Winterpause für Oldtimer: Langsam ans Einmotten denken

Winterpause für Oldtimer : Langsam ans Einmotten denken

Noch ist die Zeit der Saisonfahrzeuge nicht zu Ende. Einige goldene Herbsttage ermöglichen noch die eine oder andere prächtige Ausfahrt und so denkt mancher Besitzer eines Old- oder Youngtimers noch nicht an die Winterpause für sein Hobbyfahrzeug.

Doch die Tage sind gezählt. Sommerfahrzeuge sollten nicht einfach nur abgestellt werden. Putzen, schmieren, trocken halten - lautet der Dreisatz der Oldtimer-Profis. „Es sind in der Regel einfache Handgriffe, die schnell zu erledigen sind, um ohne Verzögerung und mit gut gewarteter Technik wieder in die neue Saison starten zu können“, sagt Eberhard Lang, Experte bei TÜV Süd in München.

Am besten steht das Sommerauto in einer trockenen und gut belüfteten Garage. Muss es unter freiem Himmel überwintern, sollte zumindest eine feste, durchgehende Standfläche vorhanden sein. Plätze mit durchbrochenen Formsteinen sind Gift für die Reifen. Sie können die Aufstandsflächen dauerhaft verformen und Gras oder Pflanzenreste schaden beim langen Stehen dem Gummi.

Eine gründliche Wäsche beugt Rost und Startproblemen im Frühjahr vor. Dabei die Reinigung des Unterbodens und eine Motorwäsche nicht vergessen. Vorsicht ist aber bei der Hochdruckwäsche nötig. Nicht näher als 50 Zentimeter an Teile wie Lichtmaschinen und andere elektrische Komponenten herangehen. Dies gilt ebenfalls für Reifen. „Wasser unter hohem Druck kann bleibende, aber zunächst nicht sichtbare Schäden anrichten“, weiß Lang.

Richtiges Öl verwenden

Frisches Öl schützt den Motor. Für Oldtimer gilt: Selbst wenn das Wechselintervall längst nicht erreicht ist, lohnt sich die Investition. „Im Laufe des Betriebs bilden sich Säuren und andere aggressive Stoffe im Öl, die Metallteile und Dichtungen angreifen“, schildert Lang seine Erfahrungen. Echte Oldtimer kommen mit dünnen Ölen wie 0W-30 schlecht zurecht und ältere Dichtungsmaterialen leiden oft unter synthetischem Schmierstoff. Also auf die richtige Sorte und die korrekte Füllmenge achten. Die Kontrolle der Ölstände in Getriebe und Achsantrieb und das Auffüllen auf den korrekten Stand mit dem richtigen Öl stellt sicher, dass alle Zahnräder und Lager selbst während des Stillstands optimal versorgt sind.

Feuchtigkeit erzeugt Korrosion und schlechte Gerüche. Schmutz ist ein idealer Nährboden für beides. Die Reinigung des Innenraums beugt dem vor. Eine gute Belüftung des Innenraums sorgt für gesunde Verhältnisse. Dazu einfach die Seitenscheiben ein paar Zentimeter öffnen. Pollenfilter sollten im Winter möglichst ausgebaut werden. In ihnen bildet sich gern Schimmel. Moderne Kombifilter mit Aktivkohle ziehen Wasser an und sind damit dann im Frühjahr unbrauchbar.

Alle vier bis fünf Jahre gilt es, sich den Stoßdämpfern zu widmen. Schließlich sorgen sie für die richtige Bodenhaftung und kurze Bremswege. Dazu die Dämpfer auf Dichtheit überprüfen. Sind sie undicht, müssen Neue her - paarweise versteht sich. Wer ganz sichergehen will, ob Federung und Fahrwerk einwandfrei funktionieren, fährt mit dem Lieblingsauto zum Stoßdämpfertest in eine entsprechende Fachwerkstatt.

Batterie abklemmen?

Nur bei echten Oldtimern sollte die Batterie abgeklemmt werden. Neuere Autos mit viel Elektronik bleiben am besten am Netz. Das geschieht am besten mit einem modernen, elektronisch geregelten Ladegerät. Es prüft den Ladezustand automatisch und sorgt ohne jedes Zutun für eine stets optimal geladene Batterie. Tut der Autobesitzer an dieser Stelle gar nichts, kann das teure Folgen haben: „Eine leere Batterie friert bei Minustemperaturen ein. Schlimmstenfalls läuft dann bei Tauwetter Schwefelsäure aus“, warnt Lang. Der Energieverbrauch dieser Dauerlader sei im Gegensatz zu älteren Geräten sehr gering. Wer keinen Netzanschluss für eine Dauerladung in der Nähe des Standplatzes hat, sollte den Stromspeicher wenigstens monatlich nachladen.

Den Reifen tut während der Winterpause ein leicht erhöhter Luftdruck gut. Über die Standzeit geht ohnehin etwas verloren, so dass rund 0,5 bar mehr eine gute Wahl ist. „Aber auch nicht mehr auffüllen“, meint der Experte von TÜV Süd.

Ein Cabrioverdeck braucht jetzt besonders viel Aufmerksamkeit. Die Autohersteller verkaufen spezielle Reiniger und Konservierungsmittel. Moderne Synthetik-Dichtungen brauchen aber keine besonderen Pflegemittel mehr. Die Reinigung mit Seifenwasser genügt. Bei Oldtimern mit Gummileisten hilft gewöhnliches Talkum. Ein Stoffverdeck selbst steht in der Garage am besten in einer leicht entspannten Position, also einen Spalt geöffnet. Keinesfalls darf es aber über längere Zeit ganz offen sein. Dies kann nämlich bleibende Falten und mürbe Stellen erzeugen. Bei den so genannten Retractable Hardtops sind keine besonderen Maßnahmen nötig.

(nom)
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