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München: Mehr als die Hälfte aller tödlichen Unfälle passieren auf Landstraßen

München : Mehr als die Hälfte aller tödlichen Unfälle passieren auf Landstraßen

Landstraßen sind vielfach schön, aber gefährlich. Zwar passieren auf all jenen Straßen, die keine Autobahnen oder Innerortsstraßen sind, nur rund ein Viertel aller Unfälle. Doch die wiegen besonders schwer. Rund 57 Prozent aller tödlichen Unglücke ereignen sich dort.

„Das Risiko, tödlich zu verunglücken ist mehr als doppelt so hoch wie auf anderen Straßen“, sagt Jürgen Brenner-Hartmann, fachlicher Leiter Verkehrspsychologie von TÜV Süd in München nach einem Blick in die Unfallstatistiken: „Ganz offensichtlich werden die Gefahrenquellen auf den Landstraßen unterschätzt.“

Mehr als sieben Prozent der Unfälle auf Landstraßen ereignen sich beim Überholen. „Nach dem Abkommen von der Fahrbahn ist dies die zweite wesentliche Ursache für sehr schwere Landstraßenunfälle“, sagt Jürgen Brenner-Hartmann und warnt vor allem vor unüberlegtem Überholen.

Deshalb solle man das Risiko gut abwägen, denn der Zeitgewinn betrage erfahrungsgemäß „oft nur ein paar Sekunden“. Gefährliche Situationen entstehen laut dem TÜV Süd-Fachmann vielfach, wenn die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs falsch eingeschätzt wird, wenn trotz unzureichender Sicht überholt wird oder wenn bei unerwartetem Gegenverkehr ein Fahrer aufgrund überhöhter Geschwindigkeit während des Überholmanövers die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert.

„Um einen Lkw sicher überholen zu können, sind circa 500 bis 600 Meter freie Sicht notwendig, für einen Traktor 300 Meter“, rechnet Brenner-Hartmann vor. „Diverse Testfahrten haben immer wieder untermauert, der Zeitgewinn ist minimal“, schildert Brenner-Hartmann seine Beobachtungen.

Der durchschnittliche Zeitgewinn eines Überholers gegenüber einem gemächlicheren Fahrer liege beispielsweise auf einer rund 20 Kilometer langen Strecken nur bei knapp eineinhalb Minuten. Nur selten könne ein größerer Zeitvorteil als zwei Minuten erzielt werden. Unter günstigen Umständen und bei normalem Verkehr lassen sich - selbst wenn konsequent alle Fahrzeuge überholt werden - nur höchstens zehn Prozent Zeit einsparen.

„Diese Fahrweise erfordert allerdings permanent die höchste Aufmerksamkeit des Fahrers und verleitet zudem massiv zum Überschreiten des Tempolimits“, sagt der TÜV Süd-Fachmann. Über den oft ungebremsten Hang zum Überholen lässt sich nur spekulieren.

„Von vielen Autofahrern wird der Zeitvorteil durch schnelles Fahren maßlos überschätzt“, vermutet der Fachmann und bei der Hauptrisikogruppe - junge Männer - kämen oft weitere Faktoren zusammen: „Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung sowie Imponiergehabe“.

(amv)