Regeln beachten: Elektromobilität und Minusgrade, das ist kein Problem

Regeln beachten : Elektromobilität und Minusgrade, das ist kein Problem

Zu denen vielen Vorbehalten gegenüber der Elektromobilität ist dies eines der hartnäckigsten: nicht wintertauglich. Zwar verhält sich eine Batterie bei niedrigen Temperaturen tatsächlich anders, aber Vorreiterländer wie das klimatisch kältere Norwegen machen es vor.

Elektromobilität und Minusgrade, das ist kein Problem, beruhigt Volker Blandow, Spezialist für Elektromobilität bei TÜV Süd in München: „Wer ein paar grundsätzliche Regeln beachtet, beispielsweise die Batterie nicht zusätzlich belastet, die Bordelektronik clever einsetzt und die Fahrdynamik kennt, für den ist das Elektroauto ein zuverlässiges Fahrzeug rund ums Jahr. Die Batterietechnologie ist winterfest.“

Grundsätzlich mögen Batterien es gerne warm. Wer also sein Auto in der Garage parken und laden kann, tut dem Stromspeicher Gutes. „Gewisse Eigenschaften ändern sich mit der Temperatur und das ist im Fahrbetrieb auch spürbar. Die Batterie verliert bei sehr tiefen Temperaturen an Dynamik“, skizziert Blandow eine Eigenart der Technik. Die geringere Dynamik sorgt dafür, dass die Ladezeiten im Winter ein wenig länger sind. Das gilt ganz besonders für die Schnellladung. Wenn ein Batteriesystem über Nacht ohne Ladung völlig ausgekühlt ist, wird der Strom zum Schutz der Batterie nur langsam auf den Maximalwert angehoben. Dies geschieht zu Schutz der Batterie und gegen bleibende Schäden. „Eine normal betriebene Batterie findet schnell zurück zu gewohnter Performance, sobald die Temperaturen wieder über Null liegen“, schildert Blandow seine Erfahrungen.

Mit den Temperaturen sinkt die Reichweite. Der Einsatz der Heizung kann schon mal bis zu 30 Prozent Aktionsradius kosten. Immer bessere Batterietechnologie inklusive Wärmesystem, insgesamt größere Akkus sowie der Einsatz von Elektronik sorgen hier aber für stetige Verbesserungen. Bedenken sollte man, ein Verbrennungsmotor braucht bei Minusgraden ebenfalls mehr Sprit.

Kältebedingte Dynamikeinbußen der Batterie sorgen einerseits für eine geringere Beschleunigung. Zudem verringert sich die Rekuperation, das heißt, das Nutzen der Bremsenergie, weil bei sehr kalter Batterie nicht die gesamte Leistung in die Batterie gepresst werden kann. Erfahrene Elektrofahrer, die gekonnt die Energierückgewinnung zum Verzögern einsetzen, müssen bei sehr kalten Temperaturen mit leicht verminderter elektrischer Bremsleistung rechnen. „Einen ähnlichen Effekt gibt es auch im Sommer, wenn man mit randvoller Batterie losfährt“, sagt Blandow. Und noch ein Tipp für den Winter: „Auch bei geringerer Beschleunigung, wegen der kalten Batterie - bei glatter Fahrbahn immer an das hohe Drehmoment denken“, rät der TÜV Süd-Fachmann.

Bei einem Elektroauto arbeitet die Heizung elektrisch. Die gesamte Insassenkabine ständig auf Kuscheltemperatur zu halten, kostet eine Menge Energie. Wesentlich sparsamer agieren da Sitzheizung und Lenkradheizung. Sie halten ausreichend warm und kosten weniger Reichweite. Optimalerweise wird das Fahrzeug vorgeheizt. Am besten das Auto über Nacht ans Netz hängen. „So erspart man der Batterie das energieaufwändige Aufheizen eines kalten Fahrzeugs. Außerdem ist es einfach angenehm in ein vorgeheiztes Auto zu steigen, inklusive eisfreier Scheiben“, so Blandow.

(nom)