Erstklässler auf dem Schulweg: Eltern sollten ihre Kinder vorbereiten

Erstklässler auf dem Schulweg : Eltern sollten ihre Kinder vorbereiten

Ende August beginnt nach den Sommerferien die Schulzeit. „Auf diese neue Lebenssituation sollten Eltern von Erstklässlern ihre Kinder rechtzeitig vorbereiten“, legt Andrea Häußler von TÜV Süd in München Müttern wie Vätern ans Herz.

Der Schulweg und das Verhalten im Verkehr beispielsweise müssen vorher geübt werden und nicht erst, wenn stolz die große Schultüte im Arm gehalten wird. Eltern sollten mit Schulanfänger den neuen Weg zu den üblichen Schulzeiten abgehen. So lernen die Erstklässler besser die Verkehrsbedingungen kennen, die sie später allein zu meistern haben. „Erklären Sie ihrem Kind ausführlich mögliche Gefahrenstellen“, mahnt die TÜV Süd-Verkehrspsychologin. Als Faustregel gilt, einfache Schulwege mindestens siebenmal abgehen, schwierigere mindestens doppelt so oft.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, gibt die TÜV Süd-Fachfrau zu bedenken: „Sie haben nicht den Überblick und verhalten sich mitunter völlig anders, wenn sie alleine oder in der Gruppe sind.“ Werden beispielsweise Klassenkameraden auf der anderen Straßenseite entdeckt, wird der Verkehr uninteressant. „Gerade jüngere Kinder lassen sich stark von ihrer Gefühlslage leiten und die kann sich schnell ändern“, so Häußler. Dazu kommt, dass Erstklässler noch nicht die körperlichen Voraussetzungen haben, um das Verkehrsgeschehen richtig einzuschätzen. Durch ihr kinderspezifisches Gesichtsfeld besitzen sie einen wesentlich geringeren Überblick als Erwachsene, nehmen Entfernungen und Geschwindigkeiten oft nicht richtig wahr.

Unfallursache Nummer Eins bei Kindern, die zu Fuß zur Schule gehen, ist das Überqueren der Fahrbahn. Deshalb wollen diese Schritte besonders beübt sein: vor jedem Betreten der Fahrbahn am Bordstein stehen bleiben, nach allen Seiten schauen, zuerst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links, um dann auf kürzestem Weg über die Straße zu gehen. Wenn möglich, die Straße nur an Ampeln und Fußgängerüberwegen überqueren. An Zebrastreifen Blickkontakt zu den Autofahrern aufnehmen, ebenso auf Fahrbahnteilern.

Besondere Gefahren lauern dort, wo auf beiden Seiten geparkt wird. Die TÜV Süd-Fachfrau: „Hier sollte Ihr Kind die Fahrbahn möglichst nicht überqueren, denn zwischen den Autos kann es nichts sehen und wird selbst kaum gesehen.“ Und der Schulweg mit dem Rad? „Erst ab der fünften Klasse“, rät Häußler. Neben den Fähigkeiten, ein Fahrrad sicher zu bewegen und gleichzeitig den Straßenverkehr wahrzunehmen, benötigen die jungen Radfahrer auch Regelkenntnisse und Verständnis für Verkehrssituationen. Verkehrspädagogen raten daher, dass Kinder frühestens nach bestandener Radfahrausbildung im vierten Schuljahr allein mit dem Rad im Straßenverkehr fahren sollten.

Wird mit dem Schulbus der Weg absolviert, dann sollten Eltern dies ebenfalls mit ihren Sprösslingen üben, empfiehlt Häußler. Das gilt für den Hin- und Rückweg zur Haltestelle. Das gilt ebenso für das Ein- und Aussteigen. Immer erst an den Bus herantreten, wenn er zum Stehen gekommen ist und die Tür geöffnet hat. Nach dem Aussteigen warten, bis der Bus weggefahren ist, erst dann die Fahrbahn überqueren. Wenn möglich, am nächsten Fußgängerüberweg oder an einer Ampel. Wichtig ist zudem, dass das Kind rechtzeitig an der Haltestelle ist, damit es nicht unter Zeitdruck kommt.

Und wenn Vater oder Mutter Schultaxi spielen – Kinder im Grundschulalter müssen in geeigneten Kindersitzen gesichert werden, selbst auf kurzen Fahrten. Zudem sollte zum Ein- oder Aussteigen nur dort geparkt werden, wo es erlaubt, sicher und behinderungsfrei möglich ist. „Parken in der zweiten Reihe ist ein absolutes No-Go“, befindet Häußler kategorisch.

Durch zahlreiche Studien ist inzwischen belegbar, dass der tägliche Schulweg zu Fuß eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung hat. Dazu zählen eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness sowie eine Verbesserung des Sozialverhaltens. Und bei aller Übung: „Denken Sie daran, dass ihr Kind aufgeregt ist und erwarten Sie nicht, dass es im Handumdrehen sich richtig verhält“, erinnert die TÜV Süd-Fachfrau.

(amv/nom)
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