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Wie sicher kann ein Haus sein?

Einbruchsschutz : Wie sicher kann ein Haus sein?

Wer einmal nach Hause kam und erleben musste, dass ein Einbruch stattgefunden hat, der wird dieses Erlebnis in der Regel nicht mehr vergessen. Es gibt ein gewisses Urvertrauen in die Welt, das in diesem Moment zerstört wird.

Dann kommt noch hinzu, dass man sich eventuell in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlt. Neben dem materiellen Schaden gibt es also noch eine psychische Verunsicherung. Man fragt sich: Hätte ich mehr tun können, um mich zu schützen? Wird es mir wieder passieren?

Einbruchschutz ist und bleibt ein wichtiges Thema

Besonders in der dunklen Jahreszeit häufen sich die Meldungen über Einbrüche in Geschäfte, Autos, Häuser und Wohnungen. Manche Diebe sind besonders dreist und hebeln hinten die Balkontür auf, während die Familie vorne vor dem Fernseher sitzt. Meist wird jedoch gewartet, bis niemand zu Hause ist.

Einbrüche sind in der Regel nicht persönlich gemeint. Manchmal gibt es professionell agierende Banden, die ganze Wohnviertel ausspähen und die sogenannten Gaunerzinken hinterlassen. Ein anderes Mal sind Gelegenheitsdiebe auf der Suche nach leichter Beute. Sie geben in der Regel schnell auf, wenn sie auf zu viel Widerstand treffen. Und dann gibt es Einbrecher, die gezielt in gute Wohngegenden gehen, weil sie wissen, dass sich Einbrüche dort in der Regel lohnen. Sie kennen sich mit Alarmtechnik und Sicherungsmaßnahmen aus und haben entsprechendes Werkzeug dabei. Sie investieren auch ein paar Minuten mehr, um in das Objekt zu gelangen.

Einbrecher abschrecken - es funktioniert bis zu einem gewissen Grad

  • Wer teuer wohnt und Wertgegenstände im Haus hat, der investiert in der Regel auch in gute Sicherheitsmaßnahmen. Der durchschnittliche Bürger hat es etwas schwerer, denn er wohnt eventuell in einer Mietwohnung, kennt sich mit Sicherungen nicht so gut aus oder hat kein großes Budget, um sein Haus wirklich zu sichern. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die jeder umsetzen kann:
  • Viel Licht am Haus installieren. Eine dunkle Fassade führt dazu, dass man unbemerkt einsteigen kann. Niemand möchte dabei gesehen werden, wie er sich an einem Fenster zu schaffen macht, darum wirkt eine beleuchtete Fassade abschreckend. Das Licht muss nicht die ganze Zeit leuchten, auch wenn das sinnvoll ist. Bewegungsmelder haben jedoch einen ähnlichen Effekt, man muss nur darauf achten, dass sie nicht von außen abgestellt oder leicht zerstört werden können.
  • Das Grundstück nicht einwachsen lassen. Ein Garten, der mit vielen Büschen und Koniferen eingewachsen ist, bietet zwar jederzeit einen schönen Sichtschutz, sodass man sich ungestört darin aufhalten kann, ohne gesehen zu werden. Leider gilt das auch für eventuelle Einbrecher, die niemand mehr sieht, sobald sie einmal hinter der Hecke verschwunden sind. So können auch aufmerksame Nachbarn nichts mehr ausrichten. Besser ist es, das Grundstück einsehbar zu lassen, um Einbrecher abzuschrecken.
  • Helfen Attrappen von Überwachungskameras? Attrappen sind in der Regel nicht wirksam, eher kontraproduktiv. Die Modelle sind den Profis unter den Einbrechern bekannt und sie können schlussfolgern, dass es jemand mit der Sicherheit nicht so genau nimmt, weil er nicht wirklich darin investiert. Er tut nur so, als würde er sich schützen. Echte Überwachungskameras sind besser, wenn sie nicht leicht erreichbar und auszuschalten sind. Doch Achtung, man darf sie nicht auf eine öffentliche Straße richten, weil man so die Persönlichkeitsrechte der Passanten verletzen würde. Besser ist es, man richtet sie nur aufs Grundstück.
  • Fenster und Türen sollten immer gut verschlossen werden, selbst wenn man nur kurz außer Haus ist. Man sollte auch vermeiden, Fenster oder Terrassentüren gekippt zu lassen.
  • Kellerfenster werden mit einem Gitter gesichert.
  • Die Mülltonne sollte man nicht direkt unter einem Fenster platzieren. Sie könnte sonst als Leiterersatz verwendet werden.

