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Ketzin: Zarte Blüten für den Schatten: Das Leberblümchen blüht früh

Ketzin : Zarte Blüten für den Schatten: Das Leberblümchen blüht früh

Es gab Zeiten, da hat die kleine blaue Blume namens Leberblümchen (Hepatica) Kultstatus gehabt. Ganz zu Unrecht hat es ihn verloren - den Hobbygärtner bekommen viel von der kleine Pflanze. Es öffnet früh im Gartenjahr viele ein bis zwei Zentimeter große Blüten. Klare Blautöne, leuchtendes Himbeerrosa und strahlendes Weiß beleben den Schatten nach dem Winter. Dazu beitragen muss der Mensch kaum etwas. „Im Grunde sind Leberblümchen ideal für den bequemen Gartenbesitzer”, sagt Andreas Händel, Gärtnermeister aus Ketzin (Brandenburg).

Verschiedene Arten des Leberblümchens kommen in der ganzen Welt vor. In unseren Breiten ist es vor allem das Edle Leberblümchen (Hepatica nobilis) sowie das Siebenbürger Leberblümchen (Hepatica transsilvanica) und die aus beiden entstandenen Hybriden Hepatica x media. „Die Arten und Hybriden, die aus Asien stammen, sind bei uns nicht winterhart”, erläutert Händel. Einige Sammler haben in sehr kalten Wintern fast 80 Prozent ihrer Sammlung verloren. Züchter testen laut Händel ihre Selektionen bis zu zehn Jahre lang im eigenen Garten, um von der Winterhärte tatsächlich überzeugt zu sein.

Das Echte Leberblümchen war im Mittelalter als Heilpflanze beliebt. Das kleine Hahnenfußgewächs war auch als Dreifaltigkeitsblume bekannt, da man in den dreigelappten Blättern das Symbol für Vater, Sohn und Heiligen Geist sehen kann. „Diese Art wächst in kleinen sogenannten Horsten und ist sehr reichblühend”, sagt Händel. In der Natur ist diese Pflanze geschützt. „Man darf weder Pflanzen ausgraben noch Blüten pflücken.”

Das Siebenbürger Leberblümchen hat andere Blätter, sie sind mehrfach gelappt und an den Rändern gezahnt. „Diese Art blüht zwar nicht so reich wie Hepatica nobilis, aber die Blüten sind größer und erscheinen früher”, erläutert der Gärtnermeister. Seitliche kurze Ausläufer fördern die Ausbreitung der Pflanzen. Es sei auch viel leichter einen solchen Horst zu teilen, um die Pflanzen zu vermehren.

In Büchern wird beschrieben, dass Hepatica in Laubwäldern, vornehmlich in solchen mit Buchen, und auf lehmiger, sehr kalkhaltiger Erde wachsen, berichtet Jürgen Peters, Staudengärtner aus Uetersen (Schleswig-Holstein). Er habe die Pflanzen aber auch schon an ganz anderen Standorten gefunden, etwa an kargen mit Kiefern bewachsenen Plätzen oder im frischen bis feuchten Unterholz von Birken und Erlen, selbst in einem kleinen Moorbiotop.

Er schließt aus seinen Beobachtungen daher: „Hepatica mögen Kulturplätze in schattiger Lage.” Im Winter und Frühjahr dürfen diese leicht feucht sein, im Sommer trockener und kühl. Gut sei humusreiche, durchlässige Erde, die nicht um jeden Preis kalkhaltig sein muss, aber einen Gehalt an gewissen Spurenelementen aufweise.

Gerade das Siebenbürger Leberblümchen sei recht anpassungsfähig, was den Kalkgehalt des Bodens betrifft, erklärt Händel. Das Edle Leberblümchen sei eher kalkliebend bis kalkbedürftig. Damit der pH-Wert nicht zu stark abfällt, gibt der Experte eine Schneekalkung. Er streut den Kalk auf den Schnee, der mit dem Schmelzwasser in den Boden eindringt. Und damit die Pflege nicht in Arbeit ausartet, empfiehlt er nur noch eine weitere Maßnahme: „Nach der Blüte verteilt man reichlich Laubkompost um die Pflanzen herum.” So entwickeln sich junge, vitale Wurzeln in dem luftig-lockeren Boden.

Vor allem eine Ruhezeit im Sommer unter trockenen Bedingungen wirke sich positiv auf die Entwicklung des Leberblümchens aus. Wichtig ist, dass das wintergrüne Laub unbeschadet bis in den Winter mit Energie versorgt wird, erklärt Händel. So können die Pflanzen ausreichend Energie für die Blüte im nächsten Frühjahr einlagern.

Zwischen Haselnusssträuchern und kleinen Frühlingsgehölzen entfalten sich die Leberblümchen hervorragend. Beide Experten würden aber verschiedene Beetpartner auswählen: Händel legt seinen Fokus auf solche Nachbarn, die zur selben Zeit blühen, und solche, die sich während der sommerlichen Ruhezeit des Leberblümchens in den Vordergrund spielen.

Zunächst braucht das Beet Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen und Winterlinge. „Ich bevorzuge den Winterling Eranthis x tubergenii”, verrät Händel. Diese Hybride blühen vergleichsweise lang und spät. Neben kostbare Leberblümchen-Sorten pflanzt er Scheinanemonen, Waldlilien und den später im Jahr blühenden Frauenschuh. Auch mittelgroße Funkien passen ins Bild. „Sie treiben spät nach der Blüte der Leberblümchen aus und schließen mit ihren Blättern die Lücken, die entstehen, wenn Frühlingsblüher sich in den Boden zurückziehen.”

Peters hat vor allem den Gartentyp im Fokus. Leberblümchen könnten gut in sogenannten Raritätengärten wachsen, in dem vor allem Besonderheiten gedeihen, sowie in einem naturnahen Garten, der etwa einen Waldcharakter hat. „Man sollte hier großzügig mit Pflanzen umgehen”, rät der Staudengärtner. Er würde immer Gruppen von mindestens fünf bis zehn Pflanzen je Gattung setzen, wobei die Gehölze aufgrund der Größe auch als Einzelexemplare verwendet werden. Peters gesellt zu den Leberblümchen Buschwindröschen und Gedenkemein, Schlüsselblumen, Veilchen, Lungenkraut und Salomonssiegel.

(dpa)