Bergisch Gladbach: Wenn das Auto shoppen fährt

Bergisch Gladbach: Wenn das Auto shoppen fährt

„Innovationen sind für das Markenimage heute wichtiger denn je“, urteilt Stefan Bratzel. „Die Automobilmarken stehen angesichts paradigmatischer Veränderungen von Technologien und Geschäftsmodellen vor den größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Innovation wird dabei zur zentralen Überlebensfrage.“

Bratzel ist Leiter des Centers of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, und er nennt automobile Fähigkeiten, die vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction abgetan worden wären.

Bereits in Serie verfügbar ist das MBUX-Bediensystem von Mercedes-Benz, welches mithilfe von „Artificial Intelligence“ (AI) das Benutzungsverhalten des Fahrers lernt - beispielsweise bevorzugte Routen, Kontakte, Songs oder Radiosender - und auf Basis seiner Nutzergewohnheiten individuelle Vorschläge unterbreiten kann.

General Motors bietet in den USA einen Marktplatz für In-Car Shopping an. Mithilfe von Machine Learning werden Echtzeit-Interaktionsdaten wie Standort, Tageszeit oder bestehende Kundenkonten des Fahrers bei Drittanbietern berücksichtigt, um ihm personalisierte Angebote in der direkten Umgebung zu bieten, sofern er das möchte.

Bratzel und seine Mitarbeiter analysieren seit 13 Jahren pro Quartal mehrere Hundert fahrzeugtechnische Innovationen nach rund 50 Kriterien wie Technologiefeld, Innovationstyp, Originalität oder Reifegrad. „Die Studienergebnisse zeigen, dass die deutschen Premiummarken immer noch Innovationsführer in der Fahrzeugtechnik sind. Allerdings könnten neue Player wie Tesla oder NIO aus China den etablierten Premiumanbietern zunehmend Konkurrenz machen, die ihre Innovationsanstrengungen konsequent auf die Zukunftsthemen fokussieren“, bilanziert Bratzel.

Unter den deutschen Volumenmarken ist VW führend. Es folgen Honda und Ford. Vor allem japanische und koreanische Hersteller landen außerdem in der Top-Ten der innovationsstärksten Volumenmarken. Bei den Premiummarken führt BMW knapp vor Mercedes und Audi das Innovationsranking an. Die „Premium-Newcomer“ Tesla und NIO folgen und machen den Platzhirschen zunehmend Konkurrenz.

Technologisch spielen die Zukunftsfelder Elektrifizierung des Antriebs, Digitalisierung und erweiterte Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren eine immer größere Rolle. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen: Innovationen, die mit dem Thema „Artificial Intelligence“ oder verwandten Begriffen zu tun haben, sind in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Hierbei handelt es sich etwa um lernfähige Navigationssysteme, vorausschauende Auto-Pilotsysteme oder Bedien- sowie Anzeigekonzepte, die die Stimmung des Fahrers erkennen können. Die meisten „intelligenten“ Innovationen stammen bislang von VW, Daimler, GM und Honda.

(amv)