sprich sie fühlen sich trotz Plus an Schlaf müder als üblich. Auch das kann unterschiedliche Ursachen haben: Weniger Bewegung während der Arbeit, weniger "Pausen" für das Gehirn durch Klatsch und Tratsch mit den Kollegen oder ein über Jahre hinweg aufgebautes Schlafdefizit, das der Körper nun aufzuholen versucht. In vielen Fällen ist es also normal, dass man im Home-Office gefühlt mehr Schlaf braucht als sonst. Doch schon nach kurzer Zeit wird man merken, wie viel besser man sich physisch und psychisch fühlt. Und sollte die Müdigkeit doch mal überhandnehmen, kann man mit Kaffee oder einem kleinen Workout in der (Mittags-) Pause gegensteuern.

Der Rasierer darf sich freinehmen, das Glätteisen ebenfalls

Mehr Zeit zum Schlafen - diese hat im Home-Office mehrere Gründe. Einerseits fallen die Wege von und zum Arbeitsplatz weg. Andererseits braucht der Arbeitstag weniger Vorbereitung. Man muss nicht zuerst eine Tasche packen und sich auch nicht optisch auf Vordermann bringen. Schließlich bemerkt niemand, ob man mit Jogginghose am Schreibtisch sitzt und den Bart seit Wochen nicht rasiert hat. Allerdings sollte man sich dann sicher sein, dass keine unerwartete Videokonferenz ansteht, ansonsten kann es zu einer peinlichen Überraschung kommen. Im Zweifelsfall zeigt die Erfahrung, dass es sich lohnt, sich zumindest "ansehnlich" herzurichten, aber dennoch gerne legerer als beim persönlichen Gang ins Büro üblich. Manche plädieren sogar dafür, sich trotz Arbeit in den eigenen vier Wänden so zu stylen wie an einem Arbeitstag vor Ort, sozusagen für das richtige "Feeling". Die vergangenen Monate haben also auch gezeigt, wie unterschiedlich der Umgang mit Rasierer, Glätteisen & Co im Home-Office sein kann.

Und ewig lockt die Facebook-Seite

Im Büro ist man vermutlich stets unter Beobachtung, entweder direkt oder indirekt - vor allem, wenn man als Gründer oder Unternehmer im Mittelpunkt des Geschehens steht. Das führt dazu, dass man vermutlich vorsichtig mit dem Surfen auf Facebook oder anderen "unerwünschten" Aktivitäten umgeht. Schließlich will niemand einen schlechten Eindruck hinterlassen. Doch im Home-Office fällt diese Kontrolle weg. Das führt in vielen Fällen zu Nebentätigkeiten wie der ständig geöffneten Facebook-Seite, dem Online-Shopping im Hintergrund oder ähnlichen Aktivitäten. Wohl wissend, dass diese nur der Prokrastination dienen, kann es im Home-Office trotzdem schwierig sein, diese aus reiner Selbstdisziplin zu unterlassen. Zudem geben die eingehenden Benachrichtigungen auf Facebook und die Diskussionen anderer Leute einem manchmal das gute Gefühl, nicht alleine zu sein.

Man wird ein bisschen menschenscheu

Einsamkeit ist nämlich ein wichtiges Thema für viele Personen, die zuhause arbeiten. So toll das Home-Office auf den ersten Blick klingen mag, wurde in den letzten Wochen auch die Erfahrung gemacht, dass es sich sehr einsam anfühlen kann. Es sind vor allem die Mitarbeiter und Kollegen, die im Arbeitsalltag und in den Pausen manchmal fehlen, sei es für produktive Fragen oder einfach für etwas willkommene Ablenkung. Nicht jeder wünscht sich daher, dauerhaft in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Viele sehnen sich sogar zurück in die frühere Arbeitsumgebung oder wünschen sich eine Mischung beider Arbeitsmodelle. Doch es gibt natürlich auch Menschen, die eher introvertiert sind und diese Ruhe im Home-Office rundum genießen. Und selbst, wer sich für eine sehr soziale Person gehalten hat, kann sich an diese Ungestörtheit gewöhnen und sie lieben lernen. Denn keine Menschen bedeutet oftmals auch keine Konflikte, keine Diskussionen, keine Probleme. Und wer dann noch zu viel Zeit in den Untiefen der Facebook-Seiten verbringt, wo sich die meisten Leute nicht unbedingt von ihrer besten Seite präsentieren, entwickelt vielleicht sogar eine regelrechte Dankbarkeit für das Alleinsein und wird zunehmend menschenscheu. Vor allem als Gründer ist das jedoch nicht unbedingt wünschenswert, denn Networking ist für Unternehmer bekanntlich das A und O.

