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Bad Zwischenahn: Zierapfel: Vögel haben ihn zum Fressen gern

Bad Zwischenahn : Zierapfel: Vögel haben ihn zum Fressen gern

Der Zierapfel kann viel: Im Frühling trägt das Gehölz reichlich Blüten. Im Sommer bildet es Früchte, die im Herbst und häufig noch bis in den Winter hinein die Zweige schmücken. Sie werden gerne als Dekoration in das Haus geholt. Oder Vögel vernaschen die Früchte. „Daher ist der Zierapfel mittlerweile beliebter als die Zierkirsche”, sagt Dankwart Seipp, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Gartenkultur in Bad Zwischenahn (Niedersachsen).

Darüber hinaus bleiben viele Bäume klein, weshalb sie sich gut für kleine Hausgärten eignen. „Der Zierapfel ist ein sehr vielseitiges Gehölz”, sagt Karl-Friedrich Ley, Vorsitzender des Verbandes Rheinischer Baumschulen im Landesverband Gartenbau Rheinland in Köln. Die Bäume seien nicht nur reine Zierde, sondern übernehmen im Garten verschiedene Funktionen - nicht nur als Futter für die Vögel.

„Die Blüten locken im Frühling zahlreiche Insekten an, und ihre Pollen sind eine wichtige Nahrungsquelle”, erklärt Ley. Die Zieräpfel wachsen auch in Apfelplantagen, weil sich einige der Sorten als gute Pollenspender, also Befruchter für Kulturäpfel, bewährt haben. „Die Zieräpfel überzeugen durch ihren unbeschreiblichen Reichtum an gefüllten oder einfachen, teilweise duftenden Blüten in allen nur denkbaren weißen, roten, rosa- und purpurfarbenen Schattierungen.”

Die Früchte werden unterschiedlich groß und sind gelb bis rot gefärbt. Sie schmecken meist säuerlich und werden daher in England sowie Amerika „crabapple” genannt, erläutert der Baumschuler Ley. „Der altenglische Begriff „scrab” bedeutet sauer.” Man kann sie zu Marmelade und Gelee verarbeiten. Meist sind die Zieräpfel aber Schmuck für Tischdekorationen, Adventsgestecke und Kränze. Oder die mit Früchten behangenen Zweige stehen in einer Vase.

In Asien, Nordamerika und Europa kommen etwa 35 wilde Apfelarten vor. „Von gestalterischer Bedeutung sind derzeit circa 10 reine Arten sowie die Art-Hybriden mit ihren 400 bis 500 verschiedenen Sorten”, erklärt Ley. Im Handel erhältlich sind aber nur 15 bis 20 Sorten. Diese sind nach Aussage von Seipp größtenteils recht widerstandsfähig, und nur in Einzelfällen zeigt sich eine Anfälligkeit für Schorf und Mehltau.

Eine der besten Sorten trägt den Namen Evereste. Sie zeigt Anfang Mai ihre weißen Blüte. „Die etwa anderthalb Zentimeter großen Früchte leuchten orangerot und hängen bis in den Dezember an den Zweigen”, sagt Seipp. Unter den weißblühenden Sorten empfiehlt Baumschuler Ley außerdem Red Sentinel mit kleinen roten Äpfeln sowie Butterball mit gelben Früchten.

Demgegenüber stehen die rosablühenden Sorten. „Sehr schön ist Brandy Magic, denn die großen Blüten sind gefüllt”, sagt Seipp. Ihre Früchte sind burgunderrot. Die Sorte Van Eseltine hat einen schlanken Wuchs, weshalb sie sich für einen winzigen Garten als Blickfang eignet. Aber wenn die dunkelrosa Blüten mit leichter Füllung verblüht sind, bleibt nicht mehr allzu viel Attraktion übrig. Denn ihre Früchte sind klein und graugrün.

Weitere Sorten, die positiv auffallen, sind die rosa-weiß blühende Rudolph und die rubinrot blühende Royalty, die beide rotes Laub haben. „Bei den klein wachsenden Sorten für den Hausgarten heißt die Sorte der Zukunft Adirondack”, sagt Ley. Sie wird bis 2,50 Meter hoch, blüht weiß und trägt rote Früchte. Der Zierapfel bevorzugt frische, durchlässige, tiefgründige und nährstoffreiche Böden. „Natürlich hängen die Standortansprüche auch von der Wuchsform ab”, sagt Dankwart Seipp. Strauchige Wuchsformen werden auf mittelstarken Unterlagen veredelt, die bessere Böden brauchen. Halb- und Hochstämme werden dagegen auf Sämlingen veredelt, deren Ansprüche geringer sind.

Alle Pflanzen vertragen vorübergehend einen trockenen Boden. Allerdings sollte ein leichter Sandboden regelmäßig gegossen werden, rät Seipp. Sonst breite sich Mehltau aus. Der Fachmann warnt zudem vor nassen, winterfeuchten Standorten, da die Bedingungen die Entstehung von Obstbaumkrebs fördern. Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion von Rinde und Holz.

Zieräpfel gibt es als Strauch und Halb- beziehungsweise Hochstamm mit deutlich gegliedertem Stamm und Krone. Einfluss auf die Wuchsform hat neben der Sorte auch hier die Unterlage, auf die die Pflanzen veredelt wird. „Die eine Sorte bildet willig einen Baum, eine andere bleibt trotz aller Bemühungen strauchig”, erklärt Ley. In der Regel reiche die natürliche Wuchsform von schmal aufrecht über breit ausladend bis tief überhängend.

„Einen Zierapfel-Strauch muss man anfangs so schneiden, dass sich eine Krone entwickelt”, erläutert Seipp. Dafür werden sehr dichte sowie steil wachsende Triebe abgenommen. Wer hingegen ein Gerüst für eine Krone am Hochstamm haben will, braucht Geduld. „Das dauert etwas länger”, sagt der Pflanzenexperte. Dafür braucht der Strauch später nur selten einen Eingriff.

„Bei den Zieräpfeln werden auch am alten Holz Blüten gebildet”, erläutert Seipp. Es könne aber sein, dass die Blüte alterniert, also nur jedes zweite Jahr an den alten Trieben ein Flor erscheint. „Natürlich kann man die Kronen gelegentlich auslichten, aber es besteht bei einem kräftigen Rückschnitt die Gefahr, dass sich zahlreiche lange, steil nach oben wachsende Triebe entwickeln”, sagt Seipp, der sich viele Jahre mit Zieräpfeln beschäftigt hat.

(dpa)