Wolfsburg: Dritte Generation des VW Touareg: Markenspringer im Blick

Wolfsburg : Dritte Generation des VW Touareg: Markenspringer im Blick

Beim neuen Touareg setzt VW primär weiter auf den Dieselantrieb. Doch von Herbst an wird es auch einen 340 PS starken V6-Benziner geben. Es sind vor allem Freiberufler und leitende Angestellte von Unternehmen mit größeren VW-Flotten, die sich bisher für einen Touareg entschieden haben.

Mit der neuen, inzwischen dritten Generation des Marken-Flaggschiffs will der Wolfsburger Autobauer nun Unentschlossenen, die Markenspringer, für sich gewinnen. „In dem Segment gibt es viele Kunden, die gerne mal etwas anderes ausprobieren, die nicht markenaffin sind“, erläutert Bram von Dunnen aus dem Produktmarketing.

In dem Zusammenhang weist er vor allem auf das Design, die Qualität und die Fahreigenschaften hin, mit denen der 4,88 Meter lange und damit um acht Zentimeter gewachsene, 1,98 Meter breite (plus vier Zentimeter) und 1,70 Meter hohe (minus ein Zentimeter) Wagen, punkten soll. Die aufrecht stehende Frontpartie, die verlängerte Motorhaube sowie die muskulös ausgearbeiteten hinteren Schulterpartien sollen ebenso wie das optisch in die Breite gezogene Heck Kraft und Prestige signalisieren.

Innen gibt es Platz in Hülle und Fülle. Da der Radstand im Vergleich zum Vorgänger identisch geblieben ist, wirkt sich das Wachstum des Fahrzeugs auf das Volumen des Kofferraums aus. Der schluckt jetzt 810 Liter statt zuvor 697 Liter. Beim genauen Hinschauen fällt auf, dass VW bei der Materialauswahl in diesem Bereich ein wenig auf die Kostenbremse getreten hat.

Das gilt erst recht, beim Griff an die Seitenpanelen der Mittelkonsole und den unteren Bereich der Türinnenverkleidungen. Es muss ja nicht gleich Leder sein. Doch dass die Kunden hier mit Hartplastik statt geschäumtem Material abgespeist werden, ist bei dem Auto, das die Sperrspitze der VW-Produktpalette darstellt und ansonsten mit durchaus wertigen Materialen ausgestattet ist, eher unverständlich.

Diese Sparmaßnahme ist allerdings einer der wenigen Kritikpunkte, die es bei der ersten Begegnung mit dem Touareg aufzulisten gibt. Im Gegensatz zur Basisversion mit analogen Tuben hinter einem Sieben-Zoll-Bildschirm und einem 9,2 Zoll großen Touchscreen sind bei der höherwertigen Variante die Anzeigen vor dem Fahrerplatz zwölf Zoll und der Touchscreen für das Top-Infotainmentsystem daneben 15 Zoll groß (Mehrpreis: 3500 Euro). In dessen Bedienfläche integriert befinden sich Klima-, Sitzheizungs- und Navigationssteuerung sowie diverse andere Funktionen.

Über einen Home-Button geht es bei Bedarf jederzeit schnell ins Hauptmenü zurück. Ein in Metall ausgeführter Lautstärkeregler ist in der Mittelkonsole platziert. Einerlei in welcher Ausstattung, die Bildschirme sind so in den Armaturenträger eingearbeitet, dass sie wie ein einziges Display wirken. Außer allen erdenklichen Assistenzsystemen - teils gegen Aufpreis - bietet der Touareg das bislang größte bei VW erhältliche Head-up-Display (1.300 Euro).

Zum Marktstart offeriert VW zunächst nur einen Dreiliter-V6-Diesel (286 PS) an. Der präsentiert sich bei ersten Fahreindrücken und in Kombination mit einer Achtgang-Automatik als extrem leise (auch Windgeräusche sind im Passagierabteil so gut wie nicht zu hören) und überzeugt mit bärenstarkem Antritt wie Durchzug. Der angegebenen Normverbrauch (NEFZ) liegt bei 6,9 Litern. Der Bordcomputer zeigte nach knapp 200 zügig gefahrenen Kilometern über Autobahnen sowie bergigen und kurvenreichen Landstraßen 8,1 Litern an.

Noch in diesem Jahr werden ein Dreiliter-V6-Diesel (231 PS) sowie ein V6-Benziner mit gleichem Hubraum und 340 PS folgen. 2019 kommt dann als Spitzentriebwerk ein Vierliter-V8-Turbodiesel (421 PS). Vermutlich nicht vor 2020 ist ein Plug-in-Hybrid in dem SUV zu erwarten.

Eine weitere Trumpfkarte spielt der Touareg in Sachen Fahrkomfort und -dynamik aus, wenn sich der Kunde für die Luftfederung samt aktivem Wankausgleich sowie die Hinterradlenkung entscheidet. Beides sind komplette Neuntwicklungen und als Option für zusammen 2.850 Euro im Angebot. Mit dem Wankausgleich tendiert die Seitenneigung des Touareg fast gegen Null und der Geradeauslauf ist tadellos.

Der Wagen schluckt sämtliche Unebenheiten, gibt keine Stöße und Schläge in den Innenraum weiter, ohne dass dabei die Präzision leider. Mit Hinterradlenkung reduziert sich der Wendekreis von 12,20 Meter auf 11,13 Meter. Das zahlt sich in engen Parkhäusern oder beim Rangieren Stadtverkehr aus.

Klar ist, dass sich der Grundpreis des Touareg von 60.675 Euro aufgrund der Vielzahl von Assistenzsystemen und anderen Wunschausstattungen wie Leder- und Soundpakete leicht auf 80.000 Euro oder 90.000 Euro hieven lässt. Doch die Basisversion bietet bereits mit 18-Zoll-Alurädern, LED-Scheinwerfern, Tempomat, Klimaautomatik und Navigationssystem schon ein recht umfangreiches Angebot.

Nicht zuletzt das und das gewisse Understatement, das auch das Flaggschiff von VW nun einmal ausstrahlt, könnte Unentschlossene trotz der harten Seitenwände der Mittelkonsole durchaus zum Umstieg bewegen.

(amv)