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Mercedes GLS 400 d4: Von herausragender Größe

Mercedes GLS 400 d4 : Von herausragender Größe

Leise, luxuriös, langstreckentauglich, hinter dem Lenkrad des Mercedes GLS 400 lässt einen das Gefühl nicht los, in einer höhergelegten S-Klasse zu sitzen. Die zweite Generation des SUV-Flaggschiffs kommt deutlich grösser (5,12 Meter) daher und vollgestopft mit modernster Technik.

Die erleichtert zwar den täglichen Umgang enorm, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass enge Stadtstraβen nicht die Domäne des GLS ist. Gleichwohl: Für seine Größe fährt sich das Fullsize-SUV ziemlich handlich. Wie groß der Mercedes tatsächlich ist, offenbart sich auf jedem Supermarktparkplatz. Ein Stellplatz erweist sich da als zu kurz, zu schmal. Freigestellt wirkt der GLS jedoch keinesfalls überdimensioniert und protzig.

Optisch wurde der GLS der aktuellen Designsprache der Marke angepasst. Die Sicken und Kanten des Vorgängers sind passé. Glatte Blechflächen dominieren. Die Fensterlinie wurde abgerundet. Die Glasflächen werden von einem breiten Chromband eingefasst. Der neue Look ist zudem deutlich aerodynamischer als zuvor und verfügt über einen cw-Wert von 0,32.

Komplett umgekrempelt wurde ebenfalls das Interieur. Es dominiert der riesige Wide-Screen. Knöpfe, Schalter gehören einer vergangenen Zeit an. Den Fahrer informieren zwei Cockpit-Bildschirme in 12,3 Zoll mit verschiedenen Darstellungen. Rundum verschönern die hochwertige Verarbeitung sowie die angenehme Haptik von Materialien wie Alu, Holz, Leder und Alcantara die Fahrt. Anfangs fühlt man sich von der Anzahl der Möglichkeiten und Menüs überfordert, doch schnell hat man sich eingefuchst. Die Bedienung, nahezu so intuitiv wie bei einem Smartphone. Über ein „Hey, Mercedes“ kann man sich in ziemlich freier Wortwahl mit dem Infotainmentsystem unterhalten und etwa per Ansage die Sitzmassagefunktion aktivieren oder wer regelmäßig zu einer bestimmten Zeit zu einem Radiosender mit Nachrichten wechselt, bekommt dies zur gegebener Zeit als Vorschlag.

Dem Langstreckencharakter entsprechen die großzügigen Platzverhältnisse vorne. Sitzkomfort und Ergonomie lassen keine Wünsche offen. Dies gilt desgleichen im Fond, zumindest für die erste Sitzreihe dort. Bei der zweiten Fondreihe kann auch Mercedes nicht zaubern. Man muss sich beim Einstieg ganz schön zusammenfalten und für Erwachsene ist der Verbleib allenfalls kurzstreckentauglich. Wenn die hinteren Plätze - standesgemäß elektrisch - per Knopfdruck in den Fahrzeugboden fahren, entsteht ein Kofferraumvolumen von bis zu 2400 Litern. Die maximale Ladelänge beträgt 2,20 Meter. Für einfacheres Beladen lässt sich das Nobel-SUV um fünf Zentimeter absenken, klingt wenig, hilft aber viel.

Für den deutschen Markt ist der Diesel (330 PS) die Hauptmotorisierung. Der Dreiliter-Sechszylinder liefert üppige 700 Newtonmeter an Drehmoment. Entsprechend gestaltet sich das Fahren mit einer angenehmen Souveränität, bei der die Neungang-Automatik ihre Arbeit unmerklich im Hintergrund verrichtet. Von der gesamten Antriebseinheit ist so gut wie nichts zu spüren. Dass der GLS aus dem Stand auf Tempo 100 in 6,3 Sekunden sprinten und bis zu knapp 240 Kilometer pro Stunde schnellfahren kann, erweist sich in der Praxis als wenig ausgenutztes Potenzial. Eine entspannte Fahrweise kommt naturgemäß auch dem Verbrauch zugute. Da zeigt dann der Bordcomputer Verbrauchswerte von knapp zehn Litern Diesel an.

Die Fahrdynamikregelung Dymamic Select bietet bis zu sechs Fahrprogramme. Neben den Einstellungen Comfort, Glätte und Sport kann der Fahrer mit dem Controller auf der Mittelkonsole zusätzlich Individual oder das Programm Offroad für leichtes Gelände anwählen. Die Luftfederung bügelt weitgehend Fahrbahnunebenheiten aus, agiert sicher und komfortabel. Wank-, Nick- und Hubbewegungen sind bei dem 2,6 Tonnen schweren SUV kaum auszumachen. Eingefleischte Fahrdynamiker kommen nicht auf ihre Kosten, aber dafür wurde der GLS ja auch nicht konzipiert. Bei Ausflügen jenseits befestigter Straßen dürfte der Mut des Menschen am Steuer eher die Grenzen des Machbaren markieren als die massive Technik.

Standesgemäß besitzt das größte Mercedes-SUV die bereits aus anderen Modellen bekannte Armada an Assistenzsystemen samt einigen Neuerungen, etwa die Waschstraßen-Funktion. Per Knopfdruck stellt sich das SUV auf die bevorstehende Reinigungsprozedur ein. Die Luftfederung hebt den GLS in die höchste Position. Die Außenspiegel klappen ein. Alle Scheiben werden geschlossen. Der Regensensor für die Scheibenwischer wird vorübergehend ausgeschaltet. Zudem erkennt der GLS Staus im Vorfeld und regelt sein Tempo automatisch. Er kann selbstständig überholen, fährt im Stop&Go-Verkehr nahezu autonom und setzt sich von allein wieder in Bewegung, falls die Standzeit weniger als eine Minute betragen hat. Alles in allem bewirkt der souveräne Fahrcharakter, dass ein 800-Kilomter-Trip in die Normandie auf eine gefühlte Fahrzeit von vier Stunden schrumpft.

Das alles besitzt natürlich seinen Preis. Für die sogenannte Basisausstattung weist Mercedes knapp 122.000 Euro aus, mit den diversen Extras summieren sich rasch rund 150.000 Euro beisammen. Doch erfahrungsgemäß wird dieses Preisniveau niemand abschrecken, der sich das Luxus-SUV leisten will und kann.

(amv)