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Bonn/Hamburg: Das Wissen geschickt verkaufen: Mündliche Prüfungen zum Erfolg machen

Bonn/Hamburg : Das Wissen geschickt verkaufen: Mündliche Prüfungen zum Erfolg machen

Mündliche Prüfungen: Von den einen gehasst, von den anderen geliebt. Mit ein paar Kniffen kann die Prüfungszeit wie im Fluge vergehen. „Eine mündliche Prüfung ist kein Quiz. Sie sollte ein Fachgespräch auf Augenhöhe sein”, erklärt Gaby Jungnickel von der Abteilung Beratung, Kinder und Soziale Angebote des Kölner Studierenden Werkes.

Damit dieser Fall eintritt, muss der Vorlesungsinhalt sitzen. Inhaltlich unterscheidet sich das Lernen für die mündliche Prüfung nicht von dem für den schriftlichen Test. Allerdings sollte man das Sprechen üben. „Manche haben in der Prüfung dann einen Blackout, weil für das Gelernte die Formulierungen fehlen”, sagt Sabine Grotehusmann, Autorin eines Ratgebers zum Thema.

Ob man mit sich selbst spricht oder mit dem Mitbewohner - alles hilft weiter. Außerdem empfiehlt Grotehusmann, in Lerngruppen gemeinsam die Prüfung zu simulieren. „Übrigens muss mein Gegenüber nicht zwingend ein Experte sein. Laienhafte Fragen fordern heraus, einen Sachzusammenhang sehr einfach zu erklären. Damit kann man prüfen, ob man den Stoff verstanden hat”, fügt Jungnickel hinzu.

Und dann ist es soweit: Der Tag der Prüfung steht an. Viele Studenten sind davor aufgeregt. Aber davon sollte man sich nicht verunsichern lassen. „Die Prüfer wissen das”, sagt Ronald Hoffmann von der psychologischen Beratung der Uni Hamburg. Wichtig ist, dass man interessiert wirkt. Und es schadet sicherlich auch nicht, sich für die Prüfung etwas schick zu machen. Juristen erwarten vom Prüfling Kostüm oder Anzug - Professoren an anderen Fakultäten sind davon vielleicht überrascht. „Man sollte sich im Vorfeld bei seinen Mitstudierenden erkundigen”, rät Hoffmann.

Dann heißt es, locker bleiben und sich auf die Situation einlassen. Keine Prüfung verläuft nach einem vorgefertigten Drehbuch. „Die Prüfung ist wie eine Verkaufssituation”, sagt Grotehusmann. Die Autorin empfiehlt, bei einer offenen Frage die wichtigsten Oberbegriffe aufzuzählen und das Wissen dazu zu nennen. So zeigt man sein Wissen in geballter Form.

„Wenn man dann die ersten Punkte mithilfe von Fachbegriffen erklärt, kann es sein, dass der Prüfer unterbricht.” Und das ist meistens ein gutes Zeichen. Er merkt, dass der Prüfling den Themenbereich beherrscht. Und was ist, wenn man die Antwort nicht direkt parat ist? „Lautes Denken ist erlaubt. Das machen alle Wissenschaftler”, sagt Hoffmann.

Es zeigt, dass der Student nicht stur den Inhalt auswendig gelernt hat, sondern sich die Lösung herleiten kann. Dabei kann man Querbezüge einfließen lassen und auf Gelerntes verweisen. Und wenn der Blitzeinfall dann immer noch nicht kommt? „Dann hilft ein Schluck Wasser oder man sagt grob etwas zu dem Thema. Beides hilft dem Gehirn wieder auf die Spur, und der Prüfer kann weiterhelfen”, rät Grotehusmann.

Der letzte Joker: das Nicht-Wissen zugeben. „Man kann beispielsweise darum bitten, das Thema später noch einmal aufzugreifen, da man momentan auf dem Schlauch stehe”, sagt Jungnickel. Und zur Not ist das Prüfungskomitee da. Ein Vorteil im Vergleich zur schriftlichen Klausur: Prüfer können bei einer Wissenslücke weiterhelfen. Übrigens ist die Erzählung des Professors, der alle Prüflinge vorführen möchte, eher ein Mythos. Auch Professoren haben das Interesse, dass die Prüfungszeit angenehm vorbeigeht. „Es gibt nichts Qualvolleres als jemanden zu prüfen, der nichts weiß”, sagt Grotehusmann.

Das Verhalten der Prüfer ist sogar rechtlich geregelt, wie Michael Hartmer vom Deutschen Hochschulverband erklärt: „Der Prüfer muss wohlwollend und fürsorglich mit dem Prüfling umgehen.” Er darf durch sein Verhalten auch nicht die Leistung des Prüflings beeinflussen. Aus diesem Grund zeigen viele Professoren kaum eine Regung. Dies sollte kein Grund zur Verunsicherung sein. Zu Beginn der Prüfung wird in der Regel Grundwissen abgefragt. Merkt der Professor, dass der Student sicher auf dem Gebiet ist, steigert er die Schwierigkeitsstufe der Fragen.

„Wer zum Schluss den Vorlesungsinhalt übertragen, etwas bewerten oder beurteilen muss, kann mit einer guten Note rechnen”, sagt Grotehusmann. Auch darauf kann man sich vorbereiten. Die Expertin empfiehlt, die Oberbegriffe und Fachbegriffe der gelernten Themen auf Kärtchen zu schreiben und auszubreiten.

„Wenn man die Kärtchen immer wieder anders sortiert und sich dann den Inhalt erzählt, erkennt man viele Querbezüge. Man trainiert die gedankliche Flexibilität.” Alles in allem ist die mündliche Prüfung mit einer Kettenreaktion zu vergleichen. Ist der Prüfling gut vorbereitet, tritt er souverän auf, schafft eine Gesprächsatmosphäre - und wird mit einer guten Note belohnt.

(dpa)