1. Ratgeber
  2. Auto

Fahrbericht zum Porsche 911 Carrera S

Porsche 911 Carrera S : Fortschritt hat seinen Preis

Der Ausstrahlung eines Porsche 911 Carrera nicht zu erliegen, ist schier unmöglich. Ästheten können sich an der harmonisch gezeichneten Karosserie nicht satt sehen.

Liebhaber leistungsstarker Motoren haben an dem 450 PS starken Boxer der in diesem Fall gefahrenen S-Version ihre helle Freude. Technikfreaks kommen angesichts der präzisen Abstimmung von Fahrwerk und Dämpfern voll auf ihre Kosten. Im Grunde kann nur der Blick auf das Bankkonto die Begeisterung für die achte Generation des Zuffenhausener Sportwagens dämpfen.

Mit dem neuen Jahrgang stellt Porsche einmal mehr unter Beweis, dass Perfektion ein relativer Begriff ist. Schon der Vorgänger sah brillant aus. Und doch ist es den Designern gelungen, die Form des Elfers weiter zu entwickeln, ohne ihn zu verfremden. Dazu zählt die neue Front mit einem Lufteinlass, der sich wie eine klare Linie quer über das Bugteil erstreckt. Die LED-Scheinwerfer erheben sich aufgrund der um 44 Millimeter gewachsenen Spurbreite ein klein wenig aufrechter aus den nochmals muskulöser wirkenden Radhäusern.

Mehr Spannung bekommt die Motorhaube durch die markanten Vertiefungen, die an das Design der ersten 911-Generationen erinnern. Die Heckpartie wird allein schon durch die schmalen Rückleuchten mit dem dazwischen gespannten Leuchtenband zum Hingucker. Mit der Veränderung der Spurbreite - vorne sind 20- und hinten 21-Zoll-Räder montiert - ergibt sich eine ausgeprägte Taillierung der im wahrsten Sinne des Wortes glatten Flanken: die Türgriffe sind bündig mit der Außenhaut, fahren nur zum Öffnen elektrisch aus.

Die Eleganz, mit der das geschieht, würde sich so mancher auf dem Weg zu den tief liegenden, lederbezogenen (Aufpreis: 3974 Euro) und perfekten Halt gebenden Sitze mit 14 Verstellmöglichkeiten (2261 Euro) wünschen. Die beiden Notsitze im Fond verfügen zwar über Isofix-Verankerungen. Doch selbst Kindern will man die Reise dort eigentlich nicht zumuten. Von daher ist der Raum besser geeignet, das schmal bemessene Kofferraumvolumen von 132 Litern (ausreichend für zwei Kabinen-Trolleys) um 264 Liter zu erweitern.

Der Fahrer blickt auf einen klar strukturierten Armaturenträger – mit einem überraschenden Manko: von den jeweils zwei scheinbar frei schwebenden Displays neben dem mittig installierten Drehzahlmesser lassen sich die Äußeren nur mit einer deutlichen Veränderung der Kopfhaltung sehen. Da zu den wählbaren Ansichten an diesen Positionen unter anderem die Einblendung der Tankanzeige gehört, ist das eher ungünstig.

Keinerlei Kritik indessen gibt es am 10,9 Zoll großen Centerscreen des Porsche Communication Management (PCM). Es liefert ein gestochen scharfes Bild. Darunter liegt eine Schaltereinheit mit fünf Tasten, die den direkten Zugriff auf wichtige Fahrzeugfunktionen ermöglichen. Die feine Ziselierung dieser Schalter erinnert an feine Uhrmacher-Kunst und gibt noch dazu eine gelungene haptische Rückmeldung. Das gilt gleichermaßen für den kurzen Wählhebel des neu entwickelten Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes.

Geschwindigkeit ist ein großes Thema

Das überträgt die Kraft des 450 PS starken (30 PS mehr als zuvor) Dreiliter-Sechszylinder-Boxer Triebwerks mit einem maximalen Drehmoment von 530 Newtonmeter zwischen 2300 und 5000 Umdrehungen auf die Hinterachse. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 benötigt der 911er 3,5 Sekunden (Werksangaben). Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 308 Kilometer pro Stunde (km/h). Den Normverbrauch des 911 Carrera S gibt Porsche mit 8,9 Litern an.

Bei gleichmäßiger Fahrt selbst mit hohem Tempo zeigt der Bordcomputer 10,7 Liter an. Den Verbrauch nach oben schrauben naturgemäß häufige Versuche, die Leistungsfähigkeit des Boliden auszureizen. Aber auch zahlreiche Stadtfahrten werden mit einem vermehrten Durst quittiert, so dass unter dem Strich ein Gesamtdurchschnitt 12,8 Liter steht.

Geschwindigkeit ist mit dem Elfer zwar ein großes Thema. Einlenk- und Kurvenverhalten sind aber mindestens ebenso interessant. Disziplinen, in denen sich die Mundwinkel quasi automatisch dauerhaft freudig nach oben ziehen, so problemlos zirkelt der Porsche um jede Kurve. In Kombination mit der ungemein direkten Lenkung lässt sich nur von Hochgenuss sprechen. Dass sich der Carrera S natürlich auch jenseits von Höchstleistungen auf der Landstraße, beziehungsweise im Stadtverkehr von seiner besten Seite zeigt, versteht sich fast von selbst. Leicht und locker schwimmt er im Verkehr mit, lässt sich im dichten Gewühl oder auf engen Straßen problemlos bewegen.

Um das alles genießen zu können, müssen mindestens 120.125 Euro investiert werden. Wer dazu noch etliche Extras wie unter anderem ein elektrisches Schiebedach (1689 Euro), die Sportabgasanlage (2606 Euro), das Sportfahrwerk (940 Euro), der Abstandsregelautomat (1701 Euro) oder die Innenraumverkleidung in Alcantara (1160 Euro) bestellt, überschreitet problemlos die 140.000-Euro-Grenze. Konkret 145.299 Euro schlagen für den Testwagen zu Buche. Die Anziehungskraft des Porsche 911 aber ist in jedem Fall bereits im Grundpreis enthalten.

(amv)