Fahrbericht: Honda Civic Elegance 1.6 i-DTEC ist ein polarisierendes Angebot

Fahrbericht : Honda Civic Elegance 1.6 i-DTEC ist ein polarisierendes Angebot

Im Grunde spricht vieles für den Honda Civic: eine schnittige Karosserie, ein großzügiges Platzangebot sowie ein sparsamer 1,6-Liter Diesel. Doch die Mischung aus modernen und irgendwie altbacken wirkenden Details macht es schwer, sich tatsächlich für den Viertürer zu begeistern.

Wie gut die 4,50 Meter lange und sportlich gestaltete Karosserie den eigenen Geschmack tritt, das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Nach Mainstream sieht die zehnte Generation des Honda Civic auf jeden Fall nicht aus. Das liegt vor allem an der sehr speziellen Heckansicht. Die markant herausgearbeiteten Leuchteinheiten polarisieren ebenso wie die langgezogene, verglaste Heckklappe, die durch eine Querspange in zwei Teile getrennt wird.

Dieses Design erweist sich vom Fahrersitz aus als durchaus störend, da die Sicht nach hinten dadurch noch mehr eingeschränkt wird als schon durch die sehr breiten C-Säulen. Überraschend positiv indessen das Platzangebot.

Vor allem die Kopffreiheit ist bei einer Fahrzeughöhe von nur 1,43 Metern und dem stark nach hinten abfallenden Dach selbst für groß gewachsene Personen auf allen Plätzen ausreichend. Das gilt ebenso für die Beinfreiheit. Allerdings ist die Sitzfläche etwas kurz geraten. Der Fahrersitz verfügt in der Elegance-Ausstattung über eine elektrisch verstellbare Lendenwirbelsäulen-Stütze, was die relativ weiche Polsterung langstreckentauglich ausgleicht.

Über diese Art von „Für und Wider“ stolpert man ebenfalls am Armaturenbrett. So spacig das vor dem Fahrer liegende Cockpit gestaltet ist, so wenig zeitgemäß wirken die Anzeigen. Das gilt vor allem für die Grafik des Navigationssystems, die noch dazu auf einem vom Fahrer weggeneigten Sieben-Zoll-Touchscreen angezeigt wird. Das Multifunktionslenkrad verfügt über alle zu erwartenden Funktionen wie Lautstärkeregelung, Fahrinformationen oder Tempomat. Die Anordnung der diversen Tastenformen und deren Haptik ist jedoch verwirrend. Überhaupt fehlt es dem Innenraum aufgrund zahlreicher Hartplastik-Elemente an Charme.

Punkten kann der Civic durch seine vielfältigen Ablagemöglichkeiten für den alltäglichen Kleinkram, auch wenn in die Fächer der Türen keine großen Wasserflaschen passen. Clever gelöst ist insbesondere die doppelstöckige Mittelkonsole. Mit zwei USB-Anschlüsse, einem HDMI-IN, Apple Car Play, Android Auto, Internetradio und Internet-Browser ist der kompakte Honda ganz auf der Höhe der Zeit. Für das Reisegepäck bietet der 478 Liter (maximal 1267 Liter) fassende Kofferraum genügend Volumen, wobei eine Stufe in der Ladefläche sowie eine Ladekante von 69 Zentimetern Höhe die Alltagstauglichkeit etwas reduzieren.

Als alltagstauglich, sprich in einer guten Mischung aus Sportlichkeit und Komfort abgestimmt, lässt sich das Fahrwerk des Wagens bezeichnen. Lastwechsel oder schnellere Kurvenfahrten bringen den Civic nicht aus der Ruhe. Die angenehm direkte Lenkung verstärkt den positiven Fahreindruck. Dazu trägt ebenfalls der 1,6 i-DTEC bei - dem letzten Diesel, den Honda anbieten wird. Stand Honda bei der Markteinführung im vergangenen Jahr noch voll hinter dieser Antriebsart, reagiert der Hersteller jetzt auf die Marktentwicklung und verzichtet künftig in Europa auf Selbstzünder.

Schade, denn das Aggregat kann mehr als es die Papierform zunächst vermuten lässt. Schließlich klingen 120 PS für ein 1,8 Tonnen schweres Fahrzeug nicht wirklich vielversprechend. Doch ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern (Nm) bereits bei 2000 Touren sorgen für ein munteres Antritts- und Durchzugsverhalten. 10,9 Sekunden sollen laut Datenblatt vergehen, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu kommen. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 200 Kilometern pro Stunde (km/h) angegeben - bis zu 195er-Marke beschleunigt das Triebwerk ziemlich unangestrengt. Da verzeiht man die leichte Anfahrtsverzögerung, die wohl vornehmlich auf die Neun-Gang-Automatik (2100 Euro Aufpreis) zurückzuführen ist. Apropos Automatik: zunächst speziell sind die Tasten in der Mittelkonsole, mit denen die Fahrstufen eingelegt werden. Aber auch daran gewöhnt man sich. Oder nutzt die Schaltwippen am Lenkrad.

Als wohltuend zurückhaltend erweist sich der Motor beim Verbrauch. Ohne Anstrengung pendelt sich der Durchschnittsverbrauch unter sechs Litern ein. Bei aktiviertem Eco-Modus und etwas vorausschauender Fahrweise ist eine Fünf vor dem Komma zu erreichen. Da ist der Normverbrauch von 4,1 Litern schon gar nicht mehr so weit weg. Dank eines NOX-Speicherkats kommt der Civic ohne SCR- und AdBlue-Technik aus und erfüllt dennoch die Abgasnorm Euro-6d-temp.

Schon in der Basisversion sorgt ein gut geschnürtes Sicherheitspaket für Unterstützung. Kameras und Radarsysteme überwachen permanent das Fahrzeugumfeld. Das Kollisionswarnsystem mit Bremsassistent und Fußgängererkennung, der aktive Spurhalteassistent oder der Fahrbahnassistent greifen bei Bedarf ein. Klimaautomatik, Ambientebeleuchtung, Sportpedale in Aluminium oder Privacy Glas gehören zu den Ausstattungsmerkmalen der Elegance-Ausstattung, die bei dieser Motorisierung mit 27.390 Euro in der Liste steht. Damit spricht bei allem für und Wider letztendlich auch der Preis für den Honda Civic.

(amv)
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