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Aachen: Mehr Licht fürs Auto: Erhellende Erkenntnisse aus Aachen

Aachen : Mehr Licht fürs Auto: Erhellende Erkenntnisse aus Aachen

„Licht aus — Spot an!“ hieß es in Ilja Richters Disco-Sendung zu Zeiten, als der VW Käfer noch das meistgefahrene Auto in Deutschland war. Wenn bei ihm, einem R4 oder einem Opel Kadett das Licht anging, wurde es zwar etwas heller, aber gemessen an heute üblichem Automobil-Licht waren die damaligen Lampen eher Funzeln.

Halogen, Xenon und LED sind die Stichworte der erheblich verbesserten Leuchtkraft. Einer der weltweiten Vorreiter in puncto Lichtsysteme ist Ford, das in seinem „Research and Innovation Center“ in Aachen permanent weiter an neuen Möglichkeiten forscht. So weiß Michael Koherr, Entwicklungsingenieur für Lichtsysteme, dass es neben Helligkeit und Intensität noch ganz andere Fortschritte auf diesem Gebiet geben wird: „In Zukunft werden beispielsweise superhelle LED-Leuchten das Straßenbild erobern, die auch dazu beitragen, dass die Autofahrer weniger schnell ermüden.“

Zu den signifikanten Verbesserungen der modernen Scheinwerfer-Technologie zählt außerdem, dass sich die Ausleuchtung an die Umgebung und an die gefahrene Geschwindigkeit anpasst. Im Gegensatz zu den eher scharf konturierten Strahlmustern in der Vergangenheit verschmelzen die Lichtkegel heutiger Scheinwerfer sanft mit der Umgebung, so dass Objekte vom Auge des Fahrers besser wahrgenommen werden und nicht plötzlich scheinbar aus dem Nichts auftauchen.

Längst erkennen Assistenzsysteme in der Dunkelheit entgegenkommende und vorausfahrende Fahrzeuge und wechseln von Fahr- auf Fernlicht und zurück. Während das heute aber noch abrupt geschieht, wird es in Zukunft ein fließender Wechsel sein. Genau genommen wird der Lichtkegel so geteilt, dass nur der andere Verkehrsteilnehmer nicht geblendet wird, rechts und links von ihm jedoch die volle Leuchtkraft erhalten bleibt.

Koherr: „Zur Zeit arbeiten wir an der Entwicklung einer neuen Beleuchtungs-Technologie, die die Aufmerksamkeit des Fahrers möglichst früh auf Fußgänger, Radfahrer oder etwa große Tiere lenkt. Dazu dient unter anderem eine Infrarot-Kamera, die größere Objekte, etwa Fußgänger oder Wild, wie ein Nachtsichtgerät in einer Entfernung von bis zu 120 Meter auch bei völliger Dunkelheit oder Nebel erfasst.“

Da diese Kamera nicht durch Glas „sehen“ kann, wird sie im Kühlergrill untergebracht sein. Zwei in 25 Zentimeter Höhe angebrachte Scheinwerfer strahlen dann das Objekt an, ohne es zu blenden.

Während dieses System noch Zukunftsmusik ist, steht eine andere Technologie kurz vor der Serienreife. Sie basiert auf dem Adaptiven Frontlicht und der Verkehrszeichenerkennung, die Ford bereits in vielen Serienmodellen anbietet. Neu ist: Die Elektronik reagiert einerseits abhängig vom Lenkradeinschlag, greift aber auch auf GPS-Daten des Navigationssystems zu und öffnet zum Beispiel beim Heranfahren an Kreuzungen, Kreisverkehre und Vorfahrtsstraßen frühzeitig den Lichtkegel. Hindernisse, die sich (noch) nicht unmittelbar vor dem Fahrzeug befinden, wie beispielsweise ein von links nahender Radfahrer, können so viel eher erkannt werden. Auch Kuppen und Senken oder andere straßenspezifische Besonderheiten gehen in die Berechnung der Ausleuchtung ein.

Stehen keine GPS-Informationen zur Verfügung, bedient sich das System einer Frontkamera, um den Lichtkegel den Fahrbahnmarkierungen entsprechend anzupassen beziehungsweise den weiteren Straßenverlauf auch anhand der Verkehrsschilder zu prognostizieren. Das heißt dann unter anderem, dass sich der Lichtkegel nicht nur bei der Einfahrt in den Kreisverkehr nach links weitet, sondern während des gesamten Kreisverlaufs immer die Kurvenrichtung ausleuchtet, ehe er an der gewählten Ausfahrt nach rechts schwenkt. „Wir werden dann nicht mehr warten müssen, bis das Licht in Fahrtrichtung leuchtet, sondern können gewissermaßen dem Licht hinterherfahren“, erläutert Michael Koherr.

In der nächsten Evolutionsstufe kann sich das System sogar die Ausleuchtung häufig befahrener Strecken merken und gemeinsam mit den Navigationsdaten wieder abrufen.