Fahrbericht: Seat Tarraco zeigt neue Größe

Fahrbericht : Seat Tarraco zeigt neue Größe

Mit dem Tarraco hat Seat einstweilen seine SUV-Musketiere beisammen. Der Dritte der Modellpalette basiert auf der gleichen VW-Konzernplattform wie der Tiguan Allspace oder Skodas Kodiaq, und alle drei besitzen so ziemlich die gleichen Abmessungen.

Tarraco ist die katalanische Bezeichnung für die Stadt Tarragona, gebaut indes wird der SUV in Wolfsburg. Von seinem Design her tritt das Seat-Flaggschiff elegant auf, geschickt sportiv-dynamisch nachgewürzt, aber im typischen Seat-Erscheinungsbild. Zugleich gibt der SUV schon einen Ausblick auf die Formensprache künftiger Seat-Modelle: der Grill steht sehr steil und dominierend, gerahmt von serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern inklusive Tagfahrlichtspangen. Am Heck verbindet ein schickes Leuchtband die LED-Leuchten.

Im Inneren herrscht ein großzügiges Platzangebot für Fahrer, Passagiere und Gepäck. Ellbogen- wie Kopffreiheit sind üppig. Die Sitzposition der hinten Reisenden lässt sich aufgrund der in mehreren Winkeln arretierbaren Rücksitzlehne variieren. Auch kann durch die um 18 Zentimeter verschiebbare Rücksitzbank (im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel geteilt) wahlweise der Platz für die Beine oder für Koffer und Taschen unterschiedlich groß ausfallen. Das Volumen des Gepäckabteil liegt zwischen 230 und 700 Litern. Aufpreispflichtig (800 Euro) gibt es eine dritte Sitzreihe, die nicht nur 60 Liter Stauraum schluckt, sondern selbst Kindern im Schulalter einengt.

Der Armaturenträger ist klar, übersichtlich gestaltet. Über den freistehenden Acht-Zoll-Bildschirm oberhalb der Mittelkonsole lassen sich das Audio- und Infotainmentsystem bedienen. Direkt im Blick hat der Fahrer im individuell konfigurierbaren digitalen Cockpit (10,25 Zoll) alle Fahrdaten. Die zeitgemäße und gelungene Gestaltung des Passagierabteils lässt leicht verschmerzen, dass es qualitativ unterschiedliche Kunststoffflächen gibt. Fahrer- wie Beifahrersitz bieten hohen samt langstreckentauglichen Sitzkomfort, der insbesondere aus der angenehmen Polsterung sowie der guten Konturierung im Schulterbereich resultiert. Ebenfalls angenehm erweist sich das großzügige Ablagenangebot.

In Sachen Ergonomie gibt es nur wenig Schatten. Etwa sind die USB-Anschlüsse in der Mittelkonsole schlecht erreichbar. Mit dem sogenannten Connectivity-Paket (230 Euro) bietet der Tarraco im Ablagefach der Mittelkonsole entsprechenden Smartphones die Möglichkeit zum kabellosen Nachladen. Funktionen wie Android Auto und Apple CarPlay gewährleisten optimale Konnektivität zwischen Smartphone und Fahrzeug. Und natürlich tragen auch die personalisierbaren Optionen der Seat DriveApp kräftig dazu bei, dass alle Passagiere im Tarraco überall und jederzeit vernetzt sein können.

Den Langstreckenqualitäten des Tarraco entspricht die Fahrwerksabstimmung. Sie zeigt einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Die Unterschiede zwischen den Modi der adaptiven Dämpferregelung DCC (Comfort, Normal und Sport) sind spürbar, aber nicht sehr ausgeprägt. Mit der leichtgängigen, aber genügend präzisen Lenkung lässt sich der Tarraco zielsicher selbst über kurvige Landstraßen dirigieren. Offroad-Passagen gehören erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen zum Habitat solcher Midsize-SUV. Gleichwohl kann man sich mit dem Seat in solches Terrain wagen, wobei er Böschungen und Geröllpassagen überraschend gut meistert.

Der Zwei-Liter-TDI (190 PS/Euro 6d-Temp-Norm) ist abgastechnisch auf der Höhe der Zeit und offeriert eine souveräne Motorisierung. Die volle Kraft von 400 Newtonmeter (Nm) liegt zwischen 1750 und 3250 Umdrehungen an, also fast über das gesamte im Alltag genutzte Drehzahlband. Wer partout mag, kann die Fahrstufen über Lenkradwippen oder – in der manuellen Gasse – über den Wählhebel durchschalten. Als Fahrleistungen nennt Seat eine Spitzengeschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde (km/h), sowie wie einen Sprintwert auf Tempo 100 von acht Sekunden. Im automobilen Alltag zeigt der Bordcomputer knapp acht Liter je 100 Kilometer an.

Für die aktive Sicherheit sorgt ein stattliches Arsenal elektronischer Helferlein, etwa ein adaptiver Tempomat, ebenso Spurhalte- und Spurwechselwächter. Weitere Assistenzsysteme gibt es gegen Aufpreis beispielsweise Fernlicht- oder Totwinkel- und Ausparkhelfer. Im Basispreis (43.800 Euro) des Testwagens enthalten sind ein schlüsselloses Schließ- und Startsystem, eine Dreizonenklimaanlage mit Bedienungselement im Fond und 19-Zoll-Leichtmetallräder. Toppt man diese Ausstattung mit diversen Schmankerln aus der Liste der Sonderausstattungen, etwa Standheizung (1050 Euro) oder Panorama-Glasdach (1145 Euro) addieren sich am Ende 52.765 Euro beisammen.

(amv)
Mehr von Aachener Nachrichten