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Saarbrücken: Klimmer, Ranker oder Schlinger: Die Fassade schonend begrünen

Saarbrücken : Klimmer, Ranker oder Schlinger: Die Fassade schonend begrünen

Dicht bewachsene Fassaden mit Efeu, Wildem Wein oder Blauregen sind Hingucker und geben dem Haus eine persönliche Note. Und: Kletterpflanzen schützen das Gebäude vor Witterungseinflüssen und mindern die Temperaturschwankungen.

Zudem sorgen sie für Wärme- und Schallschutz und verbessern durch Erhöhung der Luftfeuchte das Klima. Doch die schönen Kletterpflanzen können ihm auch gefährlich werden, wenn sie nicht zum Bauwerk passen. Baumwürger, Strahlengriffel oder Knöterich - schon die Namen vieler Exemplare deuten an, welches Potenzial in ihnen steckt. „Wer einfach irgendeine Kletterpflanze an die Wand setzt, kann schnell sein blaues Wunder erleben”, warnt Stefan Brandhorst von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken.

Man unterscheidet Gerüstkletterpflanzen und Selbstklimmer. Letztere sind tückisch. Sie sind zwar attraktiv für die Begrünung von Fassaden, weil sie ohne Kletterhilfen hochwachsen können. Aber das ist zugleich auch ihre größte Gefahr: Selbstklimmer wie der Efeu und der Wilde Wein bilden sogenannte lichtfliehende Triebe, die aktiv ins Dunkle wachsen.

Ihre Haftwurzeln können in Fugen hineinwachsen und die Fassade beschädigen. „Selbstklimmer eignen sich nur für fugenlose, massive Wände”, betont Brandhorst. Bei wärmegedämmten Fassaden reicht die Statik für Selbstklimmer nicht aus. Die Putzoberfläche kann reißen, und Wasser dringt ein. Dann funktioniert das gesamte Wärmeverbundsystem nicht mehr.

Auch Starkschlinger wie der Blauregen haben es in sich. Sie bilden ebenfalls lichtfliehende Triebe. „Ohne regelmäßiges Zurückschneiden werden sie immer kräftiger und sprengen am Ende Dachrinnen oder würgen Regenrinnen ab”, erläutert Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in Berlin.

Die meisten Kletterpflanzen benötigen ein Gerüst, an dem sie sich festhalten. Ein gutes ist korrosionssicher und hält dem Gewicht der Pflanzen sowie Windlasten stand. „Die Anbringung ist aufwendig und erfordert Fachkenntnis”, erklärt Brandhorst. Die Preise für ein fachgerecht montiertes Klettergerüst liegen zwischen 80 und 150 Euro pro Quadratmeter.

Das Gerüst muss auf die Kletterstrategie der Pflanze zugeschnitten sein. Schlinger wie die Pfeifenwinde oder der Hopfen brauchen eine Konstruktion mit vorwiegend senkrechter Ausrichtung. Da sie sehr stark wachsen, sind zusätzliche Stützen und Abrutschsicherungen nötig. Ranker wie die Klematis benötigen dagegen gitter- oder netzförmige Konstruktionen mit Maschenweiten von 10 bis 25 Zentimetern.

Und Spreizklimmer wie Jasmin, Rose oder Brombeere entwickeln sich gut mit Hilfe von waagerechten oder gitterförmigen Gerüsten mit großen Maschenweiten von 30 bis 50 Zentimetern. Sie werden an die Kletterhilfe gebunden und hangeln sich mit Hilfe ihrer Stacheln, Dornen oder Seitentrieben weiter nach oben.

Das Loch im Boden für die Kletterpflanzen sollte mindestens 50 Zentimeter breit und tief sein. Der Raum, den die Pflanze mit Wurzeln füllen kann, muss mindestens einen Kubikmeter umfassen. „Das ist oft schwer zu realisieren”, sagt Michael Henze, Umweltreferent beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. „Denn Kletterpflanzen stehen ja direkt an Hauswänden, wo der Wurzelraum begrenzt wird durch Fundamente, Keller oder Fußwege.”

Fassadengrün ist relativ pflegeleicht. In heißen trockenen Sommern braucht es ab und zu etwas Wasser. Manche Arten wie der Blauregen benötigen einen jährlichen Rückschnitt. „Wenn die Pflanzen lange Triebe ausbilden, sieht die Fassade bald ungepflegt aus”, erklärt Henze. „Die Pflanzen müssen auch zurückgeschnitten werden, um Fenster, Türen oder das Dach freizuhalten.” Im Frühjahr empfiehlt sich eine Gabe von organischer Dünger. Auch etwas Kompost kann sich günstig auswirken.

(dpa)