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Fahrbericht: Suzuki Jimny ist ein Mini-Offroader mit Charme

Fahrbericht : Suzuki Jimny ist ein Mini-Offroader mit Charme

Eines ist der Suzuki Jimny wahrlich nicht: ein Fahrzeug für die längere Fahrt auf der Autobahn. Dafür punktet der kleine Offroader aber in den Kategorien Gelände und Boulevard umso mehr und offenbart ein gewissen Charme.

3,64 Metern lang, 1,70 Meter hoch und 1,40 Metern breit - der vor wenigen Monaten rundum erneuerte Jimny bleibt seiner Klasse treu. Die klaren Kanten, die kurzen Überhänge sowie die eckig beplankten Radhäuser lassen ihn jedoch im Stil eines Jeeps, eines Land Rovers oder einer Mercedes G-Klasse bullig und robust wirken. Attribute wie der hoch angesetzte Kühlergrill, die nahezu senkrecht stehende Frontscheibe oder das an der Hecktür angebrachte Reserverad wecken auf Anhieb Sehnsucht nach Ausflügen jenseits befestigter Strassen.

Dorthin geht es dann in einem Innenraum, der von viel Hartplastik dominiert wird und deshalb puristisch wirkt. Auf Schnickschnack hat Suzuki größtenteils verzichtet. Dank der übersichtlichen Gestaltung der Instrumententafel findet man sich schnell zurecht. Die Bedienung ist einfach. Alle Anzeigen sind gut ablesbar. In der Comfort+-Version (19.985 Euro) indessen geht es nicht mehr ganz so puristisch zu. So gehören ein Audio-System mit Touchscreen samt integriertem Navigationssystem und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung bereits zum Lieferumfang.

Etwas umständlich zeigt sich die Lautstärkenregulierung über die Bildschirmoberfläche. Aber es gibt zudem eine Lenkradfernbedienung. Auf der Höhe der Zeit ist der Jimny in Sachen Konnektivität: per Bluetooth, Apple CarPlay oder Android Auto ist das Handy schnell mit dem Handy verbunden. Neben einer USB-Buchse steht eine Zwölf-Volt-Steckdose im Mitteltunnel zur Verfügung. Schade, dass das Lenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist.

Relativ knapp nebeneinander - aber keineswegs beengt - sitzen Fahrer und Beifahrer auf einigermaßen bequem gestaltetem Gestühl. Allerdings muss die Position der Lehne nach jedem Umklappen neu justiert werden. Das ist immer dann notwendig, wenn sich Mitfahrer auf die Rückbank geschlängelt haben. Reisende im Fond dürfen dabei zunächst ihre Flexibilität beim Einsteigen durch eine der Vordertüren des Zweitürers unter Beweis stellen. Anschließend gilt es, die richtige Position für die Füße zu finden. Einfach ist beides nicht. Kinder finden das alles ganz lustig und kommen gut damit zurecht. Ansonsten lässt sich der Jimny jedoch besser als Zweisitzer nutzen.

Dann kann auch ein wenig mehr Gepäck im Kofferraum transportiert werden. Wobei Kofferraum für den gerade mal zwei Handbreit schmalen Streifen hinter den Sitzen vielleicht nicht wirklich die passende Wortwahl ist. Der japanische Hersteller gibt hierfür ein Fassungsvolumen von 85 Litern an. 830 Liter werden es, wenn die hinteren Lehnen umgelegt sind. Das ist dann ordentlich. Jedoch ist die Ladefläche aufgrund des Kunststoffuntergrunds so glatt, dass Koffer und Taschen nicht nur ungesichert sind, sondern alsbald hin und her rutschen. Des einen Leid, des anderen Freud: Jäger, Förster oder Landschaftsgärtner sind froh, wenn sie Arbeitsgerät und verdreckten Sachen auf einer abwaschbaren Fläche ablegen können.

Eine Zielgruppe, für die der manuell zuschaltbare Allradantrieb ebenso notwendig ist wie die Offroad-Untersetzung - der Leiterrahmen oder die Starrachsen. Eine Bergan- und eine auf Knopfdruck aktivierbare Bergabfahrhilfe sind ebenfalls mit an Bord. Damit steht dem Einsatz selbst in schwerem Gelände nichts im Wege.

Hier trumpft der Jimny wie eh und je groß auf. Im Alltag auf glattem Asphalt kommen diese Eigenschaften dem Fahrkomfort nicht unbedingt entgegen. Bei einem Radstand von 2,25 Metern sorgt bei höheren Geschwindigkeiten der hohe Aufbau für ein unruhiges, leicht schwankendes Fahrverhalten. Das und die ziemlich indirekt arbeitende Lenkung hält davon ab, Kurvenpassagen zu flott in Angriff zu nehmen. Auf der anderen Seite ist es den Suzuki-Technikern ganz gut gelungen, die Federung bandscheibenschonend abzustimmen.

Mit einer Leistung von 102 PS lädt der mit einem etwas hakeligen Fünfgang-Getriebe kombinierte 1,5-Liter-Saugmotor ohnehin eher dazu ein, es ruhiger angehen zu lassen. Dafür spricht ebenfalls das maximale Drehmoment von 130 Newtonmetern (Nm), das erst bei 4000 Touren anliegt. Mit Tempo 145 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Bei einem mit Bedacht eingesetzten Gasfuß lassen nicht nur die deutlich wahrnehmbaren Arbeits- und Windgeräusche nach. Er wirkt sich auch positiv auf den Verbrauch aus. Vom Hersteller mit 6,8 Litern ausgewiesen, zeigt der Bordcomputer im normalen Alltag einen Wert von 7,3 Litern an.

Während Parksensoren oder ein Regensensor auf der Ausstattungsliste vergebens zu suchen sind, ist schon das Einstiegsmodell (17.915 Euro) mit Notbremsfunktion und Verkehrszeichenerkennung sowie Klimaanlage, Tempomat, Freisprecheinrichtung und Sitzheizung bestückt. Da ist vom Purismus des Vorgängers nicht mehr viel geblieben. Erst recht nicht beim Comfort+-Paket, zu dem unter anderem Alufelgen, beheizbare Außenspiegel oder LED-Scheinwerfer gehören.

Die einzig aufpreispflichtige Option ist die Metallic-Lackierung (500 Euro). Für 330 Euro kommt der Suzuki Jimny zweifarbig lackiert auf den Hof. Das dürfte dann wohl die Boulevardseite des Jimny-Charakters unterstreichen.

(amv)