München: So spart man richtig Sprit

München : So spart man richtig Sprit

Das Problem ist zwischen den Ohren zu orten. Im Gehirn. „Wie viel ein Fahrzeug tatsächlich verbraucht, hängt überwiegend vom Fahrer ab“, weiß Pascal Mast von TÜV Süd in München: „Das größte Spritspar-Potenzial sitzt hinter dem Lenkrad.“ Mit einigen Änderungen des eigenen Fahrverhaltens kann man sein Portemonnaie deutlich entlasten - und die Umwelt.

„Emissionen und Verbrauch sinken deutlich, wenn auf Vollgasekzesse verzichtet wird - egal ob Diesel oder Benziner“, gibt Mast zu bedenken. „Mit einer neuen Fahrkultur lässt sich der Kraftstoffverbrauch dauerhaft um bis zu 25 Prozent und der Ausstoß der verschiedenen Luftschadstoffe deutlich verringern“, wirbt der TÜV Süd-Fachmann für den ökologischen Einsatz des Autos.

Leitbild der neuen Fahrkultur ist eine vorausschauende Fahrweise. „Rechtzeitiges Hochschalten reduziert die Motorendrehzahl, der Verbrauch sinkt spürbar. Moderne Pkw lassen sich im Stadtverkehr ohne zu ruckeln auch im fünften oder sechsten Gang bewegen“, schildert Mast seine Erfahrungen und „fahren im unteren Drehzahlbereich schadet dem Motor keinesfalls.“

Für Automatik-Autos gilt: nach dem Beschleunigen das Gaspedal leicht lupfen. Dann wählt das Getriebe von selbst die nächsthöhere, mithin kraftstoffsparende Fahrstufe. Zeigen Ampeln Rot, beim Heranfahren das Fahrzeug ohne Gas rollen lassen und so spät wie möglich auskuppeln. Das nutzt die Schubabschaltung des Motors optimal. Geht der Fuß vom Gas, unterbrechen Einspritzaggregate die Kraftstoffzufuhr. Die Maschine bremst gleichzeitig den Wagen, ohne Sprit zu verbrennen. Das gilt ebenso für Gefällstrecken.

In einem Stau oder bei Ampelstopps von mehr als 20 Sekunden lohnt es sich bei Autos ohne Start-Stopp-Automatik, den Motor abzustellen. „Eine Stunde Leerlauf kostet mindestens einen Liter Kraftstoff“, beziffert Mast. Energiefresser wie Klimaanlage, Sitz- oder Heckscheibenheizung sollten möglichst sinnvoll und nur so lange wie unbedingt notwendig eingesetzt werden.

Sie treiben den Spritkonsum je nach Fahrzeug um 0,7 bis zu vier Liter pro 100 Kilometer in die Höhe. Ebenso kostet unnötiger Ballast Sprit. „Deshalb den Kofferraum entrümpeln“, empfiehlt er. 100 Kilogramm steigern den Verbrauch um rund 0,3 Liter. Wer - etwa nach dem Urlaub - Fahrradträger oder Gepäckboxen ungenutzt spazieren fährt, muss mit einem deutlichen Mehrverbrauch rechnen. Und schließlich heißt es, den Reifenluftdruck regelmäßig checken. 0,2 bar zu wenig erhöht den Verbrauch um bis zu zehn Prozent und kann zu Reifenplatzern führen.

„Mancher Autofahrer spart allerdings an der falschen Stelle“, schildert Mast seine Beobachtungen und „nehmen kilometerweite Anfahrten in Kauf, um beim Spritpreis ein paar Cent weniger auszugeben“. Doch wer genau kalkuliert, ob sich solch eine Extratour rechnet, merkt schnell, die vermeintliche Ersparnis ist rasch verfahren und wer angesichts vermeintlich lukrativer Preise gar mit kaltem Motor extra zur Zapfsäule startet, verrechnet sich sowieso und schadet obendrein enorm der Umwelt.

(amv)
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