München: Schalten lassen: Angebot an Automatikgetrieben wird immer größer

München : Schalten lassen: Angebot an Automatikgetrieben wird immer größer

Das Angebot an selbstschaltenden Getrieben wird immer größer. Doch wer schalten lassen will, muss dafür einen gewissen Aufpreis in Kauf nehmen. „Zudem besitzen die verschiedenen Getriebe ihre eigene Charakteristik“, erläutert Eberhard Lang von TÜV Süd in München die Technik und beruhigt: „Dass mehr Sprit verbraucht wird, ist längst Geschichte.“

Anfänglich wurden automatische Getriebe als Komfortzubehör angeboten, zunächst nur mit drei Fahrstufen, plus Rückwärtsgang. 1939 brachte General Motors sein erstes Automatikgetriebe in Serie. Der Zulieferer Borg Warner bot ab 1952 einen Automaten mit Dreigang-Planetenradsatz an. Zu Beginn der 60er Jahre stellte ZF ein Automat-Getriebe mit einem hydraulisch gesteuerten dreistufigen Planetenradsatz vor. Grundsätzlich sprachen diese Lösungen eher schaltfaule Fahrer an und besaßen manches Handicap. „Der sogenannte Wandler schluckte Leistung“, erinnert der TÜV Süd-Fachmann an die alte Technik „und es gab hohe Reibungsverluste, mithin stieg der Verbrauch.“ „Um dieses Handicap auszugleichen, ist eine möglichst hohe Spreizung, also das Verhältnis von kleinstem und größtem Gang, nötig“, erläutert Lang den technischen Fortschritt. Manuelle Getriebe für den Pkw gibt es derzeit mit bis zu sieben Gängen. Automatikgetriebe bieten inzwischen zehn Fahrstufen an, elektronisch gesteuert. „Durch die deutlich breiter gewordene Getriebespreizung ist eine bessere Anpassung an die Motorcharakteristik und die Lastzustände möglich geworden“, weiß der TÜV Süd-Fachmann: „Entsprechend wurde nicht nur die Fahrdynamik gesteigert, sondern ebenso der Verbrauch gesenkt.“ Besonderer Beliebtheit erfreuen sich so genannte Doppelkupplungsgetriebe. „Im Prinzip funktionieren diese Getriebe mit zwei Kupplungen so“, erklärt der TÜV Süd-Fachmann: „Während in einem Gang gefahren wird, ist der nächste schon voreingelegt, ruht aber noch. Sobald der ideale Schaltpunkt erreicht ist, öffnet sich elektronisch gesteuert die entsprechende Kupplung, und der nächste Gang wird blitzschnell aktiv. Hydraulische oder elektrisch betätigte Aktuatoren übernehmen den Ein- und Auskuppelvorgang.“ Solche Lösungen finden sich vor allem im unteren und mittleren Fahrzeugsegment. In höheren Fahrzeugklassen kommt zumeist die so genannte Wandler-Automatik-Technik zum Einsatz. Ihr ursprüngliches Image, durstig und unsportlich zu sein, ist Technikgeschichte. Möglich machen dies mehr Gänge, eine Wandlerüberbrückung sowie mitunter extrem kurze Schaltzeiten. „Modernen Automatikgetrieben sagt man nach, dass sie so perfekt arbeiten, wie es ein normaler Autofahrer im manuellen Modus kaum besser machen könnte“, schildert Lang seine Beobachtungen. Stufenlose Getriebe, sogenannte CVT-Schaltboxen, arbeiten ohne fixe Übersetzungen. Das ermöglicht, den Motor stets im optimalen Drehzahlbereich zu betreiben. „Theoretisch ein Vorteil“, befindet der TÜV Süd-Fachmann, „aber gleichwohl haben sich CVT-Getriebe nie auf breiter Front durchgesetzt.“ Ihr Handicap: ein jaulendes Motorgeräusch beim Beschleunigen und grundsätzlich wirkt der Antrieb stets etwas träge. Mit fest einprogrammierten Fahrstufen versuchen Entwickler dem entgegenzuwirken. Automatisierte Getriebe sind eine weitere Lösung, auf händisches Handeln zu verzichten. Das sind prinzipiell übliche Fünfgang-Schaltboxen. Eine Elektronik sorgt für die Gangwechsel und steuert dazu den hydraulisch betätigten Kupplungsgeber. Ebenso wird die Schaltbetätigung über Stellelemente gehandhabt. „Welche Lösung auch immer zu Einsatz kommt, allen ist gemein, dass man dafür tiefer ins Portemonnaie greifen muss“, charakterisiert Lang den inzwischen wohl einzigen Nachteil des Verzichts auf Handarbeit: „Erfahrungsgemäß liegen die Aufpreise je nach eingesetzter Technik und Fahrzeugklasse zwischen 500 und 2500 Euro.“

(amv)