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Wuppertal: Huckepack durch den Garten: Vagabunden verbreiten sich selbst

Wuppertal : Huckepack durch den Garten: Vagabunden verbreiten sich selbst

Wenn alles kahl im Garten wird, findet der Hobbygärtner im Garten einige Überraschungen: Denn in mancher Lücke im Beet haben sich Sämlinge prächtig entwickelt. Das können Wildkräuter sein. Vielleicht haben sich aber auch Vagabunden aus den Blumenbeeten breitgemacht - also solche Pflanzen, die sich immer wieder durch Aussaat weitervermehren.

„Es sind vor allem ein- und zweijährige Gartenblumen, die überreiche Mengen an Samen in die Umwelt schicken”, sagt Anja Maubach, Buchautorin und Diplomingenieurin der Landespflege aus Wuppertal. Das sind Pflanzen, die mit wenig zufrieden sind.

Jungfer im Grünen, Ringelblumen, Spanisches Gänseblümchen und Purpur-Leinkraut sind Beispiele - sie sät man einmal und entdeckt sie an den verschiedenen Stellen im Garten später wieder. Hin und wieder findet man auch kurzlebige Stauden in dieser Gruppe. Als Beispiele für diese Pflanzen zählt Maubach Akeleien, Königskerzen und Fingerhut auf.

„Für mich sind diese Blumen Füllpflanzen”, sagt Prof. Cassian Schmidt, Gartenleiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim. „Ich bezeichne sie gerne als Blender.” Damit meint er, dass sich diese Pflanzen am Anfang sehr schnell entwickeln und daher auch optisch im Vordergrund stehen. Sie verfolgen ähnlich wie Wildkräuter die sogenannte ruderale Strategie: Sie passen sich leicht an die zur Verfügung stehenden Standorte an. Später verschwinden sie, werden verdrängt und tauchen an einer anderen Stelle wieder auf.

Hobbygärtner können dieses Schauspiel sogar initiieren: „Man kann diese Dynamiker im Staudenbeet einfach in die Lücken säen”, erläutert Schmidt. Maubach empfiehlt, ein bis zwei Pflanzen quasi als Einladung zu pflanzen und sich dann überraschen zu lassen, was passiert. Aber sie betont: „Man kann die Vagabunden nicht fest einplanen.”

Wichtig ist in jedem Fall, dass man die Samenstände ausreifen lässt, damit die Ausbreitung in Gang kommt. Nur wenn der Hobbygärtner den Bestand eindämmen will, schneidet er einzelne Samenstände frühzeitig heraus.

Die Vagabunden des Gartens verbreiten sich auf unterschiedliche Art: „Sie können mit dem Wind im Garten verteilt werden oder lassen sich tatsächlich wie ein Vagabund huckepack von Wasser, Tieren, Schuhsohlen oder dem Besen an eine andere Stelle im Garten bringen”, erläutert Maubach.

Das hohe Eisenkraut (Verbena bonariensis) ist besonders gewitzt: Es taucht erst im zweiten Jahr nach der Pflanzung plötzlich zwischen den Rosen auf oder gedeiht im Gemüsegarten. Das Federgras schwingt seine haarartigen Ähren mal ein bisschen mehr zwischen den Taglilien, dann gedeiht es wieder vor der Katzenminze. Auf jeden Fall verschwindet es nicht vollständig aus dem Garten.

„Zum Keimen benötigen die Pflanzen offenen Boden und Licht”, erläutert Cassian Schmidt. Sie reagieren sehr empfindlich auf Konkurrenz. Meist bilden die Pflanzen Pfahlwurzeln, also senkrecht nach unten wachsende Wurzeln. Das bedeutet, sie lassen sich nicht wirklich gut im Topf kultivieren. Und sie können nur im Jugendstadium umgepflanzt werden.

Diese Zeit muss der Hobbygärtner dann aber nutzen und die Vagabunden umpflanzen. Dazu nimmt man beispielsweise eine normale Gabel und lockert behutsam die Erde von den Seiten. Die langen, dünnen Wurzeln können dann mit den Fingerspitzen abgeknipst werden, damit sie locker nach unten hängen und nicht umknicken.

Maubach beschreibt diese Pflanzen als wichtige Impulsgeber für ihre Gestaltungen. „Wenn ich mir für ein Beet eine Ordnung überlegt habe, dann setze ich die Vagabunden ganz gezielt dafür ein, dass sie die Ordnung wieder durcheinanderbringen”, erläutert die Gartenexpertin. Sie profitiert davon, dass sie überrascht wird. Und wird es zu viel des Guten, dann sieht Maubach sich auch als Regisseurin: „Ich kann Sämlinge ausziehen und umpflanzen, oder die Samenbildung unterbinden”, erklärt sie.

Schmidt verwendet die Gartenblumen vor allem unter zwei Gesichtspunkten: „Zum einen sind es Lückenfüller, wenn ein Staudenbeet frisch gepflanzt ist, sagt der Gartenleiter. „Und zum anderen verdrängen sie Unkräuter.” Er rät Besitzern von Neubauten, die Vagabunden gezielt auf der Brachfläche zu säen, wenn man noch keine Entscheidung über eine endgültige Gestaltung des Gartens gefällt hat.

Sie geben die Samen dann einfach locker über die ganze Fläche, so dass ein wiesenartiger Eindruck entsteht. Unter diesen Bedingungen sollten die Gartenbesitzer das Gießen im Frühling nicht vergessen, sagt Schmidt. Nur dann entwickeln sich die Blumen kräftig, und Unkraut hat keine Chance.

Für sonnige Staudenbeete empfiehlt Schmidt das rotblühende Prachtlein, das Rundblättrige Hasenohr, Marokkanisches Leinkraut, die Jungfer im Grünen, Königskerzen und Muskatellersalbei. Im Hochsommer machen sich kleinblumige Zinnien, der Oktober-Sonnenhut und das Mädchenauge gut. Im Halbschatten breiten sich rasch Fingerhut und Akelei aus.

„Und wenn es richtig schattig ist, dann kann man sicher sein, dass der Wald-Scheinmohn sich stets ein geeignetes Plätzchen sucht”, sagt Schmidt. Die Pflanze gibt es zwar in Staudengärtnereien zu kaufen, aber eigentlich muss man nur ein paar Samenkörner streuen, um die Ansiedlung in Gang zu bringen. Lästig wird die gelbblühende Pflanze nicht. Damit die Bemühungen, Abwechslung in die Bepflanzung zu bekommen, aber nicht nach hinten losgeht, rät Schmidt, vor allem mit einjährigen Gräsern wie Mähnengerste und Haarästiger Rispenhirse vorsichtig zu sein.

Es gibt auch einige Pflanzen, die sich ausbreiten und gleichzeitig am Standort bleiben. Zu diesen gehören Frauenmantel und Spornblume. Man kann sich also von ihnen überraschen lassen, sollte sich aber auch nicht scheuen, sie umzusetzen, wenn sie lästig werden.

(dpa)