Bonn: Wildunfälle korrekt abwickeln

Bonn : Wildunfälle korrekt abwickeln

Der Spätsommer ist die Brunftzeit beim Rehwild. Besonders früh morgens und am Abend ist das wilde Leben in Deutschlands Wäldern aktiv. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte außerorts vorausschauend fahren. Sonst droht ein Wildunfall mit schwerwiegenden Folgen. „Vor allem nach Wildwechsel-Schildern sollte man langsam fahren und auf die Fahrbahnränder achten“, empfiehlt Thorsten Rechtin, Kraftfahrtexperte von TÜV Rheinland.

Wer statt Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg um 40 Prozent, also um 34 Meter. „Befinden sich Tiere bereits auf der Fahrbahn, heißt es umsichtig bremsen, abblenden und hupen“, rät Rechtin. Außerdem sollten Autofahrer stets mit mehreren Tieren aus einem Rudel rechnen - Rehe und Wildschweine kommen selten allein.

Wenn es trotzdem kracht: „Notruf 110 wählen“, rät Ulrich Köster vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn. Die Polizei informiert dann den Jagdpächter, der sich um das angefahrene Tier kümmert. Selber nichts anfassen und schon gar nicht das Tier in den Kofferraum laden, das gilt als Wilderei. Die Polizei stellt eine Bescheinigung für die Versicherung aus. Dann heißt es, sich um das eigene Auto zu kümmern.

Weiterfahren? Kommt auf die Schäden an. „Ein ausgewachsenes Wildschwein wiegt bis zu 200 Kilogramm. Wer solch ein kompaktes Tier mit Tempo 80 rammt, erlebt zunächst die Krafteinwirkung von umgerechnet 4,5 Tonnen aufs Fahrzeug und einen Sekundenbruchteil später das Zünden der Airbags. Weiterfahrt unmöglich“, schildert Köster seine Erfahrungen. Ein Abschleppdienst ist notwendig, wenn Öl oder Kühlwasser austritt.

Doch schon nach weniger schweren Kollisionen kann das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher sein, etwa im Dunkeln mit kaputten Scheinwerfern. Meistens ist dann noch mehr demoliert. Tritt etwa Flüssigkeit aus, wird es kritisch: Handelt es sich um Öl oder Kühlwasser, wäre ein Motorschaden innerhalb der nächsten fünf bis zehn Kilometer wahrscheinlich, ein Abschleppdienst ist also zwingend nötig.

„Das ist keine übertriebene Vorsicht, sondern Fakt“, so der ZDK-Mann: „Für einen defekten Turbolader - den hat mittlerweile fast jedes Auto - genügen bereits zehn Sekunden ohne Schmierung.“ Nur wenn es sich bei der Flüssigkeit um Wasser aus dem geborstenen Scheibenwaschbehälter handelt, droht keine Gefahr.

Selbst nach Kollisionen mit kleineren Tieren wie Hasen oder Füchsen, wenn oberflächlich gar nichts zu sehen ist, sollte man sein Auto penibel in Augenschein nehmen. Moderne Fahrzeuge sind am Unterboden großflächig mit Kunststoff verkleidet. Diese Platten splittern beim Überrollen und reißen sich los, können anschließend an Reifen oder Fahrwerksteilen scheuern sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Eine Gefährdung liegt auch vor, wenn die Frontscheibe zersplittert und keine einwandfreie Sicht mehr gegeben ist.

(nom)
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