Stuttgart: Unter Hochspannung: Porsche zeigt, wie es gehen kann

Stuttgart : Unter Hochspannung: Porsche zeigt, wie es gehen kann

Die Zeit der Versuchsträger ist vorbei. Natürlich noch getarnt, sind derzeit die ersten Testfahrzeuge des Mission E in der Originalkarosserie unterwegs. Mit der Konzeptstudie will Porsche zeigen, wie der erste rein elektrisch angetriebene Sportwagen der Markengeschichte aussehen könnte.

„Wir liegen voll im Zeitplan. Sowohl was das Auto betrifft, als auch die Produktionsstätte“, betont Produktionsvorstand Albrecht Reimold. Hinsichtlich der Tests lässt er keine Zweifel daran aufkommen, dass es darum gehe, die gemachten Versprechen zu halten: „Unsere Ingenieure fahren so, wie es später unsere Kunden ebenfalls tun. Demzufolge müssen wir die angegebene Reichweite selbst dann halten, wenn es sportlich voran geht.“ Wer einen Porsche kaufe, erwarte, dass er entsprechend fahren könne - auch mit Strom.

Durchaus denkbar sei zudem, Performance-Versionen mit mehr Leistung anzubieten. Reimold spricht in diesem Zusammenhang auch bereits von Derivaten des Fahrzeugs, über die man nachdenke. Zudem seien weitere Elektromodelle geplant, für die gemeinsam mit Audi an einer Elektroarchitektur gearbeitet werde. Premium Plattform Elektro (PPE) heißt der in mehreren Größen darstellbare Baukasten intern. Aus Porsche-Sicht könnten damit außer dem derzeit noch Mission E genannten ersten E-Auto eine große Modellreihe wie der Panamera oder eine SUV-Ausführung mit den Abmessungen eines Macan entstehen.

Wer aber mit solchen E-Fahrzeugen und gerade auch einem etwa 600 PS starken Mission E, der in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und in der Spitze mehr als 250 Kilometer pro Stunde (km/h) schafft, flott unterwegs sein möchte, der mag nicht stundenlang an einer Ladestation stehen, um die Akkus wieder aufzuladen. Also wird in Stuttgart-Zuffenhausen parallel zum Auto an der Ladeinfrastruktur gearbeitet.

Effizienz, Package und Kundenfreundlichkeit stehen bei der Entwicklung im Vordergrund. Porsche Turbo Charging heißt das entwickelte Konzept, mit dem möglichst schnell frische Energie in das Lithium-Ionen-Batteriepaket mit einer Kapazität von 80 Kilowattstunden (kWh) geführt werden soll. Voraussetzung für das Turbo-Charging ist ein 800-Volt-Bordnetz, mit dem der viersitzige Mission E ausgerüstet sein wird. Mit dem 800-Volt-Ladesystem und einer Ladeleistung von bis zu 350 kWh soll sich der Energiespeicher des Mission in 15 Minuten bis zu 80 Prozent auffüllen lassen.

Vier Minuten an der Ladesäule sollen für 100 Kilometer Reichweite ausreichen. Da das Ladesystem zudem kleinere Leistungsquerschnitte erlaubt, werden Spannungslevel von 180 bis 950 Volt abgedeckt. Damit können ebenfalls die Batterien anderer Automodelle per Combined Charging System (CCS) mit niedrigeren Ladeleistungen, etwa 50, 80 oder 150 kW, mit Energie versorgt werden. Am Porsche-Zentrum Berlin-Adlershof sind bereits zwei öffentlich zugängliche Säulen mit einem solchen System in Betrieb.

Porsche wäre nicht Porsche, hätten die Entwickler nicht auch gleich eigene Ladesäulen entworfen. 66 solcher Säulen mit 109 Ladepunkten sollen in absehbarer Zeit an den Standorten des Porsche-Händlernetzes stehen. Auf der anderen Seite ist bei den Überlegungen ein Batteriespeicher in Würfelform mit einer Kantenlänge von 1,20 Metern herausgekommen, der bei Händlern, Unternehmen, an großen Einkaufsmärkten oder sogar beim Kunden zu Hause stehen kann. Für eine solche Chargebox müssten derzeit aber noch um die 150.000 Euro investiert werden.

Da lohnt es sich vermutlich eher, zu einer der etwa 400 Schnellladestationen zu fahren, die in einer ersten Ausbauwelle bis 2020 entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen entstehen sollen. Porsche, VW, Mercedes, BMW und Ford haben sich dazu im Ionity-Konsortium zusammengeschlossen. Ziel ist es, alle 120 bis 150 Kilometer Stationen mit CCS-Standard und kompatibel mit 800-Volt-Netzen zu errichten.

(amv)
Mehr von Aachener Nachrichten