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Frankfurt: Fahrbericht Fiat 500 S: S wie sportlich, schick und stylisch

Frankfurt : Fahrbericht Fiat 500 S: S wie sportlich, schick und stylisch

Der brave Clark Kent musste sich das Hemd aufreißen und sich in einen blau-roten Bodysuit schmeißen, um sich zum fliegenden Supermann mit einem S auf der Brust zu verwandeln. Trägt der Fiat 500 den 19. Buchstaben des Alphabets im Namen, dann genügt ein Knopfdruck auf die Sporttaste und der niedlichen Zweitürer macht mächtig auf dicke Hose.

Die Ziffern im digitalen Tacho legen sich schief. Das gesamte Wägelchen scheint sich zu straffen. Gasbefehle werden deutlich fixer umgesetzt und von jetzt auf gleich schnellt die Geschwindigkeit um ein paar Einheiten nach oben. Das gerade noch sehr verhaltene Überholmanöver auf der Autobahn wird so selbst bei flotter Fahrt zum lässigen Vorbeimarsch. Die erstaunten Blicke der stehen gelassenen Mittelklassewagen-Fahrer gibt es als Dreingabe zum Vergnügen.

Und das alles bei gerade einmal zwei Zylindern und einem Hubraum von 0,9 Litern. Daraus generiert der Mini-Hubraumer 105 PS und dank Turbolader ein Drehmoment von 145 Newtonmetern (Nm) bei 2000 Umdrehungen. Der Sprint von zehn Sekunden aus dem Stand auf die Tempo-100-Marke fühlt sich auf der Straße dank nur gut einer Tonne Leergewicht deutlich dynamischer an als es sich auf dem Papier liest.

Ein kleines Turboloch im Drehzahlkeller lässt sich da leicht verschmerzen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 188 Kilometern pro Stunde (km/h) erreicht. Dass bei häufiger Aktivierung des von einem grimmigen Röhren begleiteten Sport-Modus der Verbrauch nach oben schnellt, ist nicht anders zu erwarten.

Lässt man im Alltag eher Vernunft walten, hält sich immer mal wieder an die Vorgaben der Schaltempfehlung und gönnt dem Motor mittels Start-Stopp-Funktion mehr oder weniger gewissenhaft Pausen, dann pendelt sich die Anzeige im Bordcomputer auf 6,5 Liter ein. Das ist im Vergleich zum Normverbrauch von 4,2 Litern allerdings immer noch ein ganz schönes Pfund.


Gelungen ist indessen die Abstimmung von Federung und Dämpfung. Auch im Normalmodus stimmt das Verhältnis aus Komfort und Agilität. Selbst Gullideckel und Fahrbahnrillen nimmt der nur 3,57 Meter kurze 500 S bei einem Radstand von 2,30 Metern erstaunlich kommod - und flitzt doch bei Bedarf so knackig um die Ecken.

Gemütlich ausstrecken können sich Fahrer und Beifahrer auf ihren bequem geschnittenen Sportsitzen nicht, aber sie haben im Vergleich zu Reisenden im Fond doch geradezu paradiesische Verhältnisse. Die hinteren Plätze taugen mit den kurzen Sitzflächen und dem beengten Knieraum für Erwachsene allenfalls auf Kurzstrecken.

Während die Montage eines Kindersitzes und die Sicherung des Nachwuchses einiges an Gelenkigkeit erfordert, heißt es beim Gepäck Zurückhaltung üben. 180 Liter bis maximal 550 Liter Volumen stehen zur Verfügung. Letzteres bei umgeklappten Rücksitzlehnen und einer ziemlichen Stufe in der Ladefläche. Dass der Mini-Fiat nicht als Lademeister gedacht ist, macht sich überdies an der hohen Ladekante bemerkbar.

Schicke Ausstattung hat ihren Preis. Sei’s drum. Das S könnte ja schließlich ebenso für „schickes Stadtwägelchen“ stehen. Von außen steht dem kleinsten Fiat-Vertreter die Mattlackierung in Olivgrün (Aufpreis: 1000 Euro) in Kombination mit den ebenfalls in matt gehaltenen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, den rot lackierten Bremssätteln (170 Euro) sowie den Bi-Xenon-Scheinwerfern (900 Euro) ausgesprochen gut zu Gesicht. Heckspoiler, sportliche Stoßfänger und Seitenschweller runden die stylische Optik ab.

Dem steht der Innenraum trotz relativ einfacher Materialien nicht nach. Als Fahrer blickt man auf einen Sieben-Zoll-großen, kreisrunden TFT-Bildschirm (290 Euro) für den Bordcomputer. Über der Mittelkonsole dient der Touchscreen des Uconnect-Systems für die Bedienung von Navigation (sehr kleine Tastenfelder/600 Euro), Radio und sämtliche über das Smartphone gekoppelte Apps. Klimaanlage, Sportlederlenkrad mit Multifunktionstasten, getönte Scheiben, Tempomat sowie dunkel satinierte, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel gehören bereits zur Ausstattung des 500 S.

Mit 17.650 Euro Basispreis ist der allerdings nicht gerade ein Schnäppchen. Gönnt man sich noch etwas Luxus wie das HiFi-System Beats Audio (590 Euro) kommt man auf einen Testwagenpreis von 22.440 Euro. Den Super-Sport-S-Knopf natürlich mit eingerechnet.

(amv)