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Kronberg: Dicker Brocken: Der Land Rover Discovery Td6 HSE

Kronberg : Dicker Brocken: Der Land Rover Discovery Td6 HSE

Einst als charaktervollen Exzentriker mit Ecken und Kanten startete Land Rover 1989 seine Baureihe Discovery. Beinahe 30 Jahre später ist davon nichts mehr geblieben, außer den Qualitäten im Gelände.

Mit bis zu 14 Zentimetern Höhendifferenz durch die Luftfederung, einer Art Geländetempomat sowie einem halben Dutzend Fahrprogrammen für beinahe jeden Untergrund, macht ihm dort so schnell kein anderes Vehikel etwas vor.

Die Optik präsentiert sich inzwischen reichlich weichgezeichnet, modisch und stattlich. Das sieht gekonnt aus, doch Manchem etwas zu rundgeschliffen, ohne jene Ecken und Kanten, die ehedem charakteristische Erkennungsmerkmale eines Land Rover-Modells waren.

Zur neue Linienführung gehört der Verzicht auf die zweigeteilte Heckklappe. Nun gibt es eine große. Sie surrt elektrisch gesteuert nach oben, danach klappt eine kleinere Klappe - am Boden angeschlagen - auf. Die erleichtert das Be- oder Entladen und kann zudem praktischerweise als Sitzbank für zwei Erwachsene samt Picknickkorb genutzt werden. Zu guten Ideen wie dieser addieren sich Stau- und Ablagemöglichkeiten im Innenraum, etwa drei, teils gekühlte Fächer in der Mittelkonsole, gleich zwei Handschuhfächer sowie ein Art Minifach hinter der Klimaanlagen-Bedienung versteckt.

Neugestaltet wurde überdies der Arbeitsplatz des Fahrers. In der Mittelkonsole sitzt ein Touchscreen für das Infotainment- und Elektronik-System, zeitgemäß versehen mit WLAN-Hotspot für acht Endgeräte, neun USB- und sechs Zwölf-Volt-Steckdosen samt eines so genannten Activity Key, mit dem man die Schlüsselgewalt auf ein wasserfestes Armband übertragen kann.

Mit knapp fünf Meter Länge und 2.20 Meter Breite gehören zählt der Discovery hierzulande zu den automobilen Dickschiffen. Entsprechend opulent sind die Platzverhältnisse im Innenraum. Vorn wie hinten haben selbst großgewachsene keinen Grund, sich über mangelnde Bewegungsfreiheit zu beschweren. Insgesamt präsentiert sich der Innenraum modern, gekonnt und luxuriös gestaltet mit einem hochwertigen Materialmix. Beim Kofferraumvolumen bietet der Land Rover bis zu 2500 Liter Stauraum, darf satte 350 Kilogramm Transportgut mit auf die Reise nehmen und eignet sich mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen hervorragend als Zugfahrzeug.

Der Drei-Liter-Sechszylinderdiesel hat mit solchen Lasten keine Probleme. Er aktiviert in der aktuelle Ausbaustufe 600 Newtonmeter (Nm) und 258 PS, demnächst sogar 308 PS. Für das derzeitige Leistungsangebot nennt Land Rover eine Höchstgeschwindigkeit von 209 Kilometer pro Stunde (km/h) sowie einen Sprintwert (null auf 100 km/h) von 8,1 Sekunden.

Sehr harmonisch agiert die Achtgang-Automatik, die mit sanften und schnellen Schaltvorgängen aufwarten kann. Wer möchte, kann per Wippen hinter dem Lenkrad die Gänge selbst sortieren. Nötig ist dies im Alltagsbetrieb nicht. Dank einer hervorragenden Geräuschdämmung bleibt es im Innenraum bei jedem Tempo angenehm leise. Hier unterstreicht der Discovery seinen jetzigen Status als Luxus-SUV.

Im Gelände stößt der Mensch am Steuer wohl eher an die Grenzen seines fahrerischen Vermögens und seines Selbstvertrauens als der Wagen. Aufwendige Technik, jahrzehntelange Erfahrung samt ungezählter elektronischer Helfer bis hin zu einem Wasserstandsmelder etwa für Fahrten durch Furten lassen den „Disco“ selbst dort noch mobil sein, wo man zu Fuss nicht entlang möchte. Anderseits verleiht die adaptive Luftfederung dem Wagen einen gediegenen Langstreckenkomfort. Das Fahrwerk bügelt so ziemlich alles glatt, was ihm im asphaltierten Alltag unter die Räder kommt. Trotz der komfortablen Federung und des hohen Schwerpunkts wankt der Discovery nicht unangenehm und lässt sich überraschend fix um Kurven bewegen.

In der Summe seiner Eigenschaften erweist sich der Td6 HSE als ein stattliches und praktisches Allroundgefährt für den Familienalltag ohne Allüren oder aufgesetztes Design - wenn man denn über die notwendigen Finanzen verfügt. Immerhin möchte Land Rover bereits für die Basisvariante 69.500 Euro. Beim Testwagen mit den ein oder anderen Schmankerln stehen unter den Strich 89.251 Euro. So hat sich auch in dieser Hinsicht der Disco weit von seinen Vorgängern entfernt. Doch wohl nur Liebhaber knorrig-puristischer Geländewagen werden dem Disco von ehedem nachtrauern, der im Oktober 1989 mit einem Preis von 45.350 DM auf den Markt kam.

(amv)