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München: Vorsicht am Steuer bei Erkältungen

München : Vorsicht am Steuer bei Erkältungen

In der Vorweihnachtszeit haben Infekte mit Fieber und triefender Nase Hochsaison. Um die Erkältung zu bekämpfen, greifen viele zu Tabletten und Präparaten, die Linderung versprechen.

Allerdings warnt der Automobilclub Kraftfahrer-Schutz (KS) in München vor der unbedachten Einnahme solcher Präparate, zumindest, wenn man sich anschließend an das Steuer eines Fahrzeugs setzen will. Einige Präparate können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Immerhin, so sagt Thomas Achelis, Sprecher des Automobilclubs KS in München, spielt Medikamenteneinnahme bei rund 20 Prozent aller Unfälle eine Rolle.

Einige Erkältungsmittel enthalten Koffein. Das besitzt eine anregende Wirkung. Doch die lässt rasch nach. Andere Medikamente können Reaktion, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sehen, Gedächtnis, Motorik, Wahrnehmung und Kritikfähigkeit beeinflussen. Daher rät Achelis grundsätzlich, den Arzt oder Apotheker zu fragen und den Beipackzettel zu lesen. Zwar sind Packungsbeilagen oft schwer zu verstehen, doch weisen sie auf Besonderheiten des Präparats hin und warnen gegebenenfalls vor der Kombination mit Alkohol oder anderen Medikamenten.

Wer nach der Einnahme von Arzneimitteln - gleich welcher Art - einen Unfall verursacht, wird nach Erfahrungen des KS voll zur Verantwortung gezogen, ähnlich wie beim Fahren unter Alkoholeinfluss. Es drohen Bußgeld, Punkte, Fahrverbot und in besonders schwerwiegenden Fällen sogar Freiheitsstrafe.

„Grippe- und Erkältungsmittel, wie sie jetzt verstärkt eingenommen werden, beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit stärker als es viele Autofahrerinnen und Autofahrer selbst empfinden“, warnt Hans-Jürgen Götz von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ). Mit Medikamenten am Steuer sei äußerste Vorsicht geboten. Nasentropfen beispielsweise wirken lokal an der Nasenschleimhaut und beeinflussen die Fahrtüchtigkeit nicht.

„Anders sieht es jedoch bei Substanzen aus, die häufig in rezeptfreien Grippe- und Schnupfenmittel zu finden sind, wie Antihistaminika“, so Götz. Dieser Wirkstoff verursacht eine von Mensch zu Mensch sehr unterschiedliche Ermüdung. Das Risiko der Fahruntüchtigkeit ist bei Therapiebeginn, in Kombination mit anderen beruhigenden Medikamenten und bei gleichzeitigem Alkoholgenuss besonders groß.

Starke Schmerzmittel bewirken neben der Dämpfung der Schmerzempfindlichkeit eine Dämpfung im Zentralnervensystem. „Diese Beruhigung führt zur Fahruntüchtigkeit“, gibt Götz zu bedenken. Manche Präparate bestünden auch aus einer Kombination mehrerer Substanzen. Vor allem einige ältere Präparate enthielten zum Beispiel Schlafmittel, so genannte Barbiturate, die die Fahrtüchtigkeit stark beeinträchtigten.

Die Gefahr dieser Mittel liegt besonders darin, dass der Konsument in einem Schmerzmittel kein Schlafmittel vermutet und deshalb schon gar nicht auf die Idee kommt, das Fahren zu unterlassen. Kommt zur Einnahme des Mittels noch eine kleine Menge Alkohol dazu - eine Flasche Bier reicht bereits aus - ist die Schlafmittelwirkung unkalkulierbar verstärkt.

In mehreren Hustenblockern findet sich der Wirkstoff Dextrometorphan. Weitere sogenannte Opiatpharmaka in Hustenmitteln sind Codein und Dehydrocodein, weiß Götz. Bei Schmerzen im Muskelbereich werden häufig Arzneimittel aus der Stoffgruppe der Tranquilizer eingenommen, die ebenfalls das Zentralnervensystem dämpfen und Müdigkeit und Schwindel auslösen können.

Auch hier gilt: Das Reaktionsvermögen wird herabgesetzt und die Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch Kombination mit anderen dämpfenden Substanzen und mit Alkohol nochmals verstärkt.

(amv)