Stuttgart: Mercedes A-Klasse: Ein vierrädriges Smartphone

Stuttgart : Mercedes A-Klasse: Ein vierrädriges Smartphone

Bei der vierten Generation der Mercedes A-Klasse hat sich optisch einiges getan, um den Wagen auch jüngeren Käufern schmackhaft zu machen. Der Kühlergrill ist größer geworden und ähnelt nun mehr den Frontmasken der sportlicheren Mercedes-Modelle. Das Kompaktmodell erscheint klarer und schärfer. Die größten Fortschritte aber gibt es innen zu entdecken.

Ein neues Bedienkonzept, das sich so nicht einmal in der S-Klasse findet. Wie ein modernes Smartphone gehorcht die A-Klasse dem Fahrer aufs Wort, etwa um per Sprachbefehl die Klimaanlage einzustellen. Vernetzung, Digitalisierung, Dienstleistungen und Bedienkonzept wurden zu einem Paket geschnürt, dass allerdings von seinem Benutzer etwas Eingewöhnungszeit verlangt, um alle Möglichkeiten auszuloten.

Worüber Head-up-Display, Digital-Cockpit sowie Touchscreen informieren oder gar warnen, muss man sich erst einmal zu eigen machen. Das Angebot an Assistenzsystemen für den Einstiegs-Benz unterscheidet sich kaum von der Aufpreisliste der S-Klasse und ragt in seiner Fülle, aber auch Qualität weit über das bisherige Niveau der Kompaktklasse hinaus. Der Kleine kann nicht nur automatisch vor Fahrzeugen, sondern auch vor querende Fußgänger bremsen oder die Spur halten. Zudem erweisen sich die Computerchips als höchst lernfähig und besitzen ein Gedächtnis wie der oft zitierte Elefant.

Der digitalisierten Bedienung folgt im Innenraum dessen Gestaltung. Die digital animierten Instrumente lassen sich individuell umsortieren. Allerdings: wichtige Informationen wie etwa die Ganganzeige finden kaum Platz auf den großen, nicht spiegelfreien Monitoren. Materialwahl und Verarbeitung geben keinen Grund zu jeglicher Kritik und bieten einen gekonnten Mix aus technik-affinem Design und mercedes-typischer Solidität.

Die zeigt sich ebenfalls im Fahrbetrieb. Die A-Klasse verwöhnt mit hohen Sicherheitsreserven. Das Zusammenspiel von Dämpfung und Federung orientiert eher am sportiven Äußeren. Das Kofferraumvolumen der A-Klasse rückt mit 370 bis 1210 Litern ans Golf-Niveau heran. Für zwei großgewachsene Fondpassagiere wird es klassentypisch eher etwas eng. Ebenfalls unbequem: Der Einstieg nach hinten wird durch das coupéhaft gestaltete Dach erschwert.

Geschmackssache

Mit seinen 116 PS offeriert der 1,5-Liter-Diesel — gekoppelt mit einer Siebengang-Automatik — ausreichende Fahrleistung. Laut Hersteller liegt die Spitzengeschwindigkeit bei 202 Kilometern pro Stunde. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 wird demnach in 10,5 Sekunden absolviert. Im Alltagsbetrieb zeigt der Bordcomputer Verbrauchswerte um sieben Liter an.

Das alles dürfte aber kaum kaufentscheidend sein. Hohe Qualität von Fahrwerk, Antrieb oder Verarbeitung setzt ein Mercedes-Kunde schlichtweg voraus, wohl möglich auch die selbstbewusste Preisauszeichnung. Ob das weitreichende Bedienungskonzept samt den damit verbundenen Ideen aus der Welt des Digitalen den eigenen Ansprüchen, Vorstellung und Vorlieben entspricht, muss jeder für sich entscheiden und deshalb sollte man sich ausgiebig mit dem Gebotenen auseinandersetzen. An konventionelleren Lösung ist die Kompaktklasse ja nicht arm.

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