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Berlin: Die Macher der Kreativen: Mediengestalter bringen Ideen aufs Papier

Berlin : Die Macher der Kreativen: Mediengestalter bringen Ideen aufs Papier

Sie gestalten Flyer, Kataloge, Broschüren, Grafiken, Webseiten: im Prinzip fast alle Arten von Medienprodukten. Was sich erstmal kreativ anhört, ist in der Praxis vor allem Handwerk. Marvin Hoffmann erklärt es so: „Mediengestalter sind die Exekutive. Wir setzen Ideen und Entwürfe praktisch um.”

Hoffmann hat vor gut einem Jahr seine Ausbildung als Mediengestalter im Bereich Digital und Print abgeschlossen. Jetzt arbeitet er bei der Kommunikationsagentur A Vitamin in Berlin. Sein Arbeitsplatz ist sein Rechner. Dort setzt er mit spezieller Software Broschüren um, baut mit einem anderen Programm Grafiken oder bereitet sie auf.

„Kreativ sein muss man nur bedingt”, stellt Andreas Okroy klar. Vielmehr geht es darum, Aufträge präzise und den Vorgaben des Kunden entsprechend auszuführen, erläutert der Experte, der bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin als Ausbildungsberater für diesen Beruf zuständig ist.

Hoffmann war schon als Kind kreativ, hat immer gerne gemalt. Später dann beschäftigte er sich mit Bildbearbeitungsprogrammen, erstellte Grafiken. Auch deshalb begann er diese Ausbildung und musste feststellen, dass seine Erwartung mit der Realität nur bedingt übereinstimmte.

„In einem gewissen Maß ist Kreativität gefragt, vor allem zählt jedoch Handwerk”, sagt er. Er empfiehlt Jugendlichen, sich genau mit den Inhalten der Ausbildung auseinanderzusetzen. Hoffmann bereut seine Berufswahl aber nicht. „Das praktische Arbeiten macht mir Spaß”, sagt der 26-Jährige.

Was Auszubildende während der dreijährigen Ausbildung lernen, hängt stark von der Fachrichtung ab. Rund 80 Prozent der angehenden Mediengestalter wählen, wie auch Marvin Hoffmann, die Fachrichtung Gestaltung und Technik, erklärt Melanie Erlewein vom Verband Druck und Medien Baden-Württemberg. 15 Prozent entscheiden sich für die Fachrichtung Konzeption und Visualisierung, nur 5 Prozent für Beratung und Planung.

Der effiziente Umgang mit spezieller Software wie Photoshop, InDesign, Illustrator und Acrobat von Adobe stehe bei allen Fachrichtungen im Vordergrund, sagt Okroy. Ansonsten spiegeln die drei Fachrichtungen den Arbeitsablauf von der Idee bis zum fertigen Medienprodukt wider.

Wer in den Fachbereich Beratung und Planung geht, sollte kommunikativ sein. Dort sind Mediengestalter vor allem im Kundenkontakt tätig, nehmen Kundenwünsche auf und setzen sie in Entwürfe und Projektplanungen um. In der Fachrichtung Konzeption und Visualisierung ist vor allem Thema, wie die Mitarbeiter aus Ideen marketingtaugliche Konzepte und Layouts entwickeln. Das ist einerseits kreativ, andererseits aber auch ein harter Markt: In dem Bereich treten Mediengestalter in Konkurrenz zu Kommunikations- und Grafikdesignern.

In der Fachrichtung Gestaltung und Technik liegt der Schwerpunkt darauf, die Kundenvorgaben gestalterisch umzusetzen. Dabei dreht sich alles um die Technik. Azubis dieser Fachrichtung können einschätzen, ob und wie die Umsetzung bestimmter Designs in der Praxis machbar ist. Erlewein erklärt: „Die Technik haben sie im Griff, und das gibt ihnen einen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt.”

Die Ausbildung ist rein schulisch oder dual möglich, also in Schule und Betrieb. Während die Schulen in der Regel Geld kosten, erhalten Auszubildende im dualen System eine Vergütung. Die liegt in den westlichen Bundesländern laut Bundesinstitut für Berufsbildung im ersten Lehrjahr bei rund 852 Euro pro Monat (Ost: 808) und steigt im dritten Lehrjahr auf 970 Euro (Ost: 922).

Gut 3000 Azubis haben laut Bundesverband Druck und Medien 2015 eine duale Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print begonnen. Betriebe bilden zunehmend für den Eigenbedarf aus, beobachtet Okroy. „Bei guter Leistung ist die Chance zur Übernahme da.” Der IHK-Fachmann sagt aber auch: Viele Mediengestalter machen sich nach der Ausbildung selbstständig, weil sie nicht gleich Arbeit finden. Der Markt für selbstständige Mediengestalter ist entsprechend hart umkämpft.

Von der Wahl des Betriebs hängt auch ab, ob sich Auszubildende im Bereich Digital oder im Bereich Print spezialisieren. Im Bereich Print erstellen Mediengestalter Dateien für den Druck. Dazu gehört auch die Prüfung auf Fehler und mögliche Probleme. „Nicht jede Farbe ist druckbar”, beschreibt Erlewein exemplarisch eine denkbare Fehlerquelle. Wer sich auf den Bereich Digitales fokussiert, baut dagegen vor allem Webseiten und Apps.

Marvin Hoffmann hat seine Ausbildung bei einem Verlagshaus gemacht und sich auf den Printbereich spezialisiert. Nach dem Abschluss hörte er da auf, ging auf Arbeitssuche und fand seinen Job in der Agentur. Während der Jobsuche merkte Hoffmann: Digital versierte Mediengestalter sind noch gefragter.

Die Ausbildungsplattfom in der Region Aachen, Düren und Heinsberg: acubi.de

(dpa)