Neuvorstellung: Vollelektrischer Fahrspaß mit dem Audi E-Tron

Neuvorstellung : Vollelektrischer Fahrspaß mit dem Audi E-Tron

Mit dem E-Tron beginnt für Audi gleich in doppelter Hinsicht eine neue Zeitrechnung. Schließlich kommt im ersten E-Auto der Marke auch eine neue Generation des Quattro-Antriebs zum Einsatz. Seine Weltpremiere hat der E-Tron bereits ganz groß in San Francisco gefeiert.

Doch obwohl der Neuling dort schon seine Hüllen fallen ließ, feilen die Techniker bis zuletzt weiter an Kleinigkeiten, damit der erste Elektro-Wagen der Marke mit den vier Ringen in Höchstform ist, wenn er im Dezember auf die Straßen rollt. Die Prototypen des E-Tron mussten deshalb auf abschließenden Fahrten in der sandigen Savanne und auf einem ausgetrockneten Salzsee in Namibia noch einmal ran. Besonders im Blickpunkt dabei der weiterentwickelte Allradantrieb, der die Quattro-Technik ins Zeitalter der elektrischen Mobilität transferiert.

Bei ersten Fahreindrücken auf einem anspruchsvollen Handlingkurs bestätigen sich ganz schnell die Worte von Fahrwerksentwickler Michael Wein, der ein hohes Maß an Fahrspaß im E-Tron versprochen hatte. Ausgesteckt war der Parcours auf einem etwas mehr als vier Quadratkilometer großen ausgetrockneten Salzsee am Rande der Kalahari-Wüste. Die porös-harte Oberfläche der Ebene mit feinkörnigem Kiesel hat einen niedrigen Reibwert - fast so, als würde man auf Schnee und Eis unterwegs sein. „Für uns sind das optimale Bedingungen, um zu zeigen, wie das Autos im kontrollierten Drift und bei vehementer Beschleunigung reagiert“, erläutert Wein.

Letzteres steht als erstes auf dem Prüfstand. Aus dem Stand geht es mit vollem Schub los. Im Boost-Modus der Fahrstufe S stehen bei durchgetretenem rechten Pedal acht Sekunden lang eine Systemleistung von 408 PS und 664 Newtonmeter zur Verfügung. Gerade einmal 5,7 Sekunden dauert es, bis die Tachonadel Tempo 100 anzeigt. Die etwas schwächere, so genannte Peak-Leistung von 170 PS des vorderen und 190 PS des hinteren E-Motors kann laut Audi ohne jeden Leistungseinbruch mehrmals nacheinander bis zu 60 Sekunden lang abgerufen werden kann.

Der elektrische Quattro-Antrieb sorgt dabei für die ideale Verteilung der Antriebsmomente zwischen Vorder- und Hinterachse. Es vergehen lediglich 30 Millisekunden zwischen dem Zeitpunkt, an dem das System die Fahrsituation erkennt und die Antriebsmomente der beiden E-Maschinen an der jeweiligen Achse greifen. Das ist deutlich schneller als bei der bekannten Quattro-Technologie. „Beim elektrischen Allradantrieb wird keine mechanische Kupplung betätigt, sondern Strom verteilt“, erklärt Wein die Technik.

Und so lässt sich das etwas mehr als zwei Tonnen wiegende SUV mit einer ungeahnten Leichtigkeit auf dem Handlingparcours präzise in der Spur halten. Weder beim Anbremsen noch beim Einlenken oder dem anschließenden Beschleunigen auf der extrem rutschigen Fläche stellt das Auto den Fahrer vor Probleme. „Beim E-Tron integriert das zentrale Fahrwerkssteuergerät erstmals sowohl die Fahrdynamikregelung des Quattro-Antriebs als auch die radselektive Momentensteuerung. Kündigt sich bei sportlicher Fahrweise Untersteuern an, bremst sie die entlasteten kurveninneren Räder sanft ab und lenkt damit die Antriebskraft nach außen. So dreht sich das Auto in die Kurve ein und folgt dem Lenkwinkel exakt. Außerdem sorgt eine neuartige Antriebsschlupfregelung für hohe Traktion und Fahrstabilität,“ skizziert Weins Kollege Christian Graf die Vorteile des elektrischen Allradantriebs.

Bei dem lässt sich die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) sowohl in einen Sport- als auch in einen Offroad-Modus schalten oder komplett deaktivieren. Für den Vortrieb wird aus Effizienzgründen überwiegend der hintere E-Motor eingesetzt. Fordert der Fahrer mehr Leistung an, als die hintere E-Maschine bereitstellen kann, verschiebt der elektrische Allradantrieb die Momente blitzschnell bedarfsgerecht auf die Vorderachse.

Die tiefe Einbaulage der Antriebskomponenten sowie der Hochvolt-Batterie trägt wesentlich zur hohen Querdynamik des Elektro-SUV bei. Die Achslastverteilung ist mit einem Verhältnis von annähernd 50:50 ausgelegt und im Vergleich zu einem konventionellen SUV bietet das rein elektrisch angetriebene Modell eine um 45 Prozent gesteigerte Torsionssteifigkeit“, beschreibt Wein weitere Vorzüge der E-Tron-Lösung.

Je nach Fahrsituation und Straßenzustand lassen sich über das Drive-Select-System zwischen sieben Profilen ansteuern. Zusätzlich zur Antriebscharakteristik und Lenkunterstützung (die elektromechanische Progressivlenkung ist serienmäßig) wird damit die Einstellung der serienmäßigen Luftfederung mit geregelter Dämpfung verändert. Auf Autobahnetappen rückt die Karosserie automatisch bis zu 26 Millimeter nach unten. Im Gelände, hier macht der E-Tron eine erstaunlich gute Figur, kann der Aufbau um 50 Millimeter angehoben werden, um schwierige Passagen zu bewältigen.

(Wolfgang Schäffer)
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