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Gute Vorbereitung der Auslandsreise zahlt sich aus

Worauf man achten sollte : Gute Vorbereitung der Auslandsreise zahlt sich aus

In Corona-Zeiten werden wohl noch mehr mit dem Auto in die Ferien fahren. Schon in normalen Jahren ist das mehr als jeder Zweite und ein Großteil davon steuert Urlaubsziele im Ausland an. „Die Urlaubsstimmung kann jedoch schnell umschlagen, wenn es auf der Reise zu einem Crash kommt.“ berichtet Achmed Leser.

„Ärger ist da vorprogrammiert, denn bei der Schadenregulierung kann es im Ausland zu zusätzlichen Problemen kommen“, schildert der Unfallexperte vom TÜV Thüringen in Erfurt seine Beobachtungen.

Ein Problem: die Schadenregulierung mit der ausländischen Versicherung wird nicht selten zu einer langen und nervenaufreibenden Prozedur. Achmed Leser: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass die regulierende Versicherung erst nach einem halben Jahr zahlt. Gerade bei ungeklärter Schuldfrage kann der Prozess langwierig und teuer werden. Wer hier keine Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen kann, muss tief in die Tasche greifen und hat am Ende womöglich schlechte Karten.“

„Auch wenn die sogenannte grüne Versicherungskarte für die Einreise in die Länder der EU und einige weitere europäische Staaten überflüssig geworden ist, empfehle ich das Mitführen der ‚Internationalen Versicherungskarte für den Kraftverkehr‘. Bei Reisen nach Italien kann sie im Schadenfall ohnehin notwendig sein“, erläutert der Fachmann. Die grüne Versicherungskarte gilt als Nachweis für den Versicherungsschutz und beinhaltet die Versicherungsnummer und die Adressen der ausländischen Gesellschaften, die im Schadenfall regulieren. Ein weiteres wichtiges Dokument, welches auf keinen Fall fehlen sollte, ist der sogenannte europäische Unfallbericht. Dieser ist europaweit einheitlich und in allen Sprachvarianten gleich aufgebaut. Er erleichtert das Ausfüllen bei fremdsprachigen Unfallgegnern. Verbandskasten, Warndreieck und Warnwesten für alle Insassen gehören bei jeder Reise ohnehin zum Pflichtprogramm.

Was tun, wenn es im Ausland zu einem Verkehrsunfall gekommen ist? „Zuerst sollte, genau wie bei einem Unfall in Deutschland, Ruhe bewahrt und die Unfallstelle gesichert werden“, so der Tipp des Unfallexperten. „Dabei die Warnweste nicht vergessen. Sind Personen zu Schaden gekommen, setzen sie sofort einen Notruf ab. Europaweit ist die einheitliche Notrufnummer 112 erreichbar. Danach Verletzten Erste Hilfe leisten. Bei Personen- und hohem Sachschaden sollte in jedem Fall die Polizei hinzugezogen werden“, rät Achmed Leser.

Selbst wenn es sich scheinbar nur um einen Bagatellschaden handelt, sollten sich Geschädigte alle Daten vom Unfallgegner notieren. Hier hilft der europäische Unfallbericht. „Machen Sie unbedingt Beweisfotos, eine Skizze vom Unfallhergang mit genauer Angabe des Unfallorts. Manchmal ist im Nachhinein nicht mehr klar, an welcher Ecke der Unfall passiert ist. Notieren Sie sich Namen und Adressen von Zeugen“, empfiehlt Achmed Leser.

Ist das Auto fahrbereit und stammt der Unfallgegner aus einem EU-Mitgliedsland oder Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen oder der Schweiz, können die Ansprüche gegenüber dem Unfallverursacher in Deutschland beim Schadenregulierungsbeauftragten der ausländischen Versicherung geltend gemacht werden. Über den Zentralruf der Autoversicherer kann dieser in Erfahrung gebracht werden. Aus Deutschland ist der Zentralruf (kostenfreie Servicerufnummer 0800 250 260 0), aus dem Ausland unter der Rufnummer +49 40 300 330 300 erreichbar. Kommt der Unfallgegner allerdings aus einem anderen Land, muss der Schaden bei der ausländischen Versicherung im Herkunftsland geltend gemacht werden. Das erweist sich oftmals als schwierig, zumal dabei eine Sprachbarriere hinzukommt.

„Nach der Unfallmeldung beginnt die Zeit des Wartens. Im Zweifel ist es immer von Vorteil, einen Verkehrsrechtsanwalt hinzuzuziehen. Dieser muss in dem entsprechenden Land, in dem sich der Unfall ereignet hat, tätig werden können“, schildert Achmed Leser. Die Regulierung des Schadens kann hingegen dauern und wird immer nach dem Recht des Unfalllandes verhandelt. Oftmals haben die Unfallgeschädigten dort kein Anrecht auf einen Werkstattersatzwagen, Nutzungsausfallgeld oder Wertminderung am Fahrzeug. Ebenfalls die Kosten für ein unabhängiges Gutachten werden in aller Regel von den ausländischen Versicherungen nicht übernommen. Es sei denn, dies wird ausdrücklich gefordert. „Wir empfehlen dennoch, zur Beweissicherung ein Gutachten erstellen zu lassen. Sollte der Wagen zwischenzeitlich repariert oder verkauft worden sein, hat man so gegenüber der Versicherung einen handfesten Beweis über die Höhe des ursprünglich verursachten Schadens“, rät Leser.

Die regulierenden Assekuranzen können sich mit ihrer Entscheidung bis zu zwölf Wochen Zeit lassen. Immerhin übernehmen sie die Kommunikation mit der ausländischen Versicherung. Der Unfallgegner bekommt Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Und das dauert eben seine Zeit.

Übrigens waren deutsche Autofahrer laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im vergangenen Jahr in Italien am häufigsten in Unfälle verwickelt, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. Wer häufig ins Ausland fährt und kein Risiko eingehen möchte, ist mit einem Auslandsschutzbrief beziehungsweise einer Zusatzversicherung, die nach deutschem Recht reguliert, gut beraten.

(amv)