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Köln: Für die Prinzessin auf der Erbse: Boxspringbetten liegen im Trend

Köln : Für die Prinzessin auf der Erbse: Boxspringbetten liegen im Trend

Auf 20 Matratzen und 20 Eiderdaunendecken hat im Märchen die Prinzessin auf der Erbse geschlafen. Zwar nicht in jedem Fall für die feinfühlige Hoheit, aber für Normalsterbliche sind Stapel von Matratzen der Inbegriff von Gemütlichkeit. Boxspringbetten mit zwei oder drei Auflagen gibt es beinahe in jedem US-amerikanischen Haushalt, auch in Skandinavien sowie den Benelux-Ländern sind sie seit Jahren weit verbreitet. Erst jetzt sind sie in Deutschland im Kommen - das aber gewaltig, wie das Angebot der Aussteller auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne zeigte.

Kaum ein Hersteller warb nicht mit mehrlagigen Betten. „Wir haben uns inzwischen auf Boxspringbetten ausgerichtet”, sagt etwa Hans Rosner vom Matratzenhersteller Hukla. „Es ist jetzt erst ein großer Trend in Deutschland, auch wenn es die Matratzen in anderen Ländern schon längst gibt.”

Ausgerechnet die Deutschen, eigentlich für ihre Reiselust bekannt, brauchten besonders lange für die Entdeckung. Dabei sind die mächtigen Betten auch in vielen deutschen Hotels bereits seit längerem gang und gäbe.

Im Trendbericht zur Möbelmesse IMM ist die Rede von Polsterbetten. Denn der allseits bekannte Name „Boxspring” geht auf eine US-Marke zurück. Andere sprechen bei den Modellen daher auch vom Kontinentalbett. Doch die meisten Anbieter auf der IMM gebrauchten an ihren Ständen die englische Bezeichnung.

Ein solches Bett besteht aus drei Elementen: Statt eines Lattenrosts und Bettgestells hat es eine matratzenähnliche Unterkonstruktion, erläutert der Fachverband. Darauf liegt die eigentliche Matratze, in der Regel eine Federkernmatratze. Ganz obenauf kann noch eine Auflage kommen, auch Topper genannt. Bei Fey besteht die Auflage der Messevorstellung „Finest Edition” aus einem Visco-Kern, Talalay-Latex und einem Mikro-Tonnentaschenfederkern.

Der Hersteller Femira erläutert, dass die unterste Lage eine stabile Basis bildet und den Körperdruck sanft ableitet. Die Obermatratze stützt den Körper zusätzlich ab. Neben dem Komfort durch mehrere Matratzenschichten ist die Höhe gerade für Ältere und Menschen mit Rückenschmerzen optimal, sagt Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbel-Industrie (VDM). „Die Einstiegshöhe liegt bei 60, 70 Zentimetern. Man kommt dadurch leichter ins Bett und wieder heraus.”

Geismann nennt noch einen weiteren Vorteil der Matratzenhöhe: „Man kann besser Fernsehschauen.” Denn das TV-Gerät auf einer Kommode steht auf Augenhöhe. Zur IMM hat das Unternehmen Deltex zudem für seine Modelle der Kollektion Opaque & Sheer eine elektrische Verstellfunktion vorgestellt. Das System „Wolke 7” der ADA Möbelwerke lässt sich ebenfalls über einen Motor präsentiert. Dadurch werden unterschiedliche Liege- und Sitzpositionen erreicht.

Auch die Optik ist für viele ein Kaufargument - ein großes Bett wird häufig als gemütlich wahrgenommen. Durch seine Höhe brauche das Boxspringbett aber auch ein großes Kopfteil, sagt Claudia Wieland, Sprecherin des Fachverbandes Matratzen-Industrie. Es wirke daher häufig im Gesamtbild mächtiger. Die Hersteller bieten besondere, auffällige Rahmen dafür an. Sie können in der Regel - wie bei der Marke Jensen - mit verschiedenen Stoffen oder Ledern bezogen werden.

Das Polsterteil des Modells „Adele” von Treca Interiors Paris beispielsweise ist 1,65 Meter hoch: „So wirkt das Bett im Raum erst richtig”, sagte Treca-Sprecherin Daniela Schwampe auf der IMM. „Und die Kopfteile werden aus diesem Grund auch immer noch höher.”

Das Wandpaneel „Horizont” des Herstellers Femira kann bis zu 2,23 Meter hoch sein. Das Bett „Retorno” von Opaque & Sheer hat ein extra breites Kopfteil mit anschließenden Beistellflächen. Aber die Größe sei auch ein Problem, sagt Geismann. „Die deutschen Schlafzimmer sind häufig nicht groß genug für so ein Bett.”

Wie jede andere Matratze auch muss das Boxspringkonzept zum Schlafenden passen. Probeliegen ist daher wichtig, wie Wieland betont. Ein Kritikpunkt ist die erschwerte Austauschbarkeit der Matratzen, erläutert der Fachverband auf seiner Homepage.

Eine normale Matratze habe aus hygienischen Gründen nach sieben bis zehn Jahren ausgedient. Es müsste beim ausgesuchten Modell möglich sein, die obere Lage auszutauschen, ohne dass dadurch gleich das ganze Bettsystem gewechselt werden muss oder sich die Optik verändert.

„Mein Kritikpunkt ist der Luftaustausch in der Matratze”, ergänzt Geismann. „Ich muss damit viel mehr lüften als bei einem normalen Bettgestell, sonst liege ich in meinem eigenen Saft.” Matratzenverbands-Sprecherin Wieland hingegen erläutert, die Betten belüfteten sich sehr gut selbst. „Wie bei einer Pumpe geht beim Hinlegen und Aufstehen die verbrauchte Luft raus und neue wieder rein.”

(dpa)