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Stuttgart: Erweiterte Hauptuntersuchung: Lebensretter auf dem Prüfstand

Stuttgart : Erweiterte Hauptuntersuchung: Lebensretter auf dem Prüfstand

Ab dem 1. Juli setzen die Überwachungsorganisationen bei der Hauptuntersuchung (HU) einen Prüfadapter ein, der die Funktion der werkseitig eingebauten sicherheitsrelevanten Systeme testet. Darauf weist der Automobilclub Europa (ACE) in Stuttgart hin.

„Wurde hier manipuliert oder liegt ein Defekt vor, gibt es keine Plakette“, erläutert ACE-Fachmann Philipp Heise. „Ob die elektronischen Sicherheits- und Assistenzsysteme in unseren Fahrzeugen im Notfall wirklich ansprechen, konnte man bisher erst im Ernstfall feststellen“, beschreibt der ACE-Fachmann den bisherigen Stand.

Ein Blick nach vorn: Um auch zukünftig die Prüfung der komplexen Fahrzeugtechnik sicherzustellen, werden der HU-Adapter und die Prüfsoftware ständig weiterentwickelt. „Die nächsten Schritte sind die Prüfung der Achsdämpfung sowie die dynamische Bremsmessung. Aber auch die Prüfung von komplett neuen Fahrzeugsystemen, wie zum Beispiel das Notrufsystem eCall, wird Bestandteil der Hauptuntersuchung sein“, skizziert Vincenzo Luca von TÜV Süd die nächsten Schritte.

Für die jetzt erweiterte Prüfung wird der sogenannte HU-Adapter über die On-Board-Diagnose-Schnittstelle (OBD) mit dem Fahrzeug verbunden. „Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob die elektronischen Sicherheits- und Assistenzsysteme eine Fehlermeldung zurückgeben oder ob diese gar manipuliert wurden“, beschreibt Heise die neue Kontrollmöglichkeit.

Außerdem wird bei der geänderten Bremsenprüfung die am Rad erreichte Bremskraft mit dem Druck im hydraulischen System in Bezug gesetzt. Über den HU-Adapter kann der Prüfingenieur die Werte des Bremsdrucksensors im ESP auslesen. Die Software vergleicht auch hier die Ist-Werte mit den von den Fahrzeugherstellern vorgegebenen Soll-Werten.

„Autofahren vor 40 Jahren war ein nicht ungefährliches Unterfangen“, erinnert ACE-Mann Heise: „1970 gab es in der Bundesrepublik einen negativen Rekord bei den Verkehrstoten. Nahezu 20.000 Menschen ließen damals ihr Leben auf der Straße.“ Insbesondere mit der 1976 eingeführten Anschnallpflicht ging die Zahl rapide zurück. Einen weiteren großen Einfluss auf die Sicherheit der Fahrzeuge hatte die Einführung von elektronischen Sicherheits- und Assistenzsystemen wie Airbag, ABS (Anti-Blockier-System) oder ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm).

„Sicherheitskomponenten, die anfänglich nur in Prototypen oder der Luxusklasse eingesetzt wurden, gibt es inzwischen in beinahe allen Fahrzeugklassen, allerdings lassen sich von Hersteller zu Hersteller immer noch Unterschiede in der Ausstattung finden“, schildert Heise seine Erfahrungen. Doch der Hinweis von Heise gilt nicht nur den Herstellern.

„Nach wie vor bestimmen Aussehen, Komfort, Leistung oder Preis hauptsächlich die Autokaufentscheidung. So sind moderne Fahrerassistenzsysteme wie ein Abstandsregler, Spurhalteassistent oder Notbremsassistent gerade einmal in zwei bis fünf Prozent der Fahrzeuge verbaut. Demgegenüber verfügen heute beispielsweise 47 Prozent unserer Autos über eine Sitzheizung, 63 Prozent über Leichtmetallfelgen und 67 Prozent über eine Metalliclackierung.“

(amv)