Selbstdisziplin hat man - oder bekommt sie

Mit der Selbstdisziplin ist ein weiteres wichtiges Stichwort gefallen. Schließlich muss man als Gründer und Unternehmer in einem hohen Maß eigenständig sowie selbstorganisiert arbeiten. Selbstdisziplin ist daher eine der wichtigsten Erfolgseigenschaften. Vor allem im Home-Office lässt diese aber schnell zu wünschen übrig. Die Verlockung ist groß, sich anderweitig zu beschäftigen und die Arbeit aufzuschieben; oder zumindest die ungeliebten Tätigkeiten. Doch irgendwann wird der Druck zu groß und man merkt, dass es eben doch nicht ohne Selbstdisziplin geht. Die Arbeit in den eigenen vier Wänden kann daher zu einer wichtigen Lektion im (Gründer-) Leben werden und man kann seine Selbstdisziplin verbessern. Spezialisten der distanzierten Digitalarbeit Man sieht: An Vorteilen mangelt es nicht, wenn es um die Arbeit im Home-Office geht. Aber es lauert eben auch die eine oder andere Hürde. Vor allem die digitalen Technologien sorgen dabei immer wieder für Stolpersteine. Das kann zu lustigen Momenten oder peinlichen Fettnäpfchen führen, die sich derzeit viral im Internet verbreiten. Und das kann die Produktivität fördern oder behindern, je nach individuellem Fall. Es lohnt sich daher auch ein Rückblick und Ausblick rund um die Digitalarbeit auf Distanz.

Nicht nur Videokonferenzen hakeln oft immer noch

Die Digitalisierung hält zwar bereits seit mehreren Jahren Einzug in die Arbeitswelt - so ganz angefreundet hat sich aber noch nicht jeder mit den neuen Technologien. Sie entwickeln sich zudem stetig weiter und stellt einen somit vor neue Herausforderungen. Das gilt auch im Home-Office, wo die Videokonferenz plötzlich zum ganz normalen Alltag gehört. Jedoch fehlt es in den eigenen vier Wänden manchmal an der Infrastruktur wie einer leistungsstarken Internetverbindung, um Störungen zu verhindern. Und selbst, wenn es daran nicht mangelt, entscheiden viele weitere Faktoren über Erfolg oder Misserfolg einer Videokonferenz. Je nach Position wird man vielleicht sogar die Funktion des Moderators übernehmen und dann ist es umso wichtiger, dass alles reibungslos funktioniert. Die richtige Vorbereitung kann daher so manche Peinlichkeit ersparen; was auch für andere technische Helfer im digitalen Arbeitsalltag gilt, sei es die Online-Telefonie, das Cloud-Working oder weitere klassische Home-Office-Tools.

Interessant, wie man selbst unbeliebte Kollegen vermissen kann

Die Einsamkeit als typisches Problem bei der Arbeit zuhause wurde bereits angesprochen. Vielleicht merkt man sogar, dass man jene Kollegen, Angestellte & Co vermisst, bei denen man es niemals erwartet hätte. Man wäre plötzlich vielleicht sogar froh, die schlechten Witze zu hören, bei denen man früher nur mit den Augen gerollt hat, oder die immer gleichen Diskussionen mit den immer gleichen Leuten zu führen. Zwar gibt es durchaus Personen, welche die Ruhe im Home-Office in vollen Zügen genießen - aber eben auch viele, die soziale Interaktionen schmerzlich vermissen. Ein Stück weit rückt die Arbeit zuhause also die Perspektive auf die Mitarbeiter und Kollegen zurecht.

Jeder Fail hat das Potenzial für einen Lacher

Da es am persönlichen Kontakt fehlt, wenn jeder in den eigenen vier Wänden arbeitet, ist die digitale Interaktion umso wichtiger. Videokonferenzen, Telefonate, WhatsApp-Unterhaltungen?all das und vieles mehr gehört im Home-Office zum ganz normalen Arbeitsalltag. Jedoch lauern dabei einige Fettnäpfchen und in diese zu tappen, sorgt bei den anderen garantiert für einen herzhaften Lacher. Im Internet gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Videos oder Geschichten rund um digitale "Fails" im Home-Office. Vielleicht hat man auch selbst damit bereits Erfahrungen gemacht. Über sich selbst lachen zu können, scheint daher eine wichtige Eigenschaft bei der Heimarbeit zu sein, wie die vergangenen Monate deutlich gemacht haben.

