Coworking Spaces: Ernstzunehmender Trend auf dem Immobilienmarkt

Coworking Spaces : Ernstzunehmender Trend auf dem Immobilienmarkt

Aus der Arbeitswelt von heute sind sie kaum noch wegzudenken: die Coworking Spaces. Einzelbüro war gestern, und im Unterschied zum Großraumbüro sitzen im Coworking Space Menschen nebeneinander, die nicht zwingend Kollegen sind - sondern eher Bürogenossen. Der Trend zum Mietschreibtisch beeinflusst mittlerweile auch den Immobilienmarkt.

Coworking Spaces boomen. Bislang haben vor allem Freelancer, Künstler und Start-ups diese Angebote genutzt, wenn sie für einen begrenzten Zeitraum und zu verhältnismäßig niedrigen Preise einen Schreibtisch mieten wollten; inklusive kompletter Büro-Infrastruktur, stylisher Einrichtung, Kaffee und Meetingräumen und Partys zum Feiern, Austauschen und Netzwerken. Doch jetzt nutzen auch immer mehr Mittelständler und große Konzerne Coworking Spaces. Sei es, um sich vom "Start-up-Spirit" inspirieren lassen, sei es, um sich als attraktiver Arbeitgebers zu inszenieren. Oder um fehlende Flächen nach Bedarf kurzfristig auszugleichen.

Coworking Spaces machen 0,8 Prozent des deutschen Büromarktes aus

Große Büros mit Mietschreibtischen findet man mittlerweile überall. New York, London, Berlin - keine Metropole, die als "hip" gelten will, kann auf sie verzichten. In neuen Bauprojekten werden bereits häufig eine oder mehrere Etagen für entsprechende Flächen berücksichtigt. Selbst im Speckgürtel sind einige Anbieter von Coworking Spaces aktiv. Wobei man fernab der City den Coworking Space nicht unbedingt als Ort kreativer Selbstverwirklichung wahrnimmt, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung beziehungsweise Alternative zum täglichen Pendeln oder Homeoffice im Eigenheim. Selbst in der tiefsten Provinz scheint Coworking nicht ganz unmöglich, wie das Beispiel CoWorkLand zeigt. Das mobile Pop-up-Gemeinschaftsbüro tourt gerade zwischen Nordseeküste und Harzvorland und macht in Dörfern, Gutshöfen und am Strand Halt.

Trotz der Erfolge an der Peripherie bleiben Coworking-Flächen dennoch ein Großstadtphänomen. In den Metropolen wächst die Nachfrage am stärksten, dort steigt auch das Angebot an Flächen. Rechnet man den Gesamtbestand der fünf größten deutschen Städte zusammen, stehen insgesamt rund 610.000 Quadratmeter für Coworking zur Verfügung. Auf die gesamte Bürofläche gerechnet sind das zwar gerade einmal 0,8 Prozent. Doch in den zentralen und begehrten Innenstadtlagen liegt der Anteil bereits bei zwei bis drei Prozent. In Frankfurt sind es sogar schon 3,6 Prozent.

Spitzenreiter im Flächenbestand ist Berlin mit knapp 300.000 Quadratmetern. Vor allem wegen ihrer lebhaften Start-up-Szene gilt die Bundeshauptstadt als Hotspot der Coworking Community. Dicht dahinter folgt München, das durch ein großes Angebot an Arbeitskräften im IT- und Telekommunikationsbereich und an Studenten in MINT-Fächern punkten kann. Beide Gruppen gelten als besonders affin für Coworking. Auch in NRW wird Coworking immer beliebter. So gibt es in Düsseldorf derzeit rund 50 Coworking Center mit knapp 80.000 Quadratmetern Fläche.

Deutscher Coworking-Space-Markt mit hohem Wachstumspotenzial

Der Gesamtmarkt für Büroflächen verdankte dieser Entwicklung zuletzt neue Impulse. Während der Flächenumsatz im Jahr 2018 insgesamt rückläufig war, legten Anbieter von Coworking Spaces um bis zu 20 Prozent zu. In den nächsten Monaten sollen bundesweit etwa 40 neue Coworking Spaces mit rund 160.000 Quadratmetern Fläche eröffnet werden. Das klingt zunächst nach viel. Doch der Vergleich mit den internationalen Märkten zeigt: Da ist noch viel Luft nach oben. In Amsterdam liegt der Anteil an Coworking-Flächen bereits bei 5,9 Prozent. London, globaler Schlüsselmarkt und auch bei Coworking Spaces Vorreiter, kommt auf einen Anteil von 4,6 Prozent. In Brüssel, Mailand, Paris und Stockholm werden Coworking Spaces ebenfalls überdurchschnittlich häufig genutzt.

Wie dort wird auch hierzulande die Arbeitswelt immer stärker geprägt durch Smartphones, die Zusammenarbeit in der Daten-Cloud, kurz: eine tiefgreifende Digitalisierung aller Prozesse. Daher gehen Immobilieninvestoren davon aus, dass der Markt für Coworking Spaces in den deutschen Großstädten noch erhebliches Wachstumspotenzial besitzt. Sowohl bei der Gesamtfläche als auch beim Anteil am Büromarkt könnten beispielsweise Berlin, München und Frankfurt innerhalb der nächsten zehn Jahren zu europäischen und globalen Metropolen aufschließen. Der Boom geht also weiter.

(vo)