Fahrbericht: Der Hyundai Tucson Style ist ein Langstreckenläufer

Fahrbericht : Der Hyundai Tucson Style ist ein Langstreckenläufer

Fast 1000 Kilometer, nur eine Tankfüllung – angesichts dieser Erfahrung relativiert sich Kritik an stark motorisierten SUV. Immerhin treiben den kompakten Hyundai Tucson 185 Pferdestärken an.

Doch der Einsatz von Mildhybridtechnik – der Kombination aus Verbrenner- und Elektroantrieb - reduziert laut Hyundai den Kraftstoffverbrauch und die Abgasemissionen um bis zu sieben Prozent.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Hyundai erstmals in einem Modell auf einen 48 Volt starken Zusatz-Stromkreis. Er unterstützt den mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombinierten Zweiliter-Turbodiesel (Euro 6d-Temp) in Situationen, die den Spritbedarf üblicherweise nach oben treiben, etwa Staufahrten mit vielen Anfahrmanövern oder Beschleunigungspassagen. Andererseits schaltet das System den Motor schon beim Ausrollen vor einer Ampel frühzeitig ab und zum Starten absolut unauffällig wieder an.

Rein technisch wird das möglich, indem das zusätzliche Bordnetz einen über Riemen mit der Kurbelwelle verbundenen Startergenerator versorgt. Der Verbrenner bekommt so bei Bedarf eine Unterstützung von bis zu zwölf Kilowatt (kW) Leistung. Eine Speicherbatterie mit einer Kapazität von 0,44 Kilowattstunden (kWh) unter dem Ladeboden stellt die erforderliche Energie dafür zur Verfügung. Beim Bremsen, „Segeln“ oder Bergabfahren lädt sich die Lithium-Ionen-Batterie wieder von selbst auf. Eine intelligente Steuerelektronik reguliert den Wechsel. Anders als bei reinen Hybrid-Fahrzeugen ist ein ausschließlich elektrisches Fahren mit dieser Art der Elektrifizierung nicht vorgesehen.

Deutlich spürbar sind indessen der kraftvolle Antritt und die Durchzugsstärke. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 dauert laut Hersteller 9,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 201 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht. Viel bemerkenswerter als diese Werte ist die Leichtfüßigkeit, die der immerhin gut 1,7 Tonnen schwere Tucson in jedem Geschwindigkeitsbereich vermittelt. Hier macht sich die Kraft der „zwei Herzen“ bemerkbar. Die dadurch gewonnene Fahrfreude bleibt - wie schon erwähnt - bei den Tankstellenbesuchen ungetrübt. Für den von Hyundai angegebenen Wert von 5,4 Litern müsste man wahrscheinlich den Gasfuß dauerhaft sehr zurückhaltend einsetzen. Doch auch ohne Verzicht auf zügig gefahrene Streckenabschnitte liegt der Durchschnitt bei 6,7 Litern. In München ein- und ohne Tankstopp in Flensburg wieder aussteigen? Ein 62 Liter fassender Tank macht es möglich.

Langstreckentauglich wird der 4,48 Meter lange Allradler zudem durch ein eher komfortabel, aber ausreichend straff abgestimmtes Fahrwerk. Schlechte Fahrbahnabschnitte werden souverän passiert, wohingegen wirklich schnell gefahrene Kurven nicht das Ding des Tucson sind. Lob ohne jegliche Einschränkung gebührt dem niedrigen Geräuschniveau im Innenraum. Großzügig die Platzverhältnisse des schick gezeichneten Viertürers.

Selbst Personen mit einer Körperlänge von mehr als 1,85 Metern müssen sich keine Sorgen über Bein- oder Kopffreiheit machen. Zwar lässt sich die Rückbank in der Länge nicht verschieben, was die Variabilität des Gepäckraums ein wenig einschränkt, aber zumindest lassen sich die hinteren Lehnen (im Verhältnis 60:40 geteilt) in der Neigung verstellen. Mit 459 Litern (1449 Liter bei vorgeklappten Lehnen) steht ausreichend Stauraum für das Gepäck eines Familienausflugs bereit. Der Laderaumboden ist in der Höhe variierbar. Das Beladen erfolgt aufgrund der niedrigen Ladekante sowie der breiten und weit öffnenden Klappe einfach.

Im Innenraum fällt das modern gezeichnete Armaturenbrett mit Soft-Touch-Materialien und gut ablesbaren Instrumenten ins Auge. Der acht Zoll große Audio- und Navigationsmonitor ragt freistehend auf. Obwohl er nicht zum Fahrer gedreht ist, sind Bedienung und Ablesbarkeit kein Problem.

Durch ein Kreuzchen an der Option „Sicherheitspaket“ (1150 Euro) kommen zu Müdigkeits-, Notbrems- und Berganfahrassistent sowie Verkehrszeichenerkennung der Around-View-Monitor und der Totwinkel- und Querverkehrswarner hinten hinzu. Ebenfalls sicherheitsrelevant sind LED-Scheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregulierung, LED-Tagfahrlicht, statisches Abbiegelicht sowie Lichtsensor und Fernlichtassistent.

Die 48-Volt-Mildhybrid-Version ist ab dem Ausstattungsniveau „Style“ (39.100 Euro) erhältlich. Inklusive Extras wie dem Smart-Key-System (350 Euro), einem Soundsystem von Krell (500 Euro) oder 19-Zoll-Leichtmetallfelgen (600 Euro) steht am Ende ein Preis von 42.310 Euro auf der Rechnung. Für einen kompakten SUV kein Schnäppchen, aber für umweltbewusste Langstreckenfahrer dennoch wohl eine überlegenswerte Alternative.

(amv)
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