Volle Festplatten, noch vollere Desktops

Chaos kann es aber nicht nur bei Videokonferenzen geben, sondern auch auf dem heimischen Computer. Vor allem, wenn dieser ursprünglich nicht für berufliche Zwecke gedacht war, können die Datenmengen die Festplatte des privaten Laptops im Home-Office schnell sprengen. Hinzu kommt, dass dieser manchmal von mehreren Personen genutzt wird, beispielsweise für die Arbeit oder von den Kindern für die Schule. Das Ergebnis kann ein vollgepackter Desktop sein, auf dem jegliche Übersicht verloren geht. Wie wichtig digitale Ordnung sein kann, ist also eine weitere wichtige Lektion der jüngsten Vergangenheit.

Irgendwie bekommt man mehr erreicht

Wer die anfänglichen Hürden überwunden hat, allen voran das Problem mit der Prokrastination oder den ständigen Ablenkungen, und wer seinen eigenen Rhythmus im Home-Office gefunden hat, der wird schnell merken, dass es eben doch ein großes Plus für die eigene Produktivität sein kann. Denn mit ausreichend Konzentration und Fokus fällt es zuhause gefühlt einfacher, die "To-Do-Listen" abzuarbeiten als im Büro, wo die Arbeit immer wieder unterbrochen werden muss. Nach all den Monaten der Heimarbeit haben viele diesen persönlichen Rhythmus gefunden und merken plötzlich, welche Vorteile sie mit sich bringen kann - wenn sie eben richtig genutzt wird.

Social Meetings tun der Seele wirklich gut

Und auch für das Problem mit der Einsamkeit gibt es eine Lösung, nämlich digitale (oder eines Tages vielleicht auch wieder persönliche) Meetings. Allein das Sehen und Hören anderer Personen kann das Gefühl der Einsamkeit schnell verschwinden lassen und häufig zaubern einem diese Meetings ein Lächeln aufs Gesicht - sei es aufgrund eines lustigen Fettnäpfchens, wie bereits geschildert, oder einfach aufgrund der produktiven Ergebnisse. So oder so, können Social Meetings der Seele guttun, was in der aktuellen Situation wohl deutlicher wird als jemals zuvor.

 Manchmal gibt es zu tiefe Einblicke

Gewiss hat man zudem bereits gemerkt, dass es einen großen Unterschied zwischen dem persönlichen und dem digitalen Treffen mit Kollegen, Mitarbeitern, Geschäftspartnern & Co gibt: Beim digitalen Meeting aus den Home-Offices lernt man diese von einer ganz neuen Seite kennen. Man erhält einen Eindruck davon, wie die anderen Personen leben, sieht vielleicht einzelne Familienmitglieder oder die Einrichtung ihrer Wohnung. In jedem Fall bieten Videokonferenzen neue Einblicke, die durchaus interessant sein können. Manchmal sind diese Einblicke jedoch ungewollt zu tief, wenn plötzlich die Kinder im Hintergrund streiten oder der Kollege in Unterhosen vor der Kamera steht. Man hat daher mittlerweile auch gelernt, vorsichtig damit umzugehen, welche Einblicke man den anderen gewährt.

Alte Rituale legen sich nur sehr schwer ab

Wer früher niemals oder nur sehr selten im Home-Office gearbeitet hat, startete den ersten Tag der Heimarbeit vermutlich genauso wie die früheren Arbeitstage im Büro. Fast jeder Mensch entwickelt im Berufsleben gewisse Rituale und diese abzulegen, kann sich als sehr schwierig erweisen. Kein Wunder, schließlich liebt das Gehirn seine Routinen. Allerdings funktioniert die Arbeit zuhause schlichtweg anders und daher sind die Rituale im Büro nicht unbedingt auch für das Home-Office geeignet. Wichtig ist deshalb, neue Rituale zu entwickeln, um auch in den eigenen vier Wänden möglichst produktiv und stressfrei zu arbeiten. Alte Rituale abzulegen, hat sich also nicht als einfach erwiesen, aber als möglich - und als äußerst hilfreich für die Arbeit im Home-Office.

 Ein bisschen Hoffnung und Vorfreude bleiben

Unterm Strich bringt das Heimbüro also Vor- und Nachteile gleichermaßen mit sich. Die Einen hoffen daher, dieses Arbeitsmodell auch nach der Pandemie beibehalten zu dürfen, die Anderen freuen sich bereits auf den Tag, an dem sie wieder ins Büro gehen und ihre alten Rituale aufnehmen können. Das Home-Office hat sich somit in den letzten Monaten zu einem Thema gemausert, das die Geister scheidet - aber das in quasi jedem gewisse Emotionen weckt. Es hat die Perspektive verändert und wichtige Lektionen gelehrt. Welche Schlüsse daraus gezogen werden, ist jedoch individuell. Diese zu reflektieren und sich zu fragen, was man sich eigentlich für die berufliche Zukunft wünscht, ist daher zu diesem Zeitpunkt durchaus interessant.

Fazit