Erste-Hilfe im Auto: Fehlender Verbandskasten ist problematisch

Erste-Hilfe im Auto : Fehlender Verbandskasten ist problematisch

Scheinwerfer, Auspuff, Bremsen, Lenkung, Reifen - alles ist in Ordnung. Der Sachverständige klebt nach der durchgeführten Hauptuntersuchung (HU) die Prüfplakette, vermerkt jedoch im Prüfprotokoll als "geringen Mangel" das Fehlen oder den Zustand des Verbandkastens.

„Ein Manko, das schnellstens behoben werden muss“, gibt Eberhard Lang von TÜV Süd in München zu bedenken. Gemäß Paragraf 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) ist das Mitführen des Notfall-Sets Pflicht, und es muss der jeweils aktuellen DIN-Norm entsprechen. „Immer wieder übersehen Autofahrer, dass es beispielsweise für bestimmte Verbandmaterialien ein Verfallsdatum gibt“, schildert der TÜV Süd-Fachmann seine Beobachtungen.

Weil das Verbandmaterial im Auto großen Temperaturschwankungen unterworfen ist, verlieren Binden mit der Zeit ihre Elastizität. Pflaster verspröden. Einmalhandschuhe werden rissig. „Damit wird die nötige Erstversorgung eines Verletzten fraglich“, warnt Lang, „schlimmer noch, wenn der Verbandkasten fehlt“.

Deshalb sollte ab und an ein prüfender Blick auf das oft vernachlässigte Autozubehör geworden werden. Auf Nummer sicher gehen Autofahrer, wenn sie im Laden auf die DIN-Nummer 13164 achten, die seit 2015 verbindlich ist.

„Grundsätzlich sollte der Verbandkasten schnell erreichbar verstaut werden, etwa im Handschuhfach, im Stauraum unter den Sitzen oder in gut zugänglichen Seitenfächern des Kofferraumes“, empfiehlt Lang „und sicherlich ist es kein Fehler, wenn auch Mitreisende wissen, wo sich die Autoapotheke befindet und man selbst seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischt.“

Streng genommen sind Autofahrer dazu auch laut Paragraf 323c Strafgesetzbuch (StGB) verpflichtet. Das Stichwort lautet „Unterlassene Hilfeleistung“. „Weil bei den wohl meisten Autofahrern der Erste-Hilfe-Kurs - Voraussetzung für den Erhalt des Führerscheins - Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt, sollte man sich eine Auffrischung des eignen Wissens gönnen“, plädiert der TÜV Süd-Fachmann. Die verschiedenen Rettungs- und Hilfsdienste bieten entsprechende Kurse an, in denen stabile Seitenlage, Versorgen von Platzwunden, Blutungen und notfalls die Wiederbelebung trainiert werden.

Wer keinen Verbandkasten mittführt, riskiert bei einer Verkehrskontrolle ein Verwarnungsgeld von fünf Euro und bei der Hauptuntersuchung eben einen geringen Mangel.

(nom)