Die verletzlichen Teile eines Hauses: Türen, Fenster, Balkontüren

Schlechte gesicherte Türen und Fenster sind die bevorzugten Einstiegspunkte für Einbrecher. Gerade hinten am Haus werden die meisten Einbrüche verübt. Eine Eingangstür kann man durch spezielle Maßnahmen sichern, etwa sichere Schlösser und spezielle Riegel. Wer sein Haus neu plant, der lässt sich am besten gleich eine Sicherheitstür einbauen. Solche Türen lassen sich weder aufstemmen noch aufhebeln. Sie halten stand.

Doch was ist mit den Fenstern, Balkonen und Terrassen? Sie sind aus Glas, haben häufig einen Rahmen aus Kunststoff und können leicht eingetreten, eingeschlagen oder aufgehebelt werden. Doch nicht alle Fenster sind gleich unsicher - es gibt spezielle einbruchsichere Fenster in ganz verschiedenen Sicherheitsstufen, an denen sich Einbrecher erfolglos abmühen können.

Die Polizei empfiehlt solche Fenster. Was kann man machen, wenn man nicht die Möglichkeit, Fenster auszutauschen? Man kann sie auch im Nachhinein sichern und damit einen guten Schutz erzielen.

Wer selbst baut und somit auch die Entscheidung für oder gegen bestimmte Fenstermodelle treffen kann, der sollte sich für Einbruchschutzfenster entscheiden.

Der Einbruchschutz betrifft nicht nur das Fensterelement selbst, sondern auch die Montage des Fensters in der Wand.

Die verschiedenen Widerstandsklassen bei Fenstern

Es gibt sechs verschiedene Widerstandsklassen, wobei die 1. namens RC1N die unsicherste ist, RC6 ist die sicherste. Fenster aus der Klasse RC1N sind gegen körperliche Gewalt geschützt und müssen einem Einbruchsversuch nur eine Minute standhalten. Sie sind für weiter oben gelegene Fenster geeignet, die ohnehin kaum zu erreichen sind.

Fenster der Klasse RC2, die oft im Handel zu finden sind, haben zusätzlich eine Sicherung, die auch einfachen Werkzeugen standhält. Ein Einbrecher darf hier nicht schneller als in drei Minuten durchkommen.

RC3 sind auch mit einem zweiten Schraubenzieher und einem Kuhfuß schwer zu öffnen (5 Minuten), bei RC4 kann man selbst mit einem Stemmeisen oder einer Akku-Bohrmaschine nur wenig ausrichten (10 Minuten). Diese Widerstandsklassen dürften für den normalen, häuslichen Gebrauch und den Einsatz im Erdgeschoss ausreichend sein.
Wenn man die Sicherheitshinweise beachtet und Fenster und Türen mit einer hohen Widerstandsklasse einbaut, dann kann man sich in seinem Haus sehr sicher fühlen. Natürlich gibt es niemals 100 % Sicherheit. Es kann also sinnvoll sein, besonders wertvolle Gegenstände im Schließfach der Bank zu lagern oder einen Tresor zu verwenden, der in der Wand eingemauert wird.

Manche Bauherren lassen sich einen sogenannten Panikraum in ihr Haus bauen, in den sie sich im Fall eines Überfalls sicher einschließen können. Das ist hier in Deutschland in normalen Häusern oder gar Mietwohnungen allerdings nicht gebräuchlich. Da kommt schon eher die Fenstersicherung durch außen angebrachte Gitter infrage, was nicht schön aussieht, aber sehr wirksam ist.

(vo)