Lexus LS 500 Luxury Line AWD zeigt Hightech und Gelsenkirchener Barock

Fahrbericht : Lexus LS 500 Luxury Line AWD zeigt Hightech und Gelsenkirchener Barock

Seit gut 30 Jahren versucht sich Toyotas Edellabel Lexus auf dem deutschen Markt. Mit gleichbleibend geringem Erfolg. So finden sich beispielsweise für das Flaggschiff LS Jahr um Jahr nur um die 100 Käufer.

Das liegt allerdings nicht am Fahrzeug, sondern eher daran, dass hierzulande Oberklasse-Limousinen zumeist süddeutscher Herkunft sind, sozusagen traditionsgemäß. In den USA etwa zählt Lexus den führenden Premiummarken. Technisch zählt der Lexus LS 500 zur technischen Avantgarde und muss sich keineswegs hinter den deutschen Konkurrenten verstecken. Was das Design innen wie außen anbelangt, muss man schlicht festhalten: Geschmacksfrage.

Erinnerte der erste Lexus LS noch sehr stark an die seinerzeitige der S-Klasse, reüssiert lange Luxusliner heute mit Finesse, Format und Feingefühl. Die Kühlermaske weit und ungewöhnlich gestaltet, die Scheinwerfer messerscharf und die Rückleuchten mit großer Strahlkraft - manch einer empfindet die Formgebung als höchst aggressiv. Eigener Weg auch im Innenraum. Man steigt in eine Lounge aus Lack und Leder, mit gefalteten Stoffverkleidungen der Türen, schillernden Glaskonsolen und spektakulär verarbeitetem Wurzelholz - manch einer empfindet die Ausstattung als Gelsenkirchener Barock.

Da hilft denn auch nicht, dass der Lexus diverse Finessen feilhält. So hebt zum Einsteigen die Luftfederung die Karosserie kurz um drei Zentimeter an, und wenn sich die großen Türen öffnen, weiten sich vorübergehend die Sitze und das beleuchtete Gurtschloss reckt sich den Passagieren um fünf Zentimeter entgegen. Weniger raffiniert ist die Bedienung. Trotz des digitalen Cockpits bietet der Lexus nicht einmal einen Touchscreen, und das Touchpad auf dem Mitteltunnel wirkt antiquiert.

Obwohl der Lexus mit seinem flachen Dach und dem breiten Stand fast wie ein Coupé wirkt, bietet er auf allen vier Plätzen reichlich Raum. Kein Wunder, mit einem Radstand von 3,13 Metern und einer Länge von 5,24 Meter schnitzten Designer und Entwickler aus dem Vollen. Besonders behaglich gestaltet sich die Reise im Fond, der mit Shaihatsu-Massage-Sesseln und elektrischer Fußstütze verwöhnt.

Mittels Touchscreen in der Mittelkonsole lässt sich die individuelle Klimatisierung steuern oder das Infotainmentangebot. Verwöhnt wird allerdings auch der Fahrer, so besitzt der Lexus alle Assistenzsysteme, die der Toyota-Konzern aktuell zu bieten hat, bis hin zum langen Lenkeingriff für freihändige Autobahnfahrten, dem automatisierten Spurwechsel und einem Ausweichprogramm für Fußgänger.

Egal wo man sitzt, rasch wird einem die unglaubliche Ruhe an Bord bewusst. Der Begriff Gleiter umschreibt das sehr entspannte, souveräne Vorwärtskommen nur unzureichend. Maßgeblichen Anteil daran liefert das Antriebspaket mit Allradantrieb, einem der 3,5-Liter-V6-Bi-Turbo-Benzinmotor, dessen beeindruckende Leistung (418 PS) von einem Zehn-Gang-Automatikgetriebe auf die Straße gebracht wird. Verbrauchswunder darf man freilich nicht erwarten, je 100 Kilometer pendelt die Anzeige des Bordcomputer um die 15-Liter-Marke.

Mit seinem eigenständigen Charakter, seinen unter allen Umständen sicheren Fahrverhalten und dem sehr hohen Komfort ist der Lexus sicherlich eine Offerte an all jene, die dem Oberklassen-Mainstream entkommen möchten und dafür rund 135.00 Euro investieren wollen.

(